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  Die Tiba ist kein Nebelhorn?
Erscheinungsdatum
Juli 2011

Im Tiba Jahr 2011 des Museum Regiunal Surselva GR organisierte die Museumsleitung eine Tiba-Stafette zwischen Wergenstein und Ilanz. Geklappt hat es leider nur etappenweise. Ein Erlebnisbericht des Bläsers vom fünften Posten auf Alp Vioms.
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Silvia Weißengruber
 
Text:
Reiner Schilling

Bilder:
Maike Oestreich
 
Das Natel läutet, es ist Pfingstmontag, den 13. Juni 2010 kurz vor vier. Marcel ruft an und verkündet den Marschbefehl für seine Schamser Bläsergruppe. Es gibt noch die Safier und die Gruppe aus Ilanz am Ende bzw. in der Mitte der Stafette, dazu später mehr. Der Aufruf erscheint am regnerischen Vorsommerabend mutig, da bei Nebel oder starkem Niederschlag die Aktion abgeblasen werden solle. Nun heisst das Kommando reinblasen aber erst am richtigen Standort und erst nach 18 Uhr.
 
Trompeter spielen Tibeta
Noch gemütlich ein Kaffee in der Alphütte Vioms geschlürft wird es schnell mal 17 Uhr. Nun aber sputen, denn bis zur Farcletta da Stavlatsch bei meinen Nachbarn auf Alp Oberst braucht es 45 Minuten. Auf den schmalen Tritten der Alpweide stolpere ich an meinem ersten Alptag über die hinteren Weiden, die ich sonst erst Mitte Sommer unter die Füsse bekomme. Mein Instrument trage ich umgehängt in einer olivgrünen mit Tarnstoff genähten Tasche. Hoffentlich sieht mich kein Jäger, das gibt nur Missverständnisse, schliesslich hätte auch eine abgesägte Schrotflinte darin Platz. In den grossen Tibataschen hat noch mehr Platz aber ich spiele als Trompeter der MiMS (Musica instrumentala Mutogna da Schons) die kleine «Tibeta». Sie ist deutlich höher gestimmt und zu meinem Vorteil auch leichter. Sie ist lauter und sicherlich besser zu hören. Ich denke dabei an Martin auf der Siedlung Signina mit seinem hölzernen Alphorn - Tibas aus Zinkblech sind auch wetterfester.
 
Älplerstolz oder Gipfelstürmer
Endlich angekommen am zweithöchsten Punkt der Stafette. Christian auf dem Güner Lückli mit 2470 m ü.M. steht am höchsten. Zugegeben ich verweile nicht wirklich auf der Farcletta sondern knapp 100 Höhenmeter daneben auf dem letzten Grad meiner Alpweide - das ist Berufsstolz. Den Gipfel des Einshorn links neben mir sehe ich erst gar nicht. Er steckt die ganze Zeit im Nebel. Besser also auf Sichtkontakt zu den anderen Bläsern bleiben, denn mit dem Fernglas kann ich Martin hinterm Libi und Trudi auf dem Hoch Buel erkennen. Da geht auch schon das erste Telefon, Martin fragt, ob ihn gehört habe. Dabei habe ich noch nicht mal die Guuge ausgepackt und das Mundstück gewärmt.
So langsam wird es ungemütlich auf dem Grad und es heisst warten bis 18 Uhr. Werner begann die Stafette wohl pünktlich vom Center da Capricorns in Wergenstein, denn kurz darauf höre ich «Martins Horn» zwischen einzelnen Windböen. Der Regen hat glücklicherweise nachgelassen und stört nicht. Ich bestätige mit «Udiu e capiu» (gehört und verstanden) dem Tibasignal von Clemens Christoffel und spiele weiter in Richtung Glaspass. Damit es lauter tönt und ich besser höre steige ich fünf Meter tiefer vor eine Felswand; unter mir die lärmende Schlucht Nolla.
Zwischen Hoch Büel und Alp Vioms schluckt der Nebel zu viel Tiba-Schall.
Beim Spiel in Richtung Schams ertönt ein schönes Echo.
Tiba Richtung Schams
   
Kein Laut von Trudi

Eine Antwort erhalte ich keine, zumindest nicht mit Tibaklängen, denn fünf Minuten später schellt das Telefon. Trudi fragt an, ob ich sie ebenfalls gehört habe? Leider nicht, melde ich mit der Weigerung zurück zu telefonieren, falls ich doch etwas höre. Schliesslich spielen wir Tiba- und nicht mit Mobilfunk-Stafette. Trudis zweiter und dritter Versuch scheitert ebenfalls, vermutlich der Nebel zwischen ihr und mir. Gut schickt Marcel auf Inner Glas Trudis Signal längst in Richtung Ilanz. Das Ganze scheint zum Einbahnsignal zu werden und als Test tröte ich wieder ins Schams. Innert weniger Minuten erhalte ich die Antwort via Martins und Riccardas Tiba vom Ausgangspunkt Wergenstein; im Osten funktionierts.
Das letzte Telefon erreicht mich um Viertel vor sieben. Marcel bläst die Übung nun wirklich ab, die Safier hätten ebenfalls eingepackt und jetzt ist es richtig frisch geworden. Die Finger ausgekühlt von der blechernen Tibeta freue ich mich auf die warme, trockene Alphütte. Es hat Spass gemacht aber Morgen, so nehme ich mir vor, hole ich mein Alphorn auf die Hütte und werde erst mal zum Schönwetterbläser.
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Weiterführende Links zur Tiba www.museumregiunal.ch
www.museumregiunal.ch
de.wikipedia.org/wiki/Tiba
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