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  Die Alp studieren
Erscheinungsdatum
September 2011

Herbstzeit – Lesezeit. Die Alp birgt ein weites Feld für StudentInnen. Stellvertretend für viele Wissenschaftsarbeiten im folgenden eine Diplom-, eine Semester- und eine Lizentiatsarbeit. Es geht dabei um Erfahrungen von Sennen und Sennerinnen, um die möglichen Gründe für einen Alpabbruch und um die Geschichte von ÄlplerInnen aus landwirtschaftsfernen Zonen.
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Text: Markus Schütz (ms),
Giorgio Hösli (gh)

Bild: Giorgio Hösli

Alphütten-Tarif
   
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Marlene Günther:
Käsen mit Laib und Seel
 

 1.4 MB

  
Bei der Diplomarbeit von Marlene Günther geht es um das Erfahrungswissen von Sennen und Sennerinnen auf Graubündner Alpen und wie sich dieses Wissen auf die Käsequalität auswirkt. Interessant sind dabei vor allem die Interviews mit den Alpleuten und natürlich ihre Aussagen. Es fällt auf, dass die erfahrenen SennerInnen den vorgeschriebenen Gesetzen der Milchverarbeitung, z.B. der Kühlung, misstrauen und ihre eigenen Erfahrungen einbeziehen. Wer schon länger auf der Alp arbeitet ist weiter weg von seiner Ausbildungszeit, da mischt sich eigene Erfahrung zum gelernten Wissen.
Als wichtigste Aussage der Diplomarbeit erscheint mir, dass die SennerInnen individuelle Vorstellungen eines guten Käses haben, die vor allem auf Eigenverantwortung und Erfahrung beruhen und weniger auf Kontrollen und Gesetzen. Beinahe Einigkeit zeigt sich bei den Aussagen, die darauf hinweisen, dass man nie alle Parameter im Griff habe und das aus verdammt vielerlei Milchen noch Käse gemacht werden könne. Selbstkritisch bemerken die ÄlplerInnen, dass Erfahrung allein keinen guten Alpkäse produziert und dass auch unerfahrene Leute guten Käse produzieren können.
Die SennerInnen würden ihre Erfahrungen gerne austauschen und liefern damit an den Plantahof gleich den Wunsch, mehr auf Austausch denn nur auf Ausbildung zu setzen. Vielleicht könnte man den Wiederholungskurs auf diese Richtung hin intensivieren und evtl. den Wiederholungskurs mit dem Ausbildungskurs eine zeitlang mischen. (gh)

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Vincent Egger:
Wenn der Alpsommer zum Albsommer wird
 
PDF
 1 MB

 

  
Nicht jeder Älpler, nicht jede Älplerin hält bis zum letzten eingewinterten Zaunpfosten durch. Vincent Egger spürt den Weggelaufenen nach. In drei Interviews versucht er, vier Alpabbrüche etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei wird klar, dass es zwar Muster gibt in den Konflikten die zum Abbruch führen, aber keine allgemein gültigen Regeln, wie sie verhindert werden könnten. Schlussendlich sind es eben Menschen, die zur Alp gehen, und die haben ihren jeweils eigenen Rucksack dabei. Auch wenn für viele die Alpzeit eine Auszeit von sonstigen Lebenssituationen darstellt, einem selber entkommt man nicht.
Die Interviews, die Vincent Egger geführt hat, sind nur mit der einen Streit-Partei geführt worden. Das verhindert zwar die Schlammschlacht, lässt einem beim Lesen aber etwas im Ungewissen, denn man möchte doch gerne die Wahrheit beider Seiten sehen.
Eggers Fazit: «In Zukunft sollte die Sensibilisierung der in der Alplandwirtschaft tätigen Personen auf die zwischenmenschliche Problematik und den Umgang mit Konfliktsituationen gefördert werden.» Wie das gehen soll, lässt er offen. (gh)
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Markus Schütz:
Die Alp als Ort der Gegenkultur
 
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 4.2 MB


 

  
Ab den 70er Jahren hob in ganz Europa eine Alternativ- bzw. Gegenkultur an, die sich mit teilweise radikalen Utopien und Gegenkonzepten ablehnend zur Konsumkultur verhielt und die ihre Exponenten unter anderem auf die Alpen führte. Ein widersprüchlicher Weg: Die nationalistische Überhöhung von Bergen, Alp und Sennentum bot ideologisch wenig Anknüpfungspunkte für eine antinationalistische, oft radikal utopische Gegenkultur. Unterschiedliche Vorstellungen von Geschlechterrollen, noch kaum institutionalisierte Ausbildung, Unverständnis im urbanen Umfeld – die Alp als Ort der Gegenkultur musste erst erschlossen werden.
Ich habe mit verschiedenen Exponenten v.a. der 70er bis 90er Jahre gesprochen und versucht, diesen Weg nachzuzeichnen und zu verstehen, ohne gleich die gängigen Narrative wie «Natursehnsucht» oder «Arbeit mit den Händen» zu bemühen. Herausgekommen ist ein schillerndes Bild, in dem sich die Älpler nicht einfach als naive Naturschwärmer oder «Aussteiger», sondern als bisweilen höchst reflektierte Forscher ihrer eigenen Materie entpuppen, die an verschiedene Traditionen auch des Erzählens über die Alp(en) anknüpfen und Vorstellungen widerständischer Tradition und Folklore mitprägten. (ms)

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