Alpsommer in Canada
Mai 2010
 

 
Mein Alpsommer 2010 beginnt auf einer Farm in Canada. Nach meiner Reise durch die USA, von New York to San Francisco und weiter nach Vancouver bin ich an meinem Arbeitsplatz in Kitscoty, Alberta in der Praerie angekommen. Die endlosen, weiten Nadelwälder in den Rocky Mountains haben in die endlosen weiten Weizenfelder und das Weideland der Prärie gewechselt. It’s all the same but other.
 

Text und Bilder Ronaldo Don Casaro

 

 


 

Auf der Farm Hedge Haven von Brian und Rhonda werde ich diesen Sommer arbeiten. Es sind 1600 Hektaren Weideland für 1000 Rinder und Kälber. Hier ist es toskanisch hügelig, nicht topfeben und fremdartig schön. Den ersten Schneesturm im Fruehling, mit Schneewehen, der alles zum Erliegen gebracht hat, haben wir abgewettert. Es war unvorstellbar, wie der Sturm über das flache Land getobt ist. Rinder und Kälber sind das ganze Jahr im Freien und haben dieses Naturereignis stoisch ertragen. In den nächsten Tagen geht der Frühling weiter.
 

nach dem Sturm
   
  Es werde Käse! Inzwischen habe ich meine Arbeit aufgenommen, wir produzieren Pecorina à la Pienza, Softcheese, Cottagecheese und Ricotta. Der Softcheese muss flavoured sein, geschmacksverbessert mit Knoblauch, Paprika süss, Artischocken und Olivenpaste, Pfeffer oder Kräuter der Provinz. Softcheese nature ist nicht gefragt. Freunde, Verwandte Bekannte und Unbekannte loben meine Künste und schwelgen über das cheeseflavor bei Degustationen. Manchmal ist mir das richtig peinlich diese Überschwänglichkeit.
 
 
Käse
   
 

Wenn andere Frauen zur Hochzeit Diamanten bekommen, so bekam Rhonda einen Melkstand, eine Käserei und ~150 Milchschafe. Rhonda. Ich habe sie 2008 in der Toskana kennengelernt und wir haben auf einer Podere zusammen gekäst. 2009 habe ich eine E-Mail bekommen, ob ich beim Aufbau einer Käserei als Käser und Consultant helfen möchte.
 

Schafe melken
   
 

Das sightseeing hier in Kitscoty AB, ist trotz der Entfernungen, mit dem Auto in 2 Stunden erledigt. Kitscoty (4km) und Lloydminster (20 km) sind die nächsten Ansiedlungen. Kitscoty kann ich wenigstens zu Fuss oder mit dem Traktor erreichen. Es gibt eine Bar, ein Postamt, eine Oldtown aus der Pionierzeit mit Mainstreet und 900 Einwohner. Alles sehr malerisch. An meinen Stammtisch in der Bar komme ich mit meinem Geschäftstraktor, einem alten Massey Ferguson 1130. Oft werde ich auch mitgenommen. Der Traktor wird nicht mehr benutzt, weil er keine klimatisierte Kabine hat. Mein Traktor ist eben ein Schönwettertraktor.
 

 
Traktor
   
 

In den letzten Jahren ist Ölsand + Öl in 300 m Tiefe abbauwürdig geworden. Und so geht ein Ölrausch über das Land. Unter dem Farmland von Brian + Rhonda liegt auch Öl, prospektiert. Die Firmen suchen qualifizierte Leute vom Ingenieur, Elektriker, Mechaniker bis zum Truckfahrer für diese Jobs. Es gibt kaum Arbeitslose und alle, die mit Öl sehr viel Geld verdiene,n lassen es krachen, fliegen nach Las Vegas, gehen zum Skiing in die Rocky Mountains. Ist alles verprasst, wird wieder gearbeitet.
 

 
in der Bar
 
 

Viele aus Rhondas Freundeskreis, ~30 Jahre alt, haben bereits jene typischen amerikanischen Häuser aus der Retorte, davor grosse Pickups (GMC+Ford+Chevrolet). Die Wohnungen sind «geschmackvoll» mit teurem Mobilar aus dem Katalog eingerichtet. An der Wand hängen Ölschinken: Paris, London, Toskana und andere europäischen «Künstler».
Einmal pro Woche kommt dieser Freundeskreis, oder wir (ich auch) sind eingeladen und sie sprechen sehr gerne über ihre BUCKS. In infantiler Manier zeigen sie ihr Rohr und lassen den Sound ihres Trucks hören.
Das Dinner kommt dann vom Partyservice, meistens Lasagne und Partysalate, Dipping mit Chips. Dazu ein höllisches Gesöff aus mexikanischem Bier + Rum oder Wodka + sehr süssem Juice.
Ich bevorzuge dann Bier aus der Dose!
 

Schafstall
 
  Die motorisierte Mobilität hat manchmal groteske Formen. Wenn nicht mit dem Auto, so wird auch der Weg zu den Stallungen oder in die Käserei mit dem Quad zurückgelegt. Mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, erregt den Verdacht Sport zu treiben. Und so etwas wie mich ist nicht einzuordnen, ich gehe zu Fuss. Und die Wanderungen durch die Prärie, in meiner Freizeit, sind berauschend. Vor allem bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, wie Luky Luke, der in die untergehende Sonne hinausreitet.
 
Farm
   
  Auch wenn sich das alles kabarett-kafkaesk anhört, es ist fremdartig interessant und schön hier. Wenn die Käserei nach 3-4 Monaten läuft, mache ich Urlaub und gehe mit dem Camper ins Yukon Territory zu den Mosquitos und Lachsen, zur Mitternachtssonne, zum Indiansummer und zu den Goldgräbern.
   
   
 
   
   
   
   
 
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