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  Vor dem Handschlag und der Unterschrift
Erscheinungsdatum
Januar 2012

Wenn die Alpstelle lockt und ans pöpperlnde Herz greift, heisst es ruhig bleiben. Für einen geglückten Alpsommer braucht es eine seriöse Vorbereitung. Manchen möglichen Knatsch kann man schon am Verhandlungstisch mit den Alpmeistern ausdiskutieren.
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Text: Kaspar Schuler,
Neues Handbuch Alp

Bild: Giorgio Hösli

 

 

 

 

 

 

 

Damit es ein blumiger Sommer wird, ist im Winter gut Schneeschaufeln angesagt.

der Frühling ruft
   
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Mitnehmen: Landeskarte des Alpgebietes im Massstab 1:25’000, Notizheft, Adressen ehemaliger Alpmeister, eigener oder Muster-Anstellungsvertrag. Diesen und andere wichtige Formulare findet man z.B. unter: http://www.buendner-bauernverband.ch/Downloads.105.0.html
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Tuchfühlung


 

  
Je weniger du mit Bergbauernfamilien im Alltag zu tun hast, umso wichtiger ist, dass du dir wirklich Zeit nimmst, ihre Lebensweise und ihre Ansichten wahrzunehmen. Höre zu und frage nach. Erzähle von dir, packe mit an, wenn es möglich und erwünscht ist und wundere dich nicht, wenn nicht gleich bei eurer ersten Begegnung das Eis bricht. BerglerInnen fallen dir kaum spontan um den Hals, doch wenn ein Grundvertrauen entstanden ist, gehen sie Schritt um Schritt auf dich zu und lassen dich auf der Alp auch nicht im Stich.
Vergiss nicht, dich mit dem Alpmeister auch über seine Erwartungen ans Alppersonal zu unterhalten. Unausgesprochene Erwartungen sind eine der Hauptursachen für Beziehungsprobleme, nicht nur im Privatleben.
Und nicht am Anfang, aber auch nicht zuletzt: Frage, warum das letztjährige Personal nicht mehr kommt und die Stelle jetzt frei wird und frage nach der Adresse des letztjährigen Personals. Wenn sich der Bauer/Alpmeister davor drückt, dir diese Information zu geben, sei zwei Spuren vorsichtiger. Im Gegenzug gibst du ihm Referenzadressen von deinen Arbeitgebern an.

Fragen abhäckeln 

Alpzeit
  • Von wann bis wann dauert deine Anstellung?
  • Wann kannst du mit Zäunen beginnen?
  • Wann kommt das Vieh (Alpaufzug)?
  • Wann geht das Vieh (Alpabzug)?
  • Wie lange darfst du nach Alpabzug in der Hütte bleiben?
  • Falls du einen dringenden Termin im Tal wahrnehmen musst - gibt es auf Bauernseite eine Person, die dich dann ersetzen könnte?
  • Wird die Hütte auch von Jägern oder Touristen benützt? Wie lauten die Abmachungen dazu?

Arbeit mit dem Vieh

  • Wie viele Tiere welcher Altersstufen sind auf der Alp?
  • Ist ein Stier auf der Alp oder wird künstlich besamt? Wer hat die Kompetenz den Besamer zu bestellen?
  • Lass dir die ungefähre Weideeinteilung auf einer Landkarte zeigen.
  • Gibt es schriftliche Aufzeichnungen wie Zaunpläne, Weidenjournale, Alpchroniken?
  • Was ist bei Gewitter oder Schneefall auf den einzelnen Weiden vorzukehren? Wann wohin mit dem Vieh? Gibt es Stallungsmöglichkeiten, einen Heuvorrat? Wen benachrichtigen? Wer kommt wann zu Hilfe?
  • Beharre darauf, dass jedes Tier eine Glocke trägt.
  • Alprodel/Bestossungsliste (Liste aller Bauernfamilien und ihrer Tiere). Sie soll Namen, Adressen und Telefonnummern, die Gönnernummer der Rettungsflugwacht Rega enthalten, die generelle Tierkennzeichnung ihrer Gruppen (z.B. eingeschorene Nummer) und die persönliche Ohrmarkennummer jedes Tieres. Dort soll auch vermerkt werden, wenn Tiere besamt werden müssen und ob Mutterkühe auf der Alp gebären. Ideal ist, wenn die Tierliste aufgeteilt wird nach Kühen, Rindern, Mesen, Kälbern. Das ist zwingend, wenn du diese Altersklassen in einzelnen Herden hütest. Kläre ab, von wem du den Alprodel bekommst und wer zuständig ist für seine Vollständigkeit und Aktualität.

Zäunen

  • Wer erstellt die Zäune? Wer macht den Grenzzaun zur Nachbaralp? Helfen die Bauern? Wird das Zäunen separat entlöhnt?
  • Wer zeigt Zaunverlauf und Pfostendepots im Gelände? Welche Zaunarten kommen vor? Wer stellt Zaunwerkzeug und Zaunmaterial?

Weitere Tiere

  • Wird dir ein Saumpferd zur Verfügung gestellt? Wer bringt Zaumzeug und Sattel?
  • Darfst du Hirtenhunde einsetzen? Wieviele?
  • Ist es okay, wenn du Schweine, Federvieh etc. mitnimmst? Zu welchen Bedingungen?
  • Auf der Hütealp: Wer stellt die Hirtkuh? Sie sollte bis Ende Alp mind. 2 Liter pro Tag geben. Wer bringt Melkstuhl, -eimer, -fett und evtl. Zitzentauchmittel zur Euterpflege?

Werterhaltung und Ökologie

  • Sind zusätzliche Arbeiten zu verrichten? (z.B. Weiden von Steinen oder Buschwerk räumen, misten, Trockenmauern wieder aufbauen, roden, Blacken stechen, Moore auszäunen etc.) Werden diese Arbeiten separat entlöhnt?
  • Mach die AlpmeisterIn auf Hilfsorganisationen aufmerksam. Sie organisieren Freiwilligen-Einsätze für Pflegemassnahmen (siehe unter den Links: Organisationen – Alpenschutz).

Krankheiten, Unfälle, TierärztIn

  • Was sind die üblichen Krankheiten und Unfälle auf dieser Alp?
  • Welche Vorkenntnisse und Behandlungen werden vom Alppersonal erwartet?
  • Gibt es einen Klauenstand?
  • Gibt es einen Pferch oder eine Einstallmöglichkeit auf der Hütealp? Sind Anbindeketten oder Halfter vorhanden?
  • Wie ist die Benachrichtigung der TierärztIn geregelt?
  • Wendet sich das Alppersonal direkt an sie, oder muss als Erstes die betroffene Bauernfamilie oder die AlpmeisterIn benachrichtigt werden?
  • Wie wird bei schweren Tierunfällen vorgegangen?
  • Musst du schwerleidende Tiere selber töten?
  • Wie werden auf dieser Alp die Tierkadaver entsorgt?
  • Was ist bei Verwerfen der Tiere zu tun? Wer muss unterrichtet werden?
  • Wie wird bei Tieren, die chronisch kranke Klauen oder hohe Zellzahlen haben, verfahren? Bleiben sie auf der Alp oder hast du das Recht sie ins Tal zu schicken?
  • Darfst du homöopathische Medikamente verwenden?
  • Wer bringt die Alpapotheke für das Vieh?

Hütte

  • Gibt es mehrere Stafel? (Unter-, Mittel-, Obersäss)
  • In welchem Zustand ist die Hütte? Ist sie für eine Familie mit Kindern geeignet?
  • Welche Raumaufteilung hat sie? Wer geht vor Alpaufzug die Hütte auswintern (lüften, Wasser anschliessen)? Wer wintert sie ein?
  • Was ist an Einrichtung vorhanden? (Strom, Trinkwasser, Art des Kochherdes, Heizung, Waschmaschine, Möblierung, Hausrat, Geschirr, Betten und Bettzeug)
  • Ist ein Festnetz-Telefon vorhanden? Ist es möglich einen Internetanschluss einzurichten? Stellt die Alpgenossenschaft ein Mobiltelefon oder bezahlt sie dir das Abo und die alpbedingten Gespräche?
  • Wo kannst du deine Wäsche waschen? Wo dich selbst?
  • Gibt es eine Inventarliste?
  • Wie und an wen erfolgt die Rückgabe von Gebäuden und Anlagen bei Alpende?

Brennholz

  • Hat es trockenes Holz für diesen Sommer?
  • Muss es noch gespalten werden?
  • Wer rüstet neues für das nächste Jahr?
  • Wer bringt das Werkzeug? (Motorsäge, Kettenöl u. Benzin, Spalthammer, Spaltkeile, Spaltbeil)

BesucherInnen

Ein heikles Thema auf Kuhalpen, da die Alpgenossenschaft um ihre Milch, um Butter und Käse bangt, aber auch nicht knausrig dastehen will. Letztlich bedarf es grossen gegenseitigen Vertrauens, doch Voraussetzung dafür ist, dass das Thema genau und offen besprochen wird.
Hier eine Möglichkeit einer konkreten Vereinbarung im Alpvertrag: Nahe Familienmitglieder und PartnerInnen des Alppersonals essen während max. 8 Tagen pro Person kostenlos. Danach, andere BesucherInnen bereits ab dem 3. Tag, zahlen sie dir (zuhanden der Alpgenossenschaft) einen Pauschalbeitrag für Milch-, Käse- und Butterverzehr.

TouristInnen

  • Was wird von dir an Service erwartet (Verkauf von Milch und Milchprodukten, zusätzliche Bewirtung, Schaukäsen)?
  • Wer setzt die Preise fest?
  • Was darfst du auf eigene Rechnung machen?
  • Welche Aufzeichnungen, Abrechnungen musst du dabei führen?
  • Militär, Kraftwerke, Sportveranstaltungen
  • Was ist während des Sommers auf dem Alpgebiet an Schiessübungen, Bauarbeiten, Veranstaltungen vorgesehen?
  • Wie wirst du für Mehrarbeit und Belästigung entschädigt? Durch wen?

Alpgenossenschaft

  • Wer ist wofür zuständig? (Adressen, Telefonnummern, Alprodel, Schneehilfe usw.)
  • Den wievielten Sommer ist deine AlpmeisterIn für diese Alp zuständig?
  • Gibt es einen Alpsonntag, ein Alpfest? (Das wärs doch!)

Alptransport

  • Wer transportiert deine Ware auf die Alp und ab der Alp? Wann, wo, womit?
  • Wie ist die Alpzufahrt?
  • Werden Lebensmittelbestellungen auf die Alp gebracht oder müssen sie selber geholt werden?
  • Wie erfolgt die Postzustellung?
  • Wie geschieht der Umzug aufs Mittel- und Obersäss?

Adressen

Lass dir folgende Adressen und Handynummern geben:

  • genaue Zustelladresse für Post
  • AlpmeisterIn, evtl. AlppräsidentIn der Genossenschaft
  • TierärztIn
  • letztjähriges Alppersonal
  • Dorfladen
  • nächster Arzt
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Lohn

 

 
Mach dir zuerst ein genaues Bild von Alp und Arbeit, bevor du den genauen Lohn verhandelst. Erkundige dich zum voraus nach den kantonalen Richtlöhnen und im Gespräch mit dem Alpmeister nach den letztjährigen Löhnen. Vergiss keinesfalls, deinen Lohn exakt und schriftlich zu vereinbaren. Einige Informationen zum Lohn findest du hier: Alppersonalrichtlöhne GR.

  • Taglohn oder Pauschallohn für die ganze Alpzeit? Wird beim Taglohn eine gewisse Vor- und Nachbereitungszeit mitbezahlt?
  • Brutto- oder Nettolohn? Lass dir ausrechnen, wieviel dir Ende Alp ausbezahlt wird.
  • Wie werden die Sozialversicherungsbeiträge aufgeteilt?
  • Regle, ob und wer wieviel an die Pensionskasse bezahlt (Pflicht bei Alpzeit über 90 Tage)?
  • Wer übernimmt die Unfallversicherung (normalerweise ArbeitgeberIn), wer die Krankenkassenprämien (normalerweise ArbeitnehmerIn)?
  • Gibt es einen Pauschallohn, den die ÄlplerInnen unter sich aufteilen, oder steht bereits im Alpvertrag der genaue Lohn pro Person? Bei Pauschallohn aufgepasst, dass Ende Alpzeit die Sozialversicherungsbeiträge für alle bezahlt werden.
  • Sind Naturalleistungen (Käse, Butter, Kartoffeln etc.) im Pauschallohn mitgerechnet?
  • Kann man Einkäufe während des Sommers im Dorfladen anschreiben lassen oder braucht es eine Vorschusszahlung?
  • Ist eine Beteiligung an allfälligen Tourismuseinnahmen wie Milchverkäufe und Übernachtungen vorgesehen?
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Zusätzliche Fragen für Milchkuhalpen


 

 
Frage, ob die Alp einen Ordner mit Käserei-Produktionsprotokoll, Weidejournal und Medikamenteneinsatz führt. Damit bekommst du schon einen guten Eindruck vom letztjährigen Sommer.

Melken

  • Melkorganisation: Wie will die AlpmeisterIn gemolken und die Euter gepflegt haben (Anrüsten, Ausmelken, Euterbehandlung, Trockenstellen)?
  • Ab welcher Zellzahlhöhe musst du die Milch nicht mehr verkäsen?
  • Was für einen Regelung gilt bei Kühen mit Staphylococcus aureus?
  • Werden Eutererkrankungen homöopathisch oder mit Antibiotika behandelt?
  • Wer ordnet das Galtstellen an?
  • Wie gehen die Milchmessungen vor sich?

Milchverarbeitung

  • Wie ist die Sennerei ausgestattet (Befeuerung Kessi, Warmwassererzeugung, Käseauszug, usw.) Muss zu Beginn der Alpzeit 2 x täglich gekäst werden?
  • Wird vom Alppersonal erwartet, dass es zusätzlich Spezialitäten wie Raclette-Käse, Weichkäse oder Ziger herstellt? Müssen Buttermödeli gemacht werden?
  • Wird Milch oder die Schotte zentrifugiert?
  • Wie ist das Kellerklima? Feucht, warm, trocken oder kalt?
  • Wie oft wird während der Alpzeit Käse geholt?
  • Müssen TouristInnen bewirtet oder beherbergt werden?
  • Wer hat welche Aufzeichnungspflichten?

Um Überraschungen zu vermeiden, hilft nur eine Besichtigung der Sennerei vor Ort, dies so früh wie möglich, um Bestellungen und eigene Vorbereitungsarbeiten vor Alpaufzug erledigen zu können. Um das Sennerei-Inventar zu kontrollieren, gehst du am Besten sämtliche Arbeitsabläufe in Gedanken durch.

Stallarbeiten

  • Melkmaschine und Kuhstalleinrichtungen vor Ort kontrollieren, inkl. Geräte zur Stallreinigung, Anbindevorrichtungen.
  • Wer organisiert eventuelle sinnvolle zusätzliche Melkaggregate?
  • Wer bringt das Verbrauchsmaterial (Melkfett, Holzwolle, Zitzentauchmittel)?
  • Wie sauber will es der Alpmeister im Stall und auf dem Vorplatz haben?

Schweine

  • Wieviele kommen auf die Alp?Darfst du auch eigene mitbringen? Zu welchen Bedingungen?
  • Wer bringt Stroh, Heublumen und Ergänzungsfutter zur Sirte?
  • In welchem Zustand ist ihr Stall, der Auslauf, der Trog?
  • Müssen sie eingezäunt werden oder dürfen sie frei weiden?
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Besichtigung


 

  
Bei einem späteren Treffen sind folgende Fragen gemeinsam zu besprechen, wobei das am einsichtigsten anfangs Sommer auf einem Weiderundgang mit der AlpmeisterIn oder einer ehemaligen ÄlplerIn geschieht:

  • Wo wird wann geweidet? Wo sind bekannte gefährliche Stellen? Wo ist zu zäunen?
  • Wo sind die Tränken? Hat es genug Wasser? Wo sind die Wasserfassungen, wie verlaufen die Leitungen?
  • Wo sind die grossen Wander- und Bikerrouten?
  • Wo sind Zusatzarbeiten zu verrichten?

Und dann bei einem Aussichtspunkt absitzen und gemeinsam den Sommer überblicken oder noch besser mit einem Wein darauf anstossen.

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