Das Alpofon geht ins erste Jahrzehnt
März 2010
 

 
Das Alpofon, die Hotline von ÄlplerInnen für ÄlplerInnen, vermittelt bei Personalausfall, hilft bei arbeitsrechtlichen Fragen und unterstützt bei speziellen Fragen rund ums Käsen, die Tiere und die Alp.
Der Dienst der Interessengemeinschaft Alp geht diesen Sommer ins zehnte Jahr und sucht auch heuer
teamfähige Alpleute für kürzere und längerfristige Einsätze.
 

Text Barbara Sulzer, Bild Giorgio Hösli

 

 


 

Rückblick 2009
Die Hotline war letztes Jahr wieder heiss begehrt. Wie schon im Sommer 2008 suchten rund 100 Alpbetriebe Alppersonal übers Alpofon. Insgesamt hatten noch mehr Alpbetriebe Personalausfälle, viele suchten direkt im Internet oder in der Verwandtschaft und Bekanntschaft nach Aushilfen. Auffällig war, dass viele grosse Kuhalpen, mit 80 – 120 Milchkühen, Personalschwierigkeiten hatten.
Insgesamt konnte das Alpofon etwa 50 Personen vermitteln. Meistens waren zu wenig Einsatzleute auf der Liste, oder sie waren zur falschen Zeit verfügbar. 90 % wurden in den Monaten Juni und Juli gesucht. Es meldeten sich 76 Männer und 34 Frauen. Viele davon haben ihr Einsatzangebot frühzeitig wieder zurückgezogen.
 
Wer sich für Statistisches vom Alpofon interessiert kann sich Zahlen, Tabellen und Kuchendiagramme hier als PDF herunterladen: Alpofon-Statistik 2009
 

misten
 
Neben Kühen und Käsen gibt es auf den Alpen auch sonst viel zu tun. Da staunt noch mancher, der nur wegen der schönen Aussicht in die Berge zieht. Überforderung und Teamschwierigkeiten sind die häufigsten Ursachen für das frühzeitige Verlassen der Alp.
   
 

Gesucht für Sommer 2010: Alpeinsatzspringer
Auch kommenden Sommer wird das Alpofon wieder Leute brauchen, die einige Wochen lang auf einer Alp anpacken können, sei es in der Sennerei zum Käsen, Buttern und Abwaschen, oder im Stall zum Melken und Misten oder auf der Weide zum Hüten und Zäunen oder einfach im Haushalt zum Kochen, Kinder hüten und überall mithelfen.
Die meisten Alpeinsatzspringer sollten wenn möglich melken können und Landwirtschaftserfahrung mitbringen. Ab und zu können auch Leute ohne Vorkenntnisse eingesetzt werden. Das wichtigste ist, dass die «AlpbetriebshelferInnen» sich in ein bestehendes Team einfügen können, flexibel, körperlich und psychisch belastbar sind und die lange Arbeitszeit nicht scheuen.
Hat Dich dieses Anforderungsprofil angesprochen und hast Du nicht einen ganzen Sommer lang Zeit für eine Alp, so melde Dich beim Alpofon und sag es Deinen Bekannten weiter. Anmeldung über www.alpofon.ch oder 055 622 39 21 und ab 1. Juni unter 078 813 60 85.

Gesucht – Praktikumsplätze für Älplernachwuchs
Das Alpofon sucht immer wieder Alpbetriebe, welche unerfahrenen Leuten und Jugendlichen kurze Zeit Einblick ins Älplerleben geben können. Wer genügend Platz in der Hütte hat und einen Neuling ein, zwei Wochen lang am Alpleben teilnehmen lassen möchte, melde dies doch ebenfalls dem Alpofon.
 

 
Alpofon
Den Alpofonkleber kann man bestellen bei info@ig-alp.org und dann in der Hütte neben das Telefon kleben oder direkt ins Handy tippen.
   
  Fragen ans Alpofon im letzten Sommer

Das Alpofon gibt auch Auskunft bei Fragen zum Lohn und zur Arbeit. Ein paar Antworten auf häufige Fragen vom letzten Sommer:

Wie steht es mit Kranken- und Unfallversicherung für Ausländer bei kurzfristigen Alpeinsätzen von 1-4 Wochen?
Die meisten Alpbetriebe schliessen eine sogenannte Globallösung mit ihrer Versicherungsgesellschaft ab, darin ist eine Unfallversicherung für Aushilfen enthalten. Nicht mitversichert ist die Aushilfe hingegen bei einem Krankheitsfall, da dies Aufgabe des Arbeitnehmers ist. Ausländer müssen sich bekanntlich in der Schweiz krankenversichern. Arbeitet jemand nur kurzfristig in einem Alpbetrieb, soll er mit seiner Krankenversicherung im Heimatland aushandeln, ob sie diese Zeit abdecken würde.
Information von Herrn Eggenberger, Bündner Bauernsekretariat

Muss beim Lohn für einen 3-4 wöchigen Alpeinsatz auch AHV abgerechnet werden?
Für die AHV gilt ein Freibetrag von Fr. 2200.- pro Jahr und Arbeitgeber. Der AHV-Stelle melden soll der Arbeitgeber jedoch auch die Auszahlung eines niedrigeren Lohnes, da dies sonst als Schwarzarbeit interpretiert werden könnte.

Wieviel Lohn gibt es, wenn das Arbeitsverhältnis frühzeitig abgebrochen wird?
Wird einem Älpler aus triftigen Gründen gekündigt, oder verlässt dieser die Alp aufgrund gegenseitigem Einverständnis, so soll er für so viele Tage Lohn erhalten, wie er auf der Alp gearbeitet hat.
Läuft ein Älpler einfach davon, oder tritt er die Stelle gar nicht an, so kann ihm ein Viertel des Monatslohnes abgezogen bzw. in Rechnung gestellt werden.
Wird der Älpler vom Arbeitgeber ohne Kündigung rausgeschmissen, so hat er Anspruch auf so viel Lohn, wie die Kündigungsfrist dauern würde. Davon kann ihm der Betrag abgezogen werden, den er durch die frei gewordene Zeit erwerben kann bzw. könnte (OR Art. 377c).
Wird der Älpler bereits während der Probezeit fristlos entlassen, erhält er für die Tage Lohn, so lange die Kündigungsfrist dauert (gemäss NAV im Kt. BE 3 Tage). Ist die Probezeit nicht explizit geregelt, so gilt diejenige vom Obligationenrecht (Art. 335b): Während der Probezeit von einem Monat gelten 7 Tage Kündigungsfrist, danach gilt ein Monat Kündigungsfrist.
Antworten gemäss Obligationenrecht OR Art. 337

Hat ein Älpler auf den ganzen Lohn Anspruch, wenn er den Vertrag mit dem Alpmeister abgeschlossen hat, jedoch vom Senn (Mitälpler) rausgeschmissen wurde?
Wird der Vertrag nicht gekündigt und ist der Älpler nicht davongelaufen, so hat der rausgeschmissene Älpler eigentlich Anspruch auf den Lohn der vereinbarten Alpzeit. Bevor also ein Senn seinen Mitarbeiter davonjagt, soll er dies mit dem Alpmeister absprechen. Dieser muss dann demjenigen, der entlassen werden soll, ordentlich kündigen.

Was tun, wenn die Alphütte den Jägern versprochen ist, die Hütte zur Jagdzeit aber noch vom Älpler benötigt wird?
Zweimal beschwerten sich Älpler, dass anfangs September Jäger die Alphütte besetzen wollten, ohne dass ihnen dies beim Stellenantritt gesagt wurde. Angeblich habe die Gemeinde (Alpbesitzerin) den Jägern die Erlaubnis gegeben. Die Frage war, ob sich die Älpler gegen die Jäger wehren können, ob sie die Hütte hergeben und ins untere Säss zügeln, oder die Hütte mit den Jägern teilen müssen.
Es ist schwierig, darauf eine Antwort zu geben. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass dieser Punkt unbedingt beim Anstellungsgespräch besprochen und vertraglich geregelt werden muss: «Ob und ab wann und zu welcher Entschädigung steht die Hütte den Jägern zur Verfügung?» Der Alpmeister muss dies mit Gemeinde (Besitzer) oder dem entsprechenden Zuständigen abklären. Ich meine, die Alphütte gehört den ÄlplerInnen, solange die Tiere oben sind.

Wieviel kann für einen Hütehund als «Miete» verlangt werden?
Es gibt keine Ansätze für Alphunde, das hängt stark vom Können und der Leistung eines Hundes ab, sowie von der Motivation, einen Hund auf die Alp zu geben.
Vor der Alp soll kein Fixbetrag sondern ein Entlöhnungsbetrag in einer Bandbreite vereinbart werden, z.B. 200 bis 400 Franken. Man kann ja nicht zum voraus sagen kann, wie nützlich der Hund sein wird, und ob er im Herbst besser ausgebildet oder gar verdorben zurückkehren wird.
Ein gut ausgebildeter Hütehund, mit dem auch im Winter gearbeitet wird, kann pro Sommer ein paar Hundert Franken Wert sein. Einer, der nur gehütet oder angelernt werden soll, verdient sich knapp das Hundefutter. Mancherorts wird der Hund auch in Naturallohn mit ein paar Käselaiben entschädigt.
Antwort von Jan Boner, Hirtenhundekursleiter


 
 
 

Das Alpofon ist ein Dienst der IG-Alp. Die Interessengemenschaft Alp publiziert einmal jährlich eine Infopost mit aktuellen, alpwirtschaflichen Themen. Dieser Beitrag erscheint in der nächsten Infopost der IG-Alp. Wer die Infopost auch haben möchte, bestellt sie über info@ig-alp.org.
 
Weiter organisiert die IG-Alp das ÄlplerInnentreffen mit Stellenbörse im Winter in Landquart und das ÄlplerInnenfest im Herbst in Trin-Mulin.
Wer aktiv bei der IG-Alp mitmachen will, meldet sich bei:
Blanca Paterlini, Clois 30, 7078 Lenzerheide, Tel: 081 384 69 76
www.ig-alp.org

   
   
   
   

 
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