Time out – Meine Zeit auf der Alp
September 2010
 

 
Die Alp kann ein guter Platz für Time outs bieten. Der Erlebnisbericht eines Jugendlichen,
der drei Wochen auf die Alp musste, um sich Klarheit über seine Zukunft zu verschaffen.
 

Text: Raffael G., Bild: Raffael G. und Freunde

 

 

  Mein Name ist Raffael G., und ich lebe in der Jugendstättedes Pestalozziheim Burghof - im Lehrlingsheim. Nachdem ich von dort drei Wochen lang «abgehauen» bin, wurde mir von den zuständigen Sozialpädagogen mitgeteilt, dass ich für drei Wochen lang in ein Time out gehen muss. Die Sozialpädagogen sagten mir, ich solle diese Zeit nicht als Strafe sehen, sondern als eine Zeit, die ich für mich nutzen kann. Zeit, um meine Motivation für die Lehrausbildung im Pestalozziheim als Kfz Mechaniker zu überdenken und Zeit, um mir meine zukünftigen Ziele zu überlegen.
Ich wurde am 19.07.2010 von einer Sozialpädagogin von uftriib – Sozialpädagogische Interventionsstelle für Kinder und Jugendliche – im Pestalozziheim abgeholt. Wir fuhren dann gemeinsam nach Stierva und anschliessend über eine Waldstrasse auf die Alp Nova.
Eigentlich wollte ich nicht in dieses Time out und es war ein komisches Gefühl soweit weg zu fahren, abseits in die Berge und weit weg vom Schuss. Innerlich aufgewühlt und angespannt über die Entscheidung für dieses Time out, versuchte ich doch mich zu überwinden nicht wieder weg zu laufen.
   
 
Alphütte Stierva - Alp Nova
   
  Wir fuhren schlussendlich auf eine alleinstehende Alphüttezu und ich wurde informiert, dass wir nun angekommen sind. Als ich aus dem Auto ausstieg, begrüssten mich Helmut und Maria, seine Lebenspartnerin, herzlich und freundlich. Die ersten Ängste waren abgebaut, da mir diese beiden Personen sympathisch waren. Auch der kleine Flurin, der 13-monatige Sohn von Maria und Helmut, strahlte mich zur Begrüssung an.
Am ersten Tag konnte ich zuerst meine Sachen im Zimmer einräumen und das Haus und die Umgebung kennen lernen. Das Alphaus ist toll ausgebaut, es hat alles was man braucht – ausser Fernseher, Computer. Einfach alles, was mit Medien zu tun hat, das gabs nicht, auf dies musste ich nun drei Wochen verzichten. Helmut nahm mich dann täglich mit auf seine Tour – also auf die Arbeit, die ein Alphirt zu tun hat. Wir liefen manchmal fast die ganze Alp ab um die Kuhherden zu beobachten, abzuzählen und zu kontrollieren, ob sie alle gesund sind. Auch die Weidezäune mussten wir errichten, kontrollieren und reparieren.
 
Raffael mit Kuh auf Tuchfühlung
   
  Meine Güte, das ist keine Arbeit für jemandender nicht gerne läuft. Es waren viele Stunden und lange Strecken, die wir an den Tagen im Gebirge herumliefen. Ich hatte durch die Ruhe und die fehlende Ablenkung, die ich sonst durch Kollegen, Computer und Fernseher habe, viel Zeit zum Nachdenken, alleine sein, mich mit mir selbst zu beschäftigen. Dies war eine neue und spezielle Erfahrung.
   
 
Raffael beim Schittli spalten
   
  Nach dem vielen Laufen am Tag hatte ich auch einen riesen Hunger und Maria oder Helmut kochten immer vorzüglich. Auch der 13 Monate alte Sohn von Maria und Helmut sorgte für viel Unterhaltung. Sehr genossen hatte ich auch, dass wir die Freizeit am Abend in der Hütte mit Spielen verbrachten – ich hatte viel Spass mit Tschau-Sepp. Wir spielten manchmal 2 bis 3 Stunden lang.
Die Zeit auf der Alp war schön und auch eine Erholung von der Zivilisation. Mir hat es geholfen und gut getan, eine dreiwöchige Zeit auf der Alp zu verbringen, trotz dem ganzen Widerstand, den ich anfangs hatte, kann ich nun im Nachhinein sagen, dass es eine Bereicherung für mich war und ich bin stolz, dass ich diese Zeit so gut gemeistert habe.
   
 
Raffael und Helmut
   

  Infos zur Sozialpädagogischen Interventionsstelle für Kinder und Jugendliche: www.uftriib.ch
   
   
   
   
   
 
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