Das Justistal - im Film dokumentiert
Januar 2010
 

 
Der Dokfilm «Das Justistal» gewährt einen breiten, aber zum Teil unkritischen Eindruck in
die Älplerarbeit im Justistal. Ein Werk, das die Befindlichkeit der Älplerinnen und Älpler im Berner
Oberland wohl ziemlich genau trifft.
 

Text und Bilder Stephan Jaun

 

 


 

Der Präsident der Alp Spycherberg sitzt im samtig schwarzen Kühermutz vor der neuen Alphütte und erklärt in leicht künstlicher, langsamer und betont deutlicher Sprache , was es im Justistal vor dem Alpaufzug alles zu tun gibt: «Zäune erstellen, Brennholz sägen, Unkraut bekämpfen, Steine räumen, Gestrüpp zurückschneiden und viele kleine Reparaturarbeiten.» - Der Einstieg in den Dokumentarfilm «Das Justistal» wirkt leicht einstudiert, der Alppräsident Samuel Graber im Vergleich zu späteren Szenen etwas gehemmt. Aber vielleicht hat der Berner Dokumentarfilmer Heinz Sommerhalder gerade mit dieser Anfangsszene etwas Typisches fürs die Alpwirtschaft getroffen: Die Bergler im Berner Oberländer Justistal sind eher zurückhaltend. Hier führt niemand gleich die grosse Marketing-Klappe. Sondern es geht in erster Linie darum, in der kurzen Sommerzeit die viele Arbeit zu bewältigen.
 

Heinz Sommerhalder, Filmemacher
Der Filmemacher Heinz Sommerhalder wird an der Premiere mit einem Alpkäse beschenkt, das Publikum mit Bildern und Worten.
   
 

Kritische Älpler
Das hat auch Kameramann, Regisseur und Produzent Sommerhalder selbst so erlebt: «Am Anfang waren die Leute mir gegenüber sehr reserviert und haben sich wohl gefragt, warum jetzt so ein Unterländer mit seiner Kamera bei ihnen rumschleicht.» Er habe die Kamera deshalb zuerst ganz bewusst nicht eingesetzt, sondern nur mitgenommen und in der Sennhütte stehen lassen. «Aber in kurzer Zeit haben sich die Leute daran gewöhnt. Ich habe die Kamera dann laufen lassen können, und alle Alpen haben meine Arbeit unterstützt», erklärt Sommerhalder weiter.
Nicht zuletzt weil der Dokumentarfilm von der Vorbereitung des Alpsommers über die Käseherstellung und das Wildheuen bis hin zu emotionalen Bergratssitzungen sämtliche Arbeiten fein säuberlich darstellt und auch einige Lacher bietet, erhielt Sommerhalders Werk an der Filmpremiere in Sigriswil viel Applaus von der heimischen Bevölkerung. Es war ein Ziel Sommerhalders, zumindest was die Älplerarbeit betrifft, kein verklärtes Bild abzugeben. Die rund 420 Stunden Filmmaterial hat er so zusammengeschnitten, dass sich ein umfassendes und realistisches Bild von der Alpwirtschaft ergibt. Entsprechend sitzen die Älpler im Film nur selten vor der Hütte und wenn, auch nur dann, wenn es etwas zu erklären gibt.

Befindlichkeit getroffen
Viel Gespür für das Leben und die Befindlichkeit der Bergler zeigt der Film auch anhand des Themas Wasser, dem die Rolle des roten Fadens zukommt: Da erklärt Wasserwart Rudolf Stauffer, dass die Alpen gemeinsam in eine UV-Entkeimungsanlage investieren mussten, obschon es in den letzten 250 Jahren «zumindest vom Käse nie Bauchweh gegeben hat». Dass das Bauchweh der Älpler viel eher von den Beamten in Bern oder Brüssel kommt als von allfälligen Keimen im Wasser zeigt die nächste Szene: Es seien offenbar nur die Kleinen, die Bauern und Handwerker, die sich bücken müssten, «auf denen schleift man rum», kritisiert Wasserwart Stauffer mit dem Hinweis auf das Flugkerosin, welches ab und zu ungeahndet über dem Berner Oberland versprüht werde.
Während der Film die Probleme mit der Wasserbürokratie von Bern und Brüssel breit thematisiert, schweigt er sich aber zu Justistal-internen Problemen über weite Teile aus.
 

 
Das interessierte Publikum in Masse
Das zahlreich erschienene Publikum an der Premiere vom 7. Januar in Sigriswil schaut noch interessiert und gelassen, bald wird es einen tosenden Applaus spenden.
   
  Etwas gar positiv
Weder thematisiert er das ständig wachsende Verkehrsaufkommen im Tal, noch geht er darauf ein, dass der weit über die Region hinaus bekannte Justistaler Chästeilet viel von seinem traditionellen Charme verloren hat und sich statt Justistaler- immer mehr Zillertaler-Festhütten-Stimmung breit macht. «Ich wollte nichts zeigen, was dem Justistal gegen aussen schaden könnte», erklärt Sommerhalder, wenn man ihn darauf anspricht.
Klar, ihm ist «ds Tal» - wie es in den Nachbardörfern Beatenberg und Sigriswil auch genannt wird - ans Herz gewachsen. Der Filmkommentar verfällt denn auch stellenweise einem leichten Pathos. Dieses Schwülstige hätte es nicht gebraucht. Schwelgt doch der Zuschauer auch sonst bald in einer romantischen Welt, wenn die Kamera beim röhrenden Hirsch oder bei den leuchtenden Edelweiss verharrt. Da gibts nur eins: Auf den Sommer warten, Wanderschuhe packen, hingehen, Handy ausschalten, die Talseiten erklimmen und die Alpwirtschaft für einmal von oben betrachten. Oder selber z’Alp.
 
   
Der Film zeigt, wie unser Leben ist   Das Fernsehen sollte ihn ausstrahlen   Er bietet einige sehr amüsante Stellen   Selbst Sigriswilern eröffnet er Neues
Erwin Zumbach   Samuel Graber   Madeleine Amstutz   Thomas Saurer
«Wie es war, sich selbst im Film zu sehen? Einfacher, als vor der Kamera zu stehen. Der Film zeigt, wie das Leben im Tal wirklich ist. Ich finde, er ist sehr gelungen. Ich hoffe, dass der Film das Justistal und den Alpkäse ganz generell bekannter machen kann. Er zeigt, welchen Aufwand es mit sich bringt, um einen Alpkäse zu produzieren.»
  «Alpabzüge, Jodelklänge, röhrende Hirsche - ich finde den Film sehr gelungen. Im Gegensatz zu den Filmen, die man am Fernsehen sieht, zeigt der Film das Älplerleben nicht nur von der Hüttenbänkli-Seite, sondern zeigt auch auf, wie viel Arbeit es vor und während des Sommers braucht. Ich wünsche mir, dass der Film im Schweizer Fernsehen gezeigt wird.»   «Der Film zeigt die Vielseitigkeit des Tales. Er geht schön auf den Jahresablauf und den Tagesablauf der Alpen ein. Zudem bietet er auch einige amüsante Stellen. Man kann sich fragen, ob man dieses oder jenes anders hätte zeigen können. Ich finde ihn sehr gelungen. - Ich war selbst zwei Sommer im Justistal z Alp. Da hat man viel Freiheit und viel Arbeit.»   «Ich bin überrascht, wie genau Heinz Sommerhalder das Leben im Justistal filmisch darstellen konnte. Da lernen selbst wir Sigriswiler noch neue Details über das Älplerleben im Justistal. Der Film eignet sich hervorragend, um Werbung fürs Justistal zu machen. Auf die Probleme mit dem ständig zunehmenden Verkehr ins Tal geht er jedoch nicht ein.»
Erwin Zumbach, Pächter Alp Oberhofner Berg im Justistal   Samuel Graber, Präsident
Alp Spycherberg im Justistal
  Madeleine Amstutz, Sigriswil
Gemeindevizepräsidentin
  Thomas Saurer,
Versicherungsagent, Sigriswil
             
 

Wo kann man den Film sehen?
«Das Justistal» ist ein 68-minütiger Dokumentarfilm von Heinz Sommerhalder. Das Werk wurde zwar an der Filmpremiere am 7. Januar in Sigriswil vom breiten Publikum mit tosendem Applaus gefeiert, aber dass es einmal im Schweizer Fernsehen zu sehen sein wird, ist trotzdem eher unwahrscheinlich. Wer sich eine DVD beschaffen will, bestellt sie per Mail oder Post:
Heinz Sommerhalder, Feldstrasse 8, 4922 Bützberg
hsommerhalder@besonet.ch

Wer den Film an öffentlichen Schauplätzen sehen will, muss in die lokale Presse schauen oder bei Heinz Sommerhalder nachfragen.

 

 

Dieser Beitrag erschien am 16. Januar 2010 im Schweizer Bauer
Stephan Jaun-Pfander ist Journalist und Chefredaktor beim LANDfreund und stv. Chefredaktor beim Schweizer Bauer

   
   
   
   

 
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