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  Die Geschichte eines Hirten,
der sich nicht aufs Kreuz legen liess
Erscheinungsdatum
September 2011

Bei der Lohnübergabe im Herbst zeigt sich manchmal wie gut sich der Älpler und sein Alpmeister/Bauer im Sommer verstanden haben. Wenn es mit der Auszahlung hapert, kann sich Hartnäckigkeit auszahlen. Der Bericht eines Hirten, der nicht locker liess.
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Text: C.M.
(Name der Redaktion
bekannt)

Bild: Giorgio Hösli

Schaf


 
 

 
Es war einmal ein Älpler, der fand über zalp.ch eine Stelle als Schafhirte im schönen Berner Oberland. Sein Chef wohnte ausser Sichtweite bei Biel. Die Alp hatte natürliche Grenzen und benötigte deshalb keine Zäune und war inoffiziell als Standweide ohne tägliche Weideführung geplant, solange keine Kontrolle durch das Bundesamt für Landwirtschaft angekündigt war. Denn offiziell hat der Bauer beim Bundesamt die Alp als eine Schafalp mit ständiger Behirtung und täglicher Weideführung angemeldet. Der versprochene Lohn war gering angesetzt, aber leicht verdient dank der lokalen topografischen Vorteile und einer gewohnt geeinten Herde eines einzigen Herdenbesitzers.
 
Anfänglich war das allerdings noch nicht klar ersichtlich, da die Alp riesig, steil, unübersichtlich und das Verhalten der Tiere nicht vorhersehbar war. Der Hirte war vorsichtig und versprach dem Schafbesitzer, dem Schein nach die Tiere zu hüten, sie jedoch nicht täglich auf die vorbestimmten Weideplätze zu führen. So sollte dieser seine Bedürfnisse nach den Bundesgeldern trotzdem stillen können.
Herrliche Aussichten für den Hirten auf einen schönen Sommer. Er sollte oben den Hirten spielen, brauchte aber nicht dauernd den Schafen hinterher zu rennen. Von einer Behirtung nach Bewirtschaftungsplan wurde damit abgesprochenermassen abgesehen, da der versprochene Lohn für einen solchen Aufwand niemals ausreichend entschädigen würde: Ein Drittel der Subventionsgelder sollte für den Hirten aufgewendet werden. Den Rest von Fr. 16’000.– (insgesamt Subvention von Fr. 24’000.–) wollte der Schafbauer selber einstecken. Man einigte sich trotzdem wie beschrieben und die Schafe wurden aufgetrieben. Der Hirte übernahm die Aufsicht und der Chef kam ab und zu zur Kontrolle. Reklamationen gab’s keine. Anfänglich wollte man sich noch auf Jobsharing für den Hirten einigen, da der Ersatz aber derart unqualifiziert war, kam dies nicht zu Stande.
 
Der Hirte hütete den ganzen Sommer die Schafe und stellte im Herbst Rechnung für seine Leistung. Plötzlich wollte der Bauer nichts mehr wissen von seinen Zusagen und überwies nur ein Teil des Lohns. Obwohl er hauptberuflich als gutverdienender Angestellter in einer Strafanstalt arbeitet, konnte der Schafbauer den Teilohn erst im Dezember überweisen, nachdem er vom Bund die Fr. 24’000.– ergaunert hatte.
Der betrogene Hirte mahnte schriftlich, aber alle Post kam zurück: keine Annahme der eingeschriebenen Mahnungen durch den Schuldner. Der Hirte eröffnete ein Betreibungsverfahren, aber der Bauer erhob Rechtsvorschlag und man landete schlussendlich vor der kantonalen Schlichtungsstelle des Betreibungsgerichtes. Der Bauer kam trotz Notlügen und Ausreden unter Druck und musste widerwillig Zugeständnisse machen, diese jeweils nur auf richterliche Intervention.
Die Gerechtigkeit strafte den Lügner, denn ehrlich währt am längsten und Lügen haben kurze Beine. Er musste nachzahlen. Aber er war geizig genug, nur das Minimalste zuzugestehen und kam billig davon. Doch zukünftige Beitragsgelder für die Behirtung wurde ihm verwehrt, weil der Hirte dem Bundesamt für Landwirtschaft den widerrechtlichen Bezug von Beitragsgelder steckte, sodass der Bauer die Subventionen für ständige Behirtung nicht mehr erhält. Er kann nur noch Gelder für die Nutzung als Standweide beziehen, was einem Drittel der vorherigen Beiträge entspricht.
 
Der Hirt geniesst seine späte Rache und toppt das Rachegfühl, indem er die Betreibung im Register des Bauern nicht löschen lässt, obwohl er sein Geld schlussendlich mehrheitlich bekommen hat. Amen.

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