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  Neuerscheinungen  
  Zu Hause
Lorena Paterlini :
Nehmen Sie gefälligst Ihren Hund an die Leine!

«Man erwartet nicht, dass ein Älpler aussieht wie ich. Ich bin zu jung und zu weiblich, ein echter Älpler sieht aus wie ein Schwinger, wie ein Holzhacker. Zumindest mit Bart und wenn es eine Frau ist, dann wenigstens mit Achselhaaren.»
Lorena Paterlini verbringt seit sieben Jahren ihren Sommer auf der Rinder- und Mutterkuhalp Conterser Duranna im Prättigau. Im Herbst gehts mit dreckigen Kleidern, abgelaufenen Schuhen und einem Überfluss an Erfahrungen nach Hause. Bei Lorena zudem im Gepäck: Viele bunte Zeichnungen und manch dichte Sätze. Aus dem Gepäck ist ein schönes Buch geworden: Wort und Illustration, direkt und unverblümt, oft witzig, auch mal nachdenklich.
Wir schauen und lüpfen die Brauen, wir lesen und kräuseln die Lippen, wir greifen nach den Seiten und blättern mit der Hirtin durch den Sommer. Ab und zu müssen wir innehalten: «Normalerweise braucht man ein Tischtuch, damit der schöne Tisch nicht vom Essen verschmutzt wird. Auf einer Alp braucht man ein Tischtuch, damit das schöne Essen nicht vom Tisch verschmutzt wird. Dasselbe gilt für Fixleintücher.» Genau, die verdreckte Matratze kennen wir doch auch! Es ist schön, wie uns Paterlini an selbsterlebte Orte führt, wo man sich zu Hause fühlt wie bei einem guten Freund. gh

Lorena Paterlini :
Nehmen Sie gefälligst Ihren Hund an die Leine!

Ein Sommer auf der Alp

gebunden, 136 Seiten illustriert
Walde+Graf und Applaus Verlag 2018
ISBN: 978-3-946896-35-7
CHF 34.00
www.applausverlag.ch

 
  Sachbücher nach oben
  Archäologie auf den Alpen
Brigitte Andres:
Alpine Wüstungen im Berner Oberland
Spätestens seit dem Boom um Ötzi gehört es zum Allgemeinwissen, dass die Alpen in prähistorischer Zeit kein menschenleerer Ort waren. Und spätestens seit einem gross angelegten archäologischen Forschungsprojekt im schweizerisch-österreichischen Grenzgebiet der Silvretta ist bekannt, dass auch die hochalpine Weidewirtschaft inkl. Milchverarbeitung bis ins dritte Jahrtausend v. Chr. zurückreicht. Weitaus weniger im Fokus des Interesses stehen jedoch die mehr oder weniger sichtbaren Überreste von Alphütten, die als Zeugen der historischen Alpwirtschaft praktisch auf jeder Alp zu finden sind. Angesichts der beschränkten finanziellen Mittel werden solche alpine Wüstungen, d. h. in historischer Zeit aufgelassene Gebäude, höchstens dann untersucht, wenn sie durch Bautätigkeiten zerstört werden. Auch die umfangreiche Dokumentation von knapp vierhundert Trockenmauern im östlichen Berner Oberland auf rund 1400 bis 2000 m ü. M., auf die sich Brigitte Andres in ihrer Dissertation stützt, hängt mit Plänen zusammen, die Infrastruktur der hochalpinen Skigebiete auszubauen. Während der sorgfältig erarbeitete Katalogteil trotz seiner Anschaulichkeit eher etwas für Fachfrauen und -männer ist, bietet der Text für alle an der Geschichte der Alpwirtschaft Interessierten eine Fülle an Informationen. Obwohl Fachliteratur, ist der Text gut verständlich geschrieben und angenehm zu lesen. an Brigitte Andres:
Alpine Wüstungen im Berner Oberland

Ein archäologischer Blick auf die historische Alpwirtschaft in der Region Oberhasli
 
gebunden, 364 Seiten, 187 Abbildungen
Schweizer. Burgenverein 2017
ISBN 978-3-908182-26-9
CHF 70.–
www.burgenverein.ch
 
  Ein Winkel voll Herrgott
Geister, Bann und Herrgottswinkel
Das Buch «Geister, Bann und Herrgottswinkel» zeigt mit vielen Bildern, Informationen und Geschichten, wie sich unsere Vorfahren gegen Geister, Gespenster und andere Bedrohungen zu wehren versuchten. Es erzählt von Zauberbüchern, von christlichen und vorchristlichen Symbolen in Haus und Stall, von Geisterzimmern, von starken Kreuzen, Medaillons und Amuletten, von Kraft besonderer Kräuter, von Zauberwurzeln und Hufeisen, von Lärmbräuchen, von Fruchtbarkeitsritualen und Liebeszauber.
Das Buch führt die LeserInnen auf eine Gratwanderung zwischen Glauben und Aberglauben und animiert zu einer spannenden Auseinandersetzung mit unserer «geistigen» Heimat. Ein sagenhaftes Sagenbuch. gh
Hanspeter Niederberger, Christoph Hirtler:
Geister, Bann und Herrgottswinkel

 
bildfluss-Verlag
Neuauflage Altdorf 2017
ISBN 978-3-9524501-2-3
CHF 50.–
www.bildfluss.ch
 
  Mit Hilfe der Kolkraben
Heinrich Haller:
Wilderei im rätischen Dreiländereck
Geschichtlich beginnt das Buch im 16. Jahrhundert mit hölzernen Gämsfallen und dem Ausgraben von Murmeltieren, konzentriert sich dann aber ausführlich auf die Jahre 1910 bis 2014. Haller hat lange recherchiert und legt Fälle von Wilderei (und Morde an Wildhütern) sachlich dar, mittels Karten, Diagrammen und Bildern. Im Nationalpark sind Zahlen zur Wilderei bekannt: In 100 Jahren wurden 77 Wildererbeuten festgestellt: 34 Gämsen, 28 Rothirsche, 9 Alpensteinböcke, 3 Rehe und 3 Steinadler. Rundherum schleicht sich jedoch die Dunkelziffer: Da die Gesetze in den drei Ländern unterschiedlich streng sind, wird Wild über die Grenze getrieben oder mit Salzlecksteinen in das Land mit den weniger straffen Gesetzen gelockt. Die Ausführungen zur heutigen Lage zeigen, dass die Wilderei im Dreiländereck zurückgegangen ist, wenn sie auch in Italien noch beliebter ist als in Österreich oder der Schweiz.
Haller versucht ferner den Gründen von Wilderei nachzugehen, Verständnis hat er indes nicht. Sein Psychogramm zu den modernen Wilderern: Es habe darunter «Draufgänger ebenso wie Duckmäuser, Machtmenschen und Materialisten, Rebellen wie Romantiker und viele andere». gh
Heinrich Haller:
Wilderei im rätischen Dreiländereck

Grenzüberschreitende Recherchen mit einer Spurensuche bis nach Tibet
 
gebunden, 304 Seiten
Haupt Verlag, Bern 2016
ISBN 978-3-258-07965-3
CHF 39.–
www.haupt.ch
 
  Das Nutztier als Produkt einer spezifischen Form von Biopolitik
Lukasz Nieradzik, Brigitte Schmidt-Lauber (Hg.): Tiere nutzen
Wie wir Tiere nutzen, unterliegt einer ständigen Neuorientierung, in Bezug auf die Haltung wie auch auf die Verwertung für Nahrungsmittel oder Kleider. Einerseits bestimmen BürgerInnen, PolitikerInnen, Grossverteiler und die Agrarwissenschaft, wie Tiere gehalten und verwertet werden, andererseits haben es die Bäuerinnen und Bauern selbst in der Hand, wie sie mit ihren Tieren umgehen.
Das Buch «Tiere nutzen» beschreibt in 12 Beiträgen die Haltung und Nutzung von Tieren sowie deren Tötung aus unterschiedlichen Blickwinkeln, meist von Deutschland und Österreich aus geschaut.
Befremdlich wirkt, dass die AutorInnen vielfach von Akteuren, von Produzenten, von Ökonomien, von Verbrauchern, von Konsumierenden und Gesellschaften sprechen, aber kaum konkret benennen, wer genau was macht. Eindeutige Bezeichnungen wie «Bauer» und «Metzger» kommen praktisch nicht vor, sie sind «Akteure in der Produktionsökonomie». Tiere tauchen oft in Umschreibungen wie «organisches Material einer komplexen und undurchsichtigen Versorgungsökonomie» auf. Man bekommt den Eindruck, die Wissenschaftler würden Tiere lieber mit Kamera, Feldstecher und Literaturauswertung anschauen, als ihr Gefieder und Fell zu kraulen. gh

Lukasz Nieradzik, Brigitte Schmidt-Lauber (Hg.):
Tiere nutzen

Ökonomien tierischer Produktion in der Moderne
 
212 Seiten, Broschur
StudienVerlag, Innsbruck 2016
ISBN 978-3-7065-5568-5
ca. CHF 35.–
www.studienverlag.at

 
  Lushütten Alp
Lushütten Alp
Lushüttenalp? Noch nie gehört. Darüber gibts ein Buch? Wo ist denn das? Lushütten liegt zwei Wanderstunden westlich vom Napf oder nördlich von Trub den «Brandöschgrabe» hinauf und ist laut Vorwort «eine der schönsten Emmentaler Alpen». Auch wenn die Weiden nur knapp über 1300 Meter gehen, ist die Rundum-Aussicht zum Jura, ins alpine Gebirge und die emmentalische Hügelszene berauschend – und falls nicht, hilft das Alprestaurant. Nun hat sich die Alpgenossenschaft Lushütten zum 150-jährigen Jubiläum selber eine Chronik geschenkt. Ein unspektakuläres Werk und deswegen so sympathisch. Die Autorin, selber Genossenschafterin, hat unzählige Dokumente, Pacht- und Arbeitsverträge, Protokolle von Gemeindeversammlungen und Ähnliches ausgegraben, in thematisch angelegte Kapitel gegliedert und reich bebildert. Möglich, dass dies vor allem involvierte Kreise interessiert, trotzdem erfahren auch wir Lushüttenunkundigen von Mobbing und Intrigen, von Frevel an Holz und Wild, von Wasser- und Hirtpersonalsuchenden, vom Gerangel um Strassenbau, Waldnutzung und Telefonkosten. Es «mönschelet» halt allenorten und schon immer. gh

Regina M. Heiniger-Leuenberger:
Lushütten Alp

Zum 150-jährigem Bestehen der Alpgenossenschaft Lushütten
 
136 Seiten, Broschur
Kulturbuchverlag, Riedtwil 2016
ISBN 978-3-905939-35-4
CHF 20.–
www.herausgeber.ch
www.lushuette.ch

 
  Bittschön, was ist ein Fugibootschä?
Hirt, Tinner und Fugibootschä
In wenigen Worten die Fülle an Bildern und Informationen, die Hirtler auf 500 Seiten zusammengefasst hat, zu umreissen, fällt schwer. Da helfen nur Stichworte: Geschichte der Urner Berglandwirtschaft, Essay von Fredi M. Murer, historische Rückblenden von Urner Fotografen, Kurzporträts von 22 Alpen, Literatursplitter von Arno Camenisch, 100 Tage Alp in Bildern von Christof Hirtler, Ausblicke in die Zukunft. Die Seele des Buches aber sind die eindrücklichen Erzählungen der Urner Bergbäuerinnen, Bergbauern und ÄlplerInnen. Hirtler lässt sie reden und wir hören ihnen gebannt zu – was haben diese Leute gearbeitet, geschwitzt, entbehrt. «Schiär nit zum gläübä, wiän äs gsy isch und äs hit isch.» So wird Berglerleben erlebbar. Und wer nicht weiss, wer und was ein «Tinner» und ein «Fugibootschä» ist, den lassen wir weiter rätseln – soll er das Buch kaufen. gh

Christof Hirtler:
Hirt, Tinner und Fugibootschä

Urner Berglandwirtschaft – früher, heute, morgen
 
495 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
bildfluss, Altdorf 2015
ISBN 978-3-9524501-1-6
CHF 56.–
www.bildfluss.ch

 
  Von Hannibal bis heute
Jon Mathieu: Die Alpen
Ohne jeden Zweifel gehört der an der Universität Luzern lehrende Historiker Jon Mathieu zu den besten und renommiertesten KennerInnen der Geschichte der Alpen. Galt sein Interesse zu Beginn seiner Forschungen eher kleinräumigen Verhältnissen – etwa dem Unterengadin in der Neuzeit (Bauern und Bären, Chur 1987) –, so wurden die grösseren Zusammenhänge in seinem Schaffen immer wichtiger, bis hin zur globalen Dimension, indem er die Geschichte der Alpen in den Kontext anderer grosser Gebirgszüge, wie etwa der Anden und des Himalayas, stellte (Die dritte Dimension, Basel 2011). Kein Wunder also, dass sich der deutsche Verlag Reclam für eine geplante, kulturhistorisch ausgerichtete «Geschichte der Alpen» für eine breite LeserInnenschaft an ihn wandte. Keine leichte Aufgabe, galt es doch einen Zeitraum von mehreren tausend Jahren und einen geografischen Raum von Südfrankreich bis in die Slowakei abzudecken. Dank seines breiten und fundierten Wissens gelingt es Mathieu jedoch, einen spannenden und gut strukturierten Überblick von den ersten steinzeitlichen Wildbeutern bis zum Entstehen der Alpenkonvention zu geben. Zur Sprache kommen dabei u.a. sowohl die politische Geschichte, die ökonomischen Verflechtungen mit dem Umland, unterschiedliche Entwicklungen der Land- und Alpwirtschaft, die Sozialstrukturen der alpinen Bevölkerung, die Bedeutung religiöser und magischer Vorstellungen für die Bewältigung des Lebensalltags, als auch die (Aussen-)Wahrnehmung der Alpen und ihrer BewohnerInnen durch Wissenschaft und Gesellschaft. ab

Jon Mathieu:
Die Alpen

Raum – Kultur – Geschichte
 
254 Seiten, 88 Abb., gebunden
Reclam Stuttgart 2015
ISBN 978-3-15-011029-4
CHF 50.–
www.reclam.de

 
  Gemeinsam auf dem Acker
Gemeinsam auf dem Acker
Konsumenten graben, jäten, ernten gemeinsam mit Gemüsebäuerinnen – und sichern durch Vorauszahlung für mindes­tens eine Saison deren Einkommen. Dies ist das Grundprinzip der «solidarischen Landwirtschaft»; das Risiko von Ausfällen durch schlechtes Wetter oder Schädlingsbefall wird dadurch von den Konsument­Innen mitgetragen. Ihre wöchentliche Gemüsetasche holen sie in einem regionalen Depot ab – vielleicht hats darin wegen ungünstiger Witterung einmal weniger Bohnen als geplant, dafür mehr Brokkoli und Rüebli.
1978 wurde in Genf die erste Gemüseko­operative Europas gegründet. Seither sind in der Schweiz rund 50 Projekte mit mehreren Tausend Beteiligten entstanden. Bettina Dyttrich portraitiert ein Dutzend Beispiele und lässt die Lesenden kritisch an der Erfolgsgeschichte teilnehmen, Gior­gio Hösli liefert die Bilder dazu. Im Anhang finden sich Tipps und Stolpersteine für Bäuerinnen, Bauern und Interessierte, die solidarisch landwirtschaften wollen. Und die es nicht wollen, bekommen einen Einblick in eine andere Form der Landwirtschaft, die neben der konventionellen machbare Alternativen aufzeigt. Ein wichtiges Hand- und Lesebuch, das vermittelt: Es scheint Freude zu machen, so zu arbeiten! Lesen, verschenken – und staunen, was sich weiter bewegt … cs

Bettina Dyttrich, Giorgio Hösli:
Gemeinsam auf dem Acker

Solidarische Landwirtschaft in der Schweiz
 
288 Seiten, gebunden
170 Farbbilder
Rotpunktverlag, Zürich 2015
ISBN 978-3-85869-667-0
CHF 38.–
www.rotpunktverlag.ch

 
  Ohne Heimatzwang
Dieter Ringli, Johannes Rühl:
Die Neue Volksmusik
Auch wenn die MusikerInnen aus der «Szene» den Begriff «Neue Volksmusik» ablehnen, haben Johannes Rühl und Dieter Ringli, Leiter des Festivals Alpentöne, ihr Buch so benannt – wohl im Wissen, dass man benennen muss, was man beschreiben will. Der erste Teil des Buch geht den Ursprüngen nach, lotet die Bezüge zu anderen Musikgenres aus, holt die ExponentInnen ans Licht und rückt manche falsche Vorstellung an den richtigen Ort. Denn «neu» ist diese Volksmusik natürlich keineswegs, die meisten MusikantInnen bedienen sich bei altem Material. Sie ist «auch keine Rebellion oder gar Revolution, wie das von Journalisten immer wieder heraufbeschworen wird. Die Zeiten, als man gegen eine erstarrte, nationalkonservative Traditionspflege angetreten ist, sind längst vorbei», schreibt Ringli. Die Annäherung der «neuen» und der «traditionsbehafteten» Szene bleibt jedoch zaghaft. Dies mag einerseits an den MusikerInnen selber liegen, an ihrer unterschiedlichen politischen Gesinnung, an ihrer unterschiedlichen musikalischen Herkunft und Ausbildung – andererseits am Publikum, das bei den «Neuen» mehrheitlich urban geblieben ist. Zu hören ist die Musik auf Radio SRF 2 und nicht auf Radio Eviva.
Das Buch ist dank seiner breiten Auseinandersetzung mit der Schweizer Volksmusik unerhört und ausgesprochen spannend. Es enthält als Goodie eine CD mit den wichtigsten VertreterInnen der «Neuen Volksmusik» wie Alpine Experience, Stimmhorn, Hujässler, Doppelbock, Nadja Räss, Erika Stucky und anderen mehr. gh

Dieter Ringli, Johannes Rühl:
Die Neue Volksmusik

Siebzehn Porträts und eine Spurensuche in der Schweiz
 
362 Seiten, gebunden
mit Musik-CD
Chronos Verlag, Zürich 2015
ISBN 978-3-0340-1310-9
CHF 38.–
www.chronos-verlag.ch

 
  Totgesagte leben länger
Seltene Nutztiere der Alpen
Man hofft und wünscht es den alten Nutztierrassen des Alpenraums und ihren engagierten Züchtern, dass sich dieses Sprichwort bewahrheiten möge. Und liest zwischen den Zeilen von ihrem Überlebenskampf, weniger um Futter und Raum, mehr gegen Überalterung, Verengung des Genpools und Veränderung erwünschter Rasseeigenschaften durch unpassende Haltungsformen. Der Autor, als Nebenerwerbslandwirt selber Züchter einiger seltener Nutztierrassen, hat sich im europäischen Alpenraum auf die Suche nach regional entstandenen Tierrassen gemacht. Und wer die Nase voll hat von den immer gleichen Rindern oder Ziegen und auf der Suche ist nach Tieren, die sich in Hunderten von Jahren perfekt an die Bedingungen der Berglandwirtschaft angepasst haben, wird hier fündig. Geordnet nach verschiedenen Alpenländern und -regionen stellt der Autor seltene Nutztiere diverser Gattungen (Rinder, Pferde, Esel, Schafe, Ziegen, Schweine, Geflügel, Kaninchen, Hunde) in Bildern und Steckbriefen vor. Er zeigt das Verbreitungsgebiet und nennt Kontaktadressen. Auch Tierhalter, die diese Rassen nutzen und züchten, kommen zu Wort. Ergänzt wird der reich bebilderte Buch-Schatz durch einen kurzen Abriss zur Entstehung der alpinen Kulturlandschaft und zur Entwicklung der Nutztierrassen. ab

Günter Jaritz:
Seltene Nutztiere der Alpen

7000 Jahre geprägte Kulturlandschaft
 
336 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
Verlag Anton Pustet, Salzburg 2014
ISBN 978-3-7025-0744-2
CHF 51.90, EUR 39.00
www.pustet.at

 
  Bis auf den Grund der Milch
Journal Culinaire
Eine Wiese ist etwas Schönes zum Anschauen, aber fressen können wir sie nicht. Auch wenn die üppigsten Gräser und Kräuter uns locken, wir würden verhungern. Dank Wiederkäuern und anderen Milchtieren kommt die Wiesenahrung trotzdem auf unsere Teller und in unsere Gläser. Die Zeitschrift «Journal Culinaire» steckt den Trinkhalm tief in den Rohstoff Milch, gibt Auskunft zu politischen, chemischen und gesundheitlichen Aspekten. Es schreiben Wissenschaftlerinnen, Kulturphilosophen, Historikerinnen, Köche und Milchexperten zu allen Fragen der Milch, die uns schon immer interessierten, deren Antworten wir als der Gattung Säugetiere zugehörig schon immer vermissten. Was tut die Kuh für den Boden? Was ist der Unterschied zwischen frischer Milch und Rohmilch? Warum vertragen die einen Milch nicht, für andere ist sie der Aufbaustoff fürs Immunsystem? Wie beeinflusst die Haltbarmachung der Milch unsere Gesundheit und unsere Gesellschaft? Verziert werden die nicht immer leicht verdaulichen, aber doch sättigenden Texte mit Milch-Spezialrezepten für Leute, die Exklusivität vor das eigentliche Nahrungsmittel stellen. Hier verstrudelt sich die Diskussion um die Milch in den Ideologien Wohlstandsverirrter. Aber dafür kann das «Journal Culinaire» nichts. Fazit: Journal lesen, Milch trinken, Käse fressen. gh

Journal Culinaire
Frische Milch

Kultur und Wissenschaft des Essens
No. 18/2014
 
150 Seiten, Hardcover oder Download
Edition Wurzer & Vilgis, Münster 2014
ISBN 978-3-941121-18-8
CHF 24.–, EUR ca. 15.–
www.journal-culinaire.de

 
  Entwicklungen im Alpenraum
Werner Bätzing: Die Alpen
Werner Bätzings «Die Alpen» ist das Standardwerk zur Geschichte, Kultur und Nutzung des Alpenbogens. 1984 erschien die erste Ausgabe, jetzt, 2015, die vierte. Bätzing hat das Buch wiederholt umgearbeitet, ausgebaut und mit neuen Gesichtspunkten und Erkenntnissen in seiner Aussage präzisiert. Standardwerke haben es an sich, dass sie im eigenen Büchergestell stehen, ein paar Eselsohren und Fettflecken aufweisen, um den Anschein zu erwecken, man hätte sie gelesen. Autor und Titel kennt man auswendig, den Inhalt vom Hörensagen. «Die Alpen» aber lohnt sich geneigtest zu lesen. Bätzing hat sich in über dreissig Jahren ein Wissen zum Alpenraum erarbeitet, von dem wir profitieren können und auch sollten. Besonders, weil er keine technokratischen Daten ausbreitet oder ideologische Eigeninteressen verfolgt, sondern den Menschen mit seinem Bemühen, in den Alpen zu (über)leben, in den Mittelpunkt seiner Überlegungen und Ausführungen stellt. Wir folgen Bätzing von der Besiedelung des Alpenraums über das Agrar- und Industriezeitalter bis zum «Verschwinden der Alpen» in der modernen Dienstleistungsgesellschaft. Er schnürt dabei nicht bloss den Geschichtsknäuel auf, es geht dem Kulturgeografen um die Verknüpfung zeitlicher und komplexer Gesellschaftsentwicklungen. Wer die Entwicklungen im Alpenraum in ihrer Gesamtheit verstehen will, soll das Buch kaufen – und auch lesen. gh

Werner Bätzing:
Die Alpen

Geschichte und Zukunft einer europäischen Kulturlandschaft
 
484 Seiten, gebunden
mit 14 Tabellen, 34 Karten und 134 Abbildungen
4., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage
Verlag C. H. Beck, München 2015
ISBN 978-3-406-67339-9
CHF 49.– EUR 38.–
www.chbeck.de
 

dazu erschienen:
Werner Bätzing:
Zwischen Wildnis und Freizeitpark

Eine Streitschrift zur Zukunft der Alpen
Rotpunktverlag, Zürich 2015
ISBN 978-3-858-69648-9
CHF 11.–, EUR 9.90
www.rotpunktverlag.ch
 
  Agrarwirtschaft diskutieren
widerspruch 64
Wir kaufen «Ernährung» ein, wir kochen, wir essen, wir verdauen, wir scheissen sie. Am Rande ist uns bewusst, dass wir uns damit nicht nur existenziell am Leben erhalten, sondern auch die Ausgestaltung der Landwirtschaft beeinflussen. Als Konsumenten können wir die Frage, wie man «Ernährung» herstellen soll, nicht der Politik überlassen – sie vertritt ihre meist wirtschaftlichen Eigeninteressen, forciert industrielle Landwirtschaft und verhindert keinen Hungertoten. – Okay, kein Alpthema. Aber nach all den lauschigen Portraitbüchern, schnusligen Erlebnisberichten, folkloristischen Heimatfilmen der letzten Jahre, darf es auch wieder mal schwerer verdauliche Kost sein. Der «widerspruch Nr. 64» diskutiert in spannenden Beiträgen, wie wir vom Agrobusiness zur Agrikultur gelangen könnten. Unsere Empfehlung zur Pflichtlektüre für den Sommer 2014. gh

Widerspruch 64
Ernährung – Agrobusiness oder Agrikultur
 
208 Seiten,broschiert
Widerspruch, Zürich 2014
ISBN 978-3-85869-592-5
CHF 25.–
www.widerspruch.ch

 
  Ausgedehnte Stafelwirtschaft
Yolanda Alther: Vertikal Mobil
Zu einer Alp gehört für uns eine gut ausgebaute Alphütte und ein gemauerter Stall. Um die unterschiedlichen Höhenstufen geeignet zu beweiden, können es drei Stafel sein, eventuell ergänzt durch feste oder mobile Melkstände. Alther beschreibt in ihrem Buch eine weiter ausgedehnte Bewirtschaftungsform, bei der Käsereigerätschaften, Vieh und Zeltplane pro Sommer auf bis zu 17 Stationen gezügelt werden. Auf der Alp Trona Soliva im Veltlin melkt und käst die Familie Manni heute noch mit einfachsten Mitteln bei und in rudimentären Steinmauern, dem «Calécc», geschützt durch eine zügelbare Zeltplane als Dach. Gemolken wird von Hand, hergestellt wird zweimal täglich «Bitto» (Käse) und «Maschérpa» (Ziger) aus Kuh- und Ziegenmilch.
15 Alpbetriebe betreiben diese traditionelle Bewirtschaftungform noch. Hygienerichtlinien, Strassenbau und ganzjährige Talproduktion des «Bitto»-Käse machen ihre Existenz jedoch ungewiss. Wenn das reich bebilderte Buch von Alther einen Beitrag zum Bestehen der Caléec-Wirtschaftsweise und nicht nur zur Musealisierung leistete, wäre das toll. gh

Yolanda Alther:
Vertikal Mobil

Ein Beitrag zum Verständnis alpiner Wirtschaftsformen in der Archäologie
 
136 Seiten,broschiert
140 Schwarz-Weiss-Bilder
Archäologischer Dienst Graubünden, Südostschweiz Buchverlag, Chur 2014
ISBN 978-3-906064-24-6
CHF 24.–
www.suedostschweiz-buchverlag.ch

 
  Bestandesaufnahme Alpwirtschaft
AlpFutur: Zukunft der Schweizer Alpwirtschaft
Das Buch, das die Ergebnisse von 80 Forschenden aus 17 Institutionen während 5 Jahren zusammenfasst, bietet für Leser ausserhalb der Alpwirtschaft eine gut lesbare, verständliche Bestandsaufnahme der momentanen Bewirtschaftung der Alpen mit all ihren Facetten (Futterpotenzial, Tierwohl, Tiergesundheit, Arbeitsort, Produkteherstellung, Tourismus, Landschaftspflege). Wer in der Alpwirtschaft schon etwas länger arbeitet, wird nur punktuell Neues erfahren. Forscher können wohl Daten erheben, Statistiken erstellen und Zahlen in Grafiken zusammenfassen, das Wissen und die Erfahrung über die Alpwirtschaft ist aber bei den Leuten, die auf den Alpen arbeiten.
Dem Buch liegen zwei Film-DVDs bei: Auf der einen DVD erzählen Älpler über ihre Weideführung und -pflege (sehenswert), auf der anderen flimmert der Film Sommerzeit, der ein paar Forscher von AlpFutur auf ihren Alpwegen begleitet (überflüssig). gh

AlpFUTUR:
Zukunft der Schweizer Alpwirtschaft

Fakten, Analysen und Denkanstösse aus dem Forschungsprogramm AlpFUTUR
 
198 Seiten, broschiert
viele Farbbilder
2 DVD
WSL und Agroscope ART, 2013
ISBN 978-3-905621-55-6
CHF 30.–
www.wsl.ch

 
  Lasst die Hörner los
Die Bedeutung der Hörner für die Kuh
Wenn es um die Bedeutung der Hörner für die Kuh geht, geht es auch um Kühe ohne Hörner. Denn würden wir nicht enthornen oder hornwegzüchten, dann müssten wir uns nicht über des Horns Bedeutung unterhalten, es wäre einfach an der Kuh wie das Ohr, der Schwanz, die Glocke und die TVD-Nummer. Das ideologisch vernagelte Diskussionsfeld rund um die Hörner hat die Grösse einer unendlichen Kuhhaut, aber schlussendlich kappen wir die Hörner, weil wir es können und die Kuh oder Geiss nicht stirbt, sondern auch hornlos Milch und Fleisch liefert. Die Broschüre bleibt hier eher sachlich, wenn auch der biodynamische Hintergrund der AutorInnen durchschimmert. Kurz und informativ wird auf Beschaffenheit und Aufbau des Horns sowie der Klauen eingegangen, die Wichtigkeit der Hörner für den Stoffwechsel sowie für das Selbstbewusstsein und die Herdenhierarchie der Tiere wird erklärt. Man erfährt, wie die Hörner mit der Ausgestaltung des Körpers zusammenhängen und wie sich die Hörner beim Embryo entwickeln, und man kennt nach der Lese den Unterschied zwischen Horn und Geweih. Lektüre für die, die es schon immer wussten, aber vor allem für die, die es noch wissen sollten. gh

Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL (Hrsg.):
Die Bedeutung der Hörner für die Kuh

 
16-seitige Broschüre
FiBL, Frick 2015
ISBN 978-3-03736-272-3
CHF 9.– EUR 7.–
www.fibl.org

 
  Es klopft, es schellt, es glingelet
Claude Quartier, Robert Schwaller: Glocken und Treicheln

Ob Schölle oder Klopfe, ob Rumpla, Glungge, Bisse oder Plümpe – Glocken und Treicheln werden auf der ganzen Welt geschwungen und geschlagen um Unheil zu vertreiben, Olympische Spiele einzuläuten, die Zeit anzugeben, dem Nachbar den Schlaf zu rauben, eine Geburt oder den Tod zu verkünden, die Alpzeit einzuläuten usw. Nutzen, Brauchtum und handwerkliche Herstellung werden im Buch mit vielen Bildern und in ausführlichen Texten aufgezeigt. Eine kurze Klanganalyse wird erstellt, der Schellenriemen und seine Verzierungen näher betrachtet, Sammler und Händler kommen zu Wort. Kurz: Ein umfassender Einblick in die Glockenkunde. gh

Claude Quartier, Robert Schwaller:
Glocken und Treicheln

Tradition, Handwerk, Kultur
 
184 Seiten, gebunden
240 Farbfotos
AT Verlag, Aarau 2013
ISBN 978-3-03800-668-8
CHF 44.90

 
  Gut und Bös
Die Alpenphilosophie
Zwei Philosophen aus Wien erkunden den Alpenraum, um von den dort lebenden Menschen Weisheiten und Wahrheiten nach Hause zu bringen. Das klingt spannend, doch leider misslingt die Mission. Und nervt. Die Autoren präsentieren die Alpenbewohner als hehren und edlen Menschenschlag, seiner Scholle und der Gemeinschaft verpflichtet, moralisch und geistig sauber wie quellfrisches Wasser. Laut Buch hat der Alpenbewohner weder Handy noch Satellitenfernsehen, ist weder besoffen noch intrigant, schlägt weder Frau noch Kind, ist weder bei der FPÖ noch bei facebook, denn sein alleiniges Ansinnen ist es, schöne Häuser zu bauen, den Nachbarn zu lieben und brav die Steuern zu bezahlen. Ja gopfertammi, wo sind wir denn hier gelandet? Die Philosophen haben es verpasst, die Elemente des alpinen Lebens in realistischen Lebensentwürfen darzustellen, sie machen aus der ländlichen Lebensweise eine Gegenwelt zur städtischen, die sie als verdorben empfinden. Das Land ist gut, die Stadt ist bös, das Buch ist dumm, das ist schade. gh

Rahim Taghizadegan, Eugen-Maria Schulak:
Die Alpenphilosophie

Eine Spurensuche nach vergessenen
Weisheiten und Werten
 
272 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
Servus 2015
ISBN 978-3-7104-0004-9
CHF 31.50, EUR 21.95

 
  Symbolfigur von Horn bis Schwanz
Marc Valance: Die Schweizer Kuh
Es ist nicht das erste Buch zur oder über die Kuh, und da die Schweizer Kuh unsterblich scheint, wird es nicht das letzte sein. Möglicherweise täuscht aber auch der Titel, denn im Buch geht es – trotz der vielen vielen Abbildungen der Kuh in der Kunst, in der Werbung und als Gebrauchskuh im Stall, auf der Weide, in der Besamungsstation, in der Metzgerei – um uns selbst, quasi um den «Schweizer» in der Kuh. Nach 200 Seiten blättern, schauen, sinnieren kommt es einem unglaublich vor, dass die Kuh noch als Freundin neben uns steht. Neben uns, die wir sie als multifunktionales Wappentier und in der Werbung benutzt, als Hochleistungstier missbraucht und in der Kunst und in der Politik für jedwelche Zwecke entehrt haben. Wer wären wir, wenn wir dieses genügsame Tier nicht hätten ... gh

Marc Valance:
Die Schweizer Kuh

Kult und Vermarktung eines nationalen Symbols
 
212 Seiten, gebunden
244 farbige und 9 sw Bilder
hier + jetzt, Baden 2013
ISBN 978-3-03919-291-5
CHF 59.–
http://shop.hierundjetzt.ch

 
  Weisser Rohstoff
Andrea Fink-Keßler:
Milch
Die deutsche Agrarwissenschaftlerin Andrea Fink-Keßler erzählt die Geschichte der Milch von den Anfängen bis zur grossindustriellen Nutzung. So weit die schriftlichen Dokumente zurückreichen, erleben wir die Kulturgeschichte der Milch in vielen Teilen der Welt, von der ersten Nutzung für den Heimgebrauch über die bäuerliche Wirtschaft bis hin zur Massenware Milch, mit der gehandelt und spekuliert wird. Dabei gerät auch die Ausnutzung der Kuh und des Bodens ins Visier, mitsamt allen Unsinns, die sich die moderne Gesellschaft leistet. Anfänglich ein Nahrungsmittel, wird die Milch denaturiert zum reinen Verkaufsartikel. Politiker, Bauern, der Handel – keiner, der nachdenkt, wohin die Milchstrasse führen wird, aber alle brausen auf ihr munter los. Ein Buch mit einer Fülle von Informationen, die eine Tause überschäumen lässt. gh Andrea Fink-Keßler:
Milch

Vom Mythos zur Massenware
 
286 Seiten, gebunden
oekom, München 2013
ISBN 978-3-86581-311-4
CHF 27.90
www.oekom.de
 
  Hah: Erkannt!
Laura Canalis: Säugetiere der Alpen
Was ist das jetzt wieder für eine Maus, die zerquetscht in der Falle hockt? Und im Feldstecher: War das ein Wiesel, ein Hermelin oder ein Marder? Von welchem Tier stammt der Kot am Wegrand, was für ein Tier hat diese Tatzenspur hinterlassen? Fragen über Fragen, die sich den neugierigen ÄlplerInnen stellen. Antwort gibt das reichbebilderte Buch von Laura Canalis über die 86 Säugetierarten in den Alpen. Jedes Tier wird mit Grösse, Gewicht, Aussehen, Silhouette, Nahrung, Lebensraum – und welchem anderen Tier es als Nahrung dient – näher beschrieben. Individuelle Verhaltensweisen, ohne allzusehr in die Tiefe zu gehen, ergänzen die Bestimmungsdaten. Ein Glossar, weitergehende Literatur und Internetlinks runden das Buch ab. Umweltfaktoren wie Klimaerwärmung, Ozongehalt in der Luft oder die Auswirkung der Alpwirtschaft auf den Lebensraum der Tiere werden leider nicht thematisiert. gh Laura Canalis:
Säugetiere der Alpen

Der Bestimmungsführer für alle Arten
 
270 Seiten, 400 Farbfotos
Flexibroschur
Verlag Haupt, Bern 2013
ISBN 978-3-258-07790-1
CHF 38.90
www.haupt.ch
 
  Gute alte Zeit
Roland Girtler: Aschenlauge
Gute alte Zeit? Wer mit dem österreichischen Kulturanthropologen Roland Girtler in die bäuerliche Welt des oberösterreichischen Bergdorfes Spital am Pyhrn eintaucht, könnte ins Zweifeln kommen. Girtler, der selbst im kleinen Bergdorf aufgewachsen ist, hat keine distanziert-akademische Studie verfasst, sondern zeichnet mithilfe einer Fülle von Interviews ein Bild der durch Armut, Religiosität und eine starre Gesellschaftsordnung geprägten Lebensverhältnisse der bäuerlichen Bevölkerung. Zur Sprache kommen dabei durchaus auch die hässlichen Seiten, etwa die bäuerliche Willkür gegenüber Knechten und Mägden, das Schicksal unehelicher Kinder oder die Faszination, die der Nationalsozialismus insbesondere auf die perspektivlosen Angehörigen der ländlichen Unterschicht ausübte. Deutlich wird in den Erzählungen aber auch, wie stark sich die Lebensbedingungen und die Familien- und Geschlechterbeziehungen, nicht zuletzt durch den Einfluss der technischen Entwicklung, im Verlaufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts veränderten. an Roland Girtler:
Aschenlauge

Die alte Kultur der Bauern
 
366 Seiten, gebunden
Böhlau Verlag, Wien 2012
CHF 35.50
ISBN 978-3-205-78858-4
www.boehlau-verlag.com
 
  Die älteste Alphütte
Letzte Jäger, erste Hirten
Bereits seit frühester Zeit fand ein reger Transit von Menschen und wohl auch Waren durch die begehbaren Pässe und Täler statt. Allerdings herrschte lange Zeit die Meinung, die alpwirtschaftliche Nutzung der Hochweiden habe sich erst im Laufe des Frühmittelalters entwickelt. Viele Hinweise, dass die Ursprünge der Alpwirtschaft älter sein müssen, wurden nun durch ein seit 2007 laufendes Ausgrabungsprojekt der ETH Zürich im Silvrettagebiet bestätigt: Die «älteste Alphütte» der Schweiz dürfte knapp dreitausend Jahre alt sein. Das Buch präsentiert nicht nur die Ergebnisse der wissenschaftlichen Auswertung der Ausgrabungen, sondern versucht in diversen Beiträgen auch eine Brücke durch die Jahrhunderte hindurch bis in die Moderne zu schlagen. Daher findet man nicht nur Texte zu den erhalten gebliebenen Baustrukturen, Knochenfunden, Pflanzenresten, Bodenbeschaffenheit und Klimamodellen, die Hinweise auf die landwirtschaftliche Nutzung und die Lebensbedingungen dieser frühen Hirten geben, sondern auch eine Fotodokumentation des Älplerlebens im Silvrettagebiet aus den 1930er Jahren, einen Bericht zur Entwicklung der Alpgebäude in Graubünden und eine Anleitung zur Käseherstellung mit pflanzlichem Lab. an Thomas Reitmaier (Hrsg.):
Letzte Jäger, erste Hirten

Hochalpine Archäologie in der Silvretta
 
295 Seiten, broschiert
Südostschweiz Buchverlag, Chur 2012
CHF 32.00
ISBN 978-3-906064-05-5
www.suedostschweiz-buchverlag.ch
 
  Delikates und Kurioses aus dem Alpenraum
Enzyklopädie der alpinen Delikatessen
Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Dieses volkstümliche Sprichwort scheint den «Erfindern» des kulinarischen Alpenerbes fremd. Denn wie sonst wären sie auf die Idee gekommen, in einem Buch «all die Produkte, die der Bauer früher kannte, aber auch all jene, die er kennen und schätzen gelernt hat», dazu «jene, von denen er nichts mehr wissen wollte» und «jene, auf die er nie verzichten konnte» zu versammeln. Von der Aargauer Rüblitorte bis zum Zuger Rötel listen die Autoren mehr als 400 alpine Delikatessen auf, samt Bezugsadressen. Dass der Bauer als Referenz für Delikatessen herhalten muss, mutet ebenso kurios an wie die willkürlich zusammengestellte Ansammlung von Obst- und Getreidesorten, Tierrassen, Wildkräutern und verarbeiteten Produkten wie Käse, Würste, Gebäcke oder Öle. Unter Letzteren mögen einige delikat schmecken und im Alpenraum produziert worden sein und somit das Etikett «alpine Delikatesse» verdient haben. Doch was für die einen kulinarische Rarität ist, verspeisen die anderen als tägliches Brot, weil sie nichts anderes kennen. Für lebensmittelinteressierte LeserInnen bietet das hübsch aufgemachte Buch eine Fülle von Informationen und für die Bäuerin Anregungen zur Herstellung neuer Hofprodukte. ab

Dominik Flammer, Sylvan Müller:
Enzyklopädie der alpinen Delikatessen

Das kulinarische Erbe der Alpen
 
360 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
AT Verlag, Aarau 2014
ISBN 978-3-03800-829-3
CHF 38.90
www.at-verlag.ch

 
  Leichte Kost
Dominik Flammer, Sylvan Müller:
Das kulinarische Erbe der Alpen
2,6 kg schwer, 368 Seiten stark und 98 Franken teuer – so gewichtig kommt «Das kulinarische Erbe der Alpen – Die Ernährungsgeschichte des Alpenraums» von Dominik Flammer (Text) und Sylvan Müller (Fotos) daher. In zehn Kapiteln werden landwirtschaftliche Produkte und ihre Erzeuger inszeniert. Zu diesem Eindruck tragen wesentlich die ebenso ästhetischen wie leblosen Bilder bei. Wettergegerbte Frauen und Männer, zumeist aufrecht stehend und ernst blickend, alle mit einem Requisit ihrer Arbeit in den Händen, schauen den Betrachter an. Trügen sie nicht moderne Kleidung am Leib, die Bilder könnten auch einhundert Jahre älter sein. Das Buch macht sich gut als repräsentatives Coffeetablebook und spricht Menschen an, die nach «wahren Delikatessen» und «echten Raritäten» suchen (weil sie sonst schon alles haben). aw Dominik Flammer, Sylvan Müller:
Das kulinarische Erbe der Alpen

Die Ernährungsgeschichte des Alpenraums
 
368 Seiten, gebunden
AT Verlag, Aarau und München 2012
ISBN 978-3-03800-735-7
CHF 98.00
www.at-verlag.ch
 
  Geschichte in Flurnamen
Vom Dräckloch i Himel
Der Titel ist wohl auch auf den Schaffensprozess des Autors zurückzuführen – über Jahre hinweg im Schleudersitz zwischen Heureka-Momenten und Schulterzucken. Nicht alles war so einfach wie z.B. der «Acker». Hierzu finden sich 250 Namen mit entsprechendem Grundwort. So purzelt man beim genüsslichen Blättern über Bekanntes, wie «Riemenstalden» oder «Druesberg». Aber viel mehr staunen wir, welche Namen ausserdem anzutreffen sind. Da sind zum Beispiel «Fägfüür» und «Gimmermee» – beides existierende Flurnamen im Kanton. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie in sehr frühen Zeiten diese Namensgebung entstanden ist.
Eine zusätzliche Novität ist der mitgelieferte USB-Schlüssel. Er verlinkt elektronisch die einbändige Ausgabe mit dem wissenschaftlichen Werk. Ausserdem weistjeder Name direkt auf die Landeskarte der Schweiz auf der Internetseite von Swisstopo. Mit «Vom Dräckloch i Himel» beginnt ein lustvolles Abenteuer für alle, die viel unterwegs sind, mit offener Karte und offenen Sinnen. Tina Balmer
Vom Dräckloch i Himel
Namenbuch des Kantons Schwyz
 
plus USB-Sticks mit interaktiver Ausgabe des vollständigen wissenschaftlichen Werkes, Vermessungsplan und Internet-Schnittstelle zur Landeskarte
 
752 Seiten, teilweise illustriert
Druckerei Triner AG
Schwyz 2012
ISBN ISBN 978-3-908572-55-8
CHF 79.–
www.triner.ch/draeckloch
 
  Hommage an die Urnerbödeler
Christof Hirtler: Urnerboden
Es erwarten einem 35 Portraits von Frauen, Männer und Familien, die entweder temporär als ÄlplerInnen oder dauerhaft als «Urnerbödeler» auf der grössten Alp der Schweiz leben. Unterbrochen von kurzen Informationen zur Geschichte der erst seit 1877 bestehenden Dauersiedlung und mit sehr vielen Fotografien des Autors illustriert, erzählen die Menschen vom früheren und heutigen Leben auf dem Urnerboden. Hirtler bleibt dabei sehr nah bei den Portraitierten und belässt wichtige Stellen im Urner Dialekt. Bei soviel Empathie in Text und Bild entsteht eine weitgehend ungebrochene Idylle einer zwar durch harte Lebensbedingungen bestimmten, aber ansonsten durch solidarisches Miteinander geprägten Welt. Ohne Zweifel hat es aber auch auf dem Urnerboden «gemenschelt» und etwas mehr kritische Distanz hätte der Publikation auf jeden Fall gut getan. an Christof Hirtler:
Urnerboden

 
bildfluss, Altdorf 2012
ISBN 978-3-033-03105-0
CHF 40.–
www.bildfluss.ch
 
  Die widerlegte Lüge der Klimakuh
Anita Idel: Die Kuh ist kein Klimakiller!
Äusserst wissenschaftlich, doch absolut (für fast jedermann/frau) verständlich und nachvollziehbar deckt Anita Idel die fatalen Umweltfolgen der propagierten Landwirtschaft auf. Sie widerlegt die These: «Das Methanrülpsen der Wiederkäuer sei ein Klimabelastung. Deshalb lieber eine Hochleistungskuh, statt zwei luftverpestende, niedertourige Kuhlein.» Denn bei dieser Behauptung wird ausgeklammert, was die Kraftfutterproduktion an Schadstoffe freisetzt: Die Monokulturen, die mit synthetischem Dünger und Pestiziden behandelt werden, sind allein schon 100te mal klimaschädlicher als rülpsende Kühe. Dass dafür ständigen neuen Regenwald fällt, Böden nachhaltig zerstört werden und Menschen lebensunwürdig krank gemacht werden, gar nicht zu sprechen. Hoffnungsvolle Beispiele runden das Buch ab, die durch Weidewirtschaft mit Wiederkäuern und dem leider zu wenig propagierten Wissen unserer Zeit die symbiotischen, biologischen und nachhaltigen Potentiale der Boden-Pflanzen-Tier-Beziehungen aufzeigen. (pw) Anita Idel:
Die Kuh ist kein Klimakiller!

Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und was wir dagegen tun können

Metropolis-Verlag, Marburg 2011
ISBN 978-3-89518-820-6
CHF 27.90
www.metropolis-verlag.de
 
  Nah an der Kuh
Martin Ott: Kühe verstehen

Eine Kuh verdient geachtet und geschätzt zu werden. Nicht weil sie schön ist oder lustig oder viel Milch gibt, sondern weil sie von uns als Nahrungslieferant benutzt wird. Damit man die Kuh schätzen kann, sollte man sie kennen, oder noch etwas mehr: verstehen. Martin Ott gibt dem Lebewesen Kuh viel Raum, umgarnt sie vom Kopf her durch den Bauch bis zurück zu den Hörnern, tanzt mit ihr den Rhythmus der Verdauung, verwebt sich im sozialen Gefüge der Herde. Sein Verständnis der Kuh beruht vor allem auf Beobachtung und weniger auf anthroposophischen oder schulmeisterlichen Lehren, das tut gut. Ott verschweigt nicht, dass wir die Kuh zur Partnerschaft zwingen. Dass wir zum Partner werden, dafür plädiert er.

Martin Ott:
Kühe verstehen

Eine neue Partnerschaft beginnt
 
faro Verlag, Lenzburg 2011
ISBN 978-3-03781-033-0
CHF 34.90
www.fona.ch
 
  Kampf für die Rohmilch
Judith Mudrak-Wasem: 
Milch ist nicht gleich Milch
Judith Mudrak, gebürtige Schweizerin, ist nach Amerika ausgewandert. Ins Land des Rohmilchverbots. An einer Stoffwechselkrankheit leidend, hat sie sich nach gesunden Lebensmittel umgesehen, darunter auch nach Lieferanten von Rohmilch. Doch Bauern, die in den USA Rohmilch verkaufen, werden kriminalisiert. Um die Vorschriften zu umgehen, muss man sich eine Kuh «kaufen», von der man dann die Milch selber bezieht.
Mudraks Buch ist ein Pamphlet für Rohmilch. Tatsachen und Meinungen von Doktoren und Wissenschaftler, Beispiele von mit Rohmilch geheilten Patienten, unterdrückte Forschungsergebnisse, schwer nachvollziehbare Verbote gegen unbehandelte Lebensmittel – dies alles kommt im Buch zur Sprache, oft in etwas verwirrender Vielfalt und Wiederholung. gh
Judith Mudrak-Wasem:
Milch ist nicht gleich Milch

Bisher verschwiegene revolutionäre Tatsachen zur Rohmilch-Wissenschaft und Gesundheit!

436 Seiten, broschiert
Xlibris Corp 2011
ISBN 978-1-4628-9799-5
CHF 27.90
milchistnichtgleichmilch.com
 
  Ein globalisierter Blick auf die Berge
Jon Mathieu: Die dritte Dimension
Jon Mathieus Blick in luftige Höhen rund um die Welt gründet auf einem durch lange Forschungstätigkeit erworbenen Fundament an Wissen über die Gebirgsregionen und ihre BewohnerInnen. Nun legt er sich an einen Vergleich zwischen ausgewählten Bergregionen und rund um den Globus. Mathieu zeichnet dabei zum einen die Entwicklung der Wahrnehmung der Bergwelt nach – wobei die Entdeckung und teilweise Kolonisierung fremder Gebirgsregionen seit Beginn der Frühen Neuzeit durchaus auch den Blick auf die heimischen Höhen beeinflusste. Zum andern vergleicht er, mit viel Zahlenmaterial angereichert, u.a. die (Land-)wirtschaftlichen und demographischen Entwicklungen in verschiedenen Bergregionen von China über Afrika bis Südamerika in den letzten gut 500 Jahren. Gleichzeitig bietet die Studie einen Einblick in die Geschichte der verschiedenen Wissenschaftszweige, die sich dem Thema widmen und in die Vielzahl von privaten und staatlichen Organisationen, die sich für eine «nachhaltige» Entwicklung der Gebirgsregionen einsetzen. Man ahnts: Mathieus Studie ist keine Entspannungslektüre nach getaner Alparbeit, sondern nicht ganz leicht verdauliche Winterkost, auch wenn sie nicht allzu umfangreich und gut verständlich geschrieben ist. (an) Jon Mathieu:
Die dritte Dimension

Eine vergleichende Geschichte der Berge in der Neuzeit

Schwabe Verlag
Basel 2011
ISBN 978-3-7965-2711-1
CHF 58.-
www.schwabe.ch
 
  Fünf Kilometer zur nächsten Kuh
Marc Valance: Kühe

Niemand sei mehr als fünf Kilometer von der nächsten Kuh entfernt, schreibt Marc Valance in diesem Band, der sich der Kuh nähert bis unter die Haut, bis in den Pansen hinein und von diesem wieder hinaus übers Euters, über die Fleischfasern in die industrielle Weiterverarbeitung. Kein Tier sonst, dass sich so vehement und allumgreifend in die schweizerische Seele eingenistet hat. Kein Tier sonst, dass wir so für unsere Zwecke (meist profitabel orientiert) zum Nutztier verbogen haben.
Man lernt ganz schön viel: Wie die Kuh zum Schweizer kam, wer bei der Kuh der Ochse ist und welche Farben er hat, was die Götter mit der Kuh anstellen, wie die Kuh in die Dose und auf die Unterhose kam, wie sie unsere Landschaft mit- und umgestaltet, wie man eine Kuh folkloristisch kompensiert und warum die Kuh am Umweltproblem sowie am Butterberg schuld ist und warum wir ihr die Schuld geben. «Die Kuh hat ein grosses Maul, aber sie schweigt», sagt Krüsi. Da hören wir ihr gerne zu. Fünf Sterne von der zalp-Redaktion. (gh)

Marc Valance:
Kühe


Schriftenreihe Vontobel-Stiftung,
Zürich 2010
gratis
www.vontobel-stiftung.ch

 
  Die Gefahr ruft
Birgit Bayer: Ein Sommer auf der Alp
Nur wenige gehen z’Alp, weil es dort gefährlich ist. Während es im noch gefährlicheren Tal allerlei spezielle Ratgeber gibt wie «Der zerquetschte Velofahrer», «Gefahren auf dem Schulweg», «Die bedrohte Hausfrau», «Der zersägte Holzfäller» usw., fehlte bis jetzt der Gefahrenführer für die Älpler. Nun ist er da. Was macht man bei einem Schlangebiss, bei Verätzungen, Blasen, Splitterverletzungen, Verbrennungen, Prellungen, Tollwut usw. Wie stellt man sich eine Notfallapotheke zusammen und welche Bachblüten trinkt man dagegen. Was kann man bei Müdigkeit tun, wann hilft ein Quarkwickel, wie organisiert man eine Helikopterlandung und was ist eine Ernährungspyramide und eine Rettungskette usw. An manchen Stellen bleibt das Buch leider oberflächlich und eher geschwätzig, bietet in der letzten Konsequenz nicht die erwartet konkrete Hilfe. (gh) Birgit Bayer:
Ein Sommer auf der Alp

Nützliches und Heilsames für jeden Tag

Weber Verlag, Thun/Gwatt 2011
ISBN 978-3-909532-80-3
CHF 29.–
www.weberverlag.ch

 
  Über den weiten Alpenbogen
Alfred Ringler: Almen und Alpen
«Almen und Alpen» ist eine länderübergreifende Untersuchung zu fast allen Themen der Alpwirtschaft. Soviel Wissen war meines Wissens noch nie an einem Ort versammelt. Das Spektrum umfasst die Geologie, das Klima, die Topografie der Alpen, geht über zur Nutzung, erklärt Grund und Boden, Flora und Fauna, behandelt Beweidungsformen und deren Auswirkungen, zeigt ökologische Entwicklungen und menschliches Zutun auf, versucht Tendenzen und Möglichkeiten der Alpwirtschaft zu entwerfen. Kein Lesebuch, aber ein Nachschlagewerk für jeden Alpinteressierten, der sich noch wundern kann, was es alles zu wissen gibt. Das Heft umfasst 148 Seiten, die beiliegende CD enthält das gesamte Werk mit 1448 Seiten im PDF-Format zum gezielten durchsuchen. Mit ausufernd vielen Tabellen, Abbildungen und einer Bildergalerie der geologisch unterschiedlichen Alplandschaften. (gh) Alfred Ringler:
Almen und Alpen

Höhenkulturlandschaft der Alpen, Ökologie, Nutzung, Perspektiven
 
Verein zum Schutz der Bergwelt, München 2009
ISBN 978-3-00-029057-2
ca. CHF 60.–
www.vzsb.de
 
  Kein Platz auf der Kuhhaut
Florian Werner: Die Kuh
Die Kuh muss für vieles hinhalten. Das wird klar bei der Lektüre dieses allumfassenden Buches über die Kuh in Geschichte, Kultur und Verwertung. Knapp 1,3 Milliarden Rindviecher grasen uns einen Viertel Nahrungsmittelanteil weg, alle zusammen sind mehr als doppelt so schwer wie die menschliche Masse und wir lieben sie einfach, die Kuh.
Es geht im Buch «um die Kuh als Handelsware, als Fleisch- und Milchlieferantin, als Sexualobjekt, als Werbefläche, als Heilige und Teufelin, als Sklavin, Seelntrösterin und Gefahr für die Umwelt». Intelligent geschrieben und gut zu lesen, auch wenn Kulturgeschichte eben nicht immer Krimispannung entspricht. Was der Autor an Wissen, Zahlen, Fakten, Mythischen und Literaturzitaten zusammenträgt, geht auf keine Kuhhaut. Wer die Kuh aber als lebendiges Wesen erfahren will, wer ihr Psyche kennenlernen will, der geht besser auf die Alp und auf die Weide - dort kann er das Buch dann immer noch lesen. (gh)
Florian Werner:
Die Kuh

Leben, Werk und Wirkung

Nagel&Kimche im Carl Hanser Verlag, München 2009
ISBN 978-3-312-00432-4
CHF 34.50
www.hanser-literaturverlage.de
 
  Lebensperspektiven in den Alpen
Orte guten Lebens
Eigentlich, so könnte man als Naturliebhaber meinen, ist es gut, wenn sich der Mensch weit in die Alpentäler zurückzieht und die Berge der Wildnis überlassen werden. Die Zukunft der Alpen liegt jedoch ganz entscheidend in den Händen der Menschen vor Ort, so mahnt Werner Bätzing, Professor für Kulturgeographie und einer der anerkanntesten Alpenexperten. Verlassen immer mehr Menschen entlegene Bergdörfer, so kommt die Landwirtschaft zum erliegen. Almweiden verbuschen und der Wald breitet sich unkontrolliert aus, die Biodiversität nimmt wahrscheinlich ab. Wirtschaftsgebäude, Siedlungen und Dörfer verfallen und der Erhalt von Saumpfaden und Wanderwegen wird immer aufwendiger, teurer oder sogar unmöglich. Mit den Bergdörfern stirbt die Kulturlandschaft und wenn überhaupt vorhanden, kommt danach der Tourismus zum erliegen.
Weltuntergangsgejammer hilft aber keinem, wenn Existenzen und ganze Landschaften bedroht sind. Deshalb werden im Buch zukunftsweisende Projekte geschildert, die den Menschen, die sich auf ein beschwerliches und hartes Leben in den Bergen eingelassen haben, Perspektiven, Mut und Kraft geben können. (Dr. Thomas Wardenbach)
Werner Bätzing:
Orte guten Lebens


Rotpunktverlag, Zürich 2009
ISBN 978-3-85869-392-1
CHF 39.80
www.rotpunktverlag.ch
 
  Gletscherluft und Molke
Georg Jäger: Fernerluft und Kaaswasser
Das Leben auf der Alp kann auch heute noch hart sein. Die Lektüre von Jägers Studie, in der er in klassisch volkskundlicher Manier Berichte über das Leben auf den Tiroler Alpen vom ausgehenden Mittelalter bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts sammelt, öffnet einem allerdings einen Blick auf Lebensbedingungen, die nicht nur hart und durch vielerlei Gefahren geprägt, sondern grösstenteils auch durch Armut bestimmt waren. Das Tiroler Alpwesen war dabei keineswegs eine reine Männerwelt. Sehr zur Besorgnis der kirchlichen Obrigkeit setzte sich das Alppersonal nämlich oft aus ledigen Männern und Frauen zusammen, wobei nicht selten die Frauen das Sennereihandwerk ausübten. Die Alpen waren aber auch für viele Angehörige der ländlichen Unterschicht wichtig, die sich und ihre Angehörigen mit «Grasrupfen» (Wildheuen), dem Sammeln von Edelweiss und dem Ausgraben von Enzianwurzeln für die Schnapsbrennerei oder dem Erbetteln von Butter und Molke über die Runde bringen mussten. Man muss das leicht verständlich geschriebene Buch nicht unbedingt von vorne nach hinten lesen, sondern kann bestens darin «schneuggen» und sich an den vielen alten Scharz-Weiss-Fotografien erfreuen. (an) Georg Jäger:
Fernerluft und Kaaswasser

Hartes Leben auf den Tiroler Almen
 
Universitätsverlag Wagner,
Innsbruck 2008
ISBN 978-3-7030-0443-8
CHF 49.90
 
  Ich Alp du Alp wir Alpen
Wir Alpen!
«Wir Alpen» ist kein Buch über Alpbetriebe und deren geschäftige Hirten und Sennerinnen, sondern ein Bündel an Reportagen über gewiefte Zeitgenossen, die an die Zukunft glauben. Allen gemein ist
ihr Wohn- und Arbeitsort im Alpenbogen zwischen Wien und Nizza. Das Buch fächert 15 kreative Projekte auf, sozial, klimaneutral und wirtschaftlich erfolgreich: Nachhaltige Erdbeeren in Grenoble, ein Onlineversandhaus im Puschlav, vom Quecksilberabbau zum Hightechanbau im slowenischen Idrija, Zweitwohnungsverwertung in St. Moritz, ein Bonus-System für radfahrende Mitarbeiter in
Liechtenstein. Ein Buch voll Engagierter zum Hoffnung schöpfen, die Zahlen im zweiten Teil erzählen jedoch die Geschichte des serbelnden Berggebietes. Also Engagierte: Rein ins Gebirge. (gh)
Wir Alpen!
Menschen gestalten Zukunft

Herausgeber: CIPRA 2007
ISBN 978-3-258-07263-0
CHF 36.–
www.cipra.org
 
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  Soweit der Schall reicht
Tonisep Wyss-Meier: Der Betruf
Am häufigsten wird der heilige Wendelin gefordert, dicht gefolgt vom Säu-Toni, auch der Bruder Klaus wird angerufen und vorne dran wird Maria gegrüsst: Der Betruf hilft dem Älpler nach getaner Arbeit seine Verantwortung diversen Heiligen in die Hände zu legen. Tonisep WyssMeier präsentiert nach zwanzig Jahren Recherche eine Sammlung von 134 Alpsegen aus dem deutschsprachigen und rätoromanischen Alpenraum. Ergänzt durch Geschichtliches, Sagenhaftes, Statistisches, Katholisches und sogar Reformiertes rund um den Betruf. (gh) Tonisep Wyss-Meier:
Der Betruf

 
Appenzeller Volksfreund, Appenzell 2007
ISBN: 3-9522456-6-6
CHF 45.–
www.dav.ch
 
  Von einem, der noch hin ging
Das Alpwesen Graubündens
Richard Weiss, langjähriger Schüler und Lehrer am Schierser Gymnasium und später erster Professor für Volkskunde an der Universität Zürich, hat als einer der ersten die Alpwirtschaft nicht aus rein ökonomischer, agrartechnischer Sicht betrachtet, sondern stellte die ÄlplerInnen und deren Kultur in den Mittelpunkt seiner Untersuchung. Entstanden ist dabei nicht etwa eine abgehobene wissenschaftliche Abhandlung, sondern eine reiche und spannende Sammlung dessen, was der Autor auf den unzähligen besuchten Alpen, aus mündlichen und schriftlichen Quellen vorfand. Von der Beschreibung der Bewirtschaftungsarten, Gerätschaften und Einrichtungen über die rechtliche Organisation und historische Entwicklung zu Arbeits- und Lebensweise des Alppersonals lernen wir ein Alpwesen kennen, wie es sich bis in unser Jahrhundert hat halten können, und auf dessen Überbleibsel wir auch heute immer wieder stossen. (gh) Richard Weiss:
Das Alpwesen Graubündens

 
Neudruck der Originalausgabe von 1941 im Octopus Verlag, Chur 1992
ISBN 3-279-00525-6
CHF 58.–
www.octopus-verlag.ch
 
  Handbücher nach oben
  Mähe dich glücklich
Ian Miller: Das Sense-Handbuch
Das Sense-Handbuch erklärt mehr, als wir wissen müssen. Und das tut es mit freundlichem Text und liebenswürdigen Zeichnungen. Dabei geht es Miller nicht nur ums gekonnte Mähen – die Sense ist bei ihm Angelpunkt und Schwinghebel zur Selbstverwirklichung. Neben handfesten Tipps zum Kauf, zum Gebrauch der Sense, zur Handhabung und Werkzeugpflege will Miller zusätzlich einen Sense-Spirit verbreiten. Gemäss dem Motto: Vor dem Mähen ist Muskelentspannung und Meditation, nach dem Mähen ist Tristenbau, Getreideernte, Haferbrei und Sauerteigbrot.
Aber für uns ist es nun Zeit: Wir kaufen die perfekt zu uns passende Sense, wir dengeln, was der Hammer hergibt, wetzen, dass die Metallspäne sprühen und schwingen mitsamt der Sense leichtfüssig hinaus ins gemähte Universum. gh

Ian Miller:
Das Sense-Handbuch

Richtig dengeln, wetzen, mähen und ernten
 
144 Seiten, gebunden
zahlreiche Abbildungen und Zeichnungen
Haupt Verlag, Bern 2017
ISBN 978-3-258-07997-4
CHF 32.–
www.haupt.ch

 
  Sag mal, was haben wir noch in der Spense?
Margrit Abderhalden: Schweizer Alpküche
Das Kochbuch von Margrit Abderhalden, scharrt seine Rezepte nahe um den Alpherd und die Alpweide. Da muss der Hirte schon mal Löwenzahn, Guten Heinrich oder Eierschwämmli heimbringen und die Sennerin massig Rahm abschöpfen, auch wenn das magereren Käse gibt. Könnte zudem passieren, dass ein schotteversoffenes Schwein dran glauben muss, damit sich die traditionelle Küche in währschaften Muskeln niederschlägt. Also kein Buch für Cholesterinabstinenzler und sonstige Fettverweigerer.
Es reihen sich Grundrezepte wie Sennenrösti, Bärlauchspätzli, Zigerhörnli, Schweinsbraten neben spezifisch traditionellen wie Schlorzifladen, Zunne, Ribel, Holderbrägel, ergänzt mit Rezepturen für Kräutertee, Bratbutter, Tannenspitzhonig, Hustensirup und Rüeblikafi. Die hundert Varianten reichen knapp für einen Alpsommer, sind einfach beschrieben und manchmal mit kulturhistorischen Angaben versetzt. Damit müsste eigentlich gekocht sein, was es zu kochen gibt, und ich kann aufhören, alpkulinarische Bücher zu sammeln. Obwohl: Vielleicht offenbart uns das nächste Buch Rezepte vom Hirt, der nicht kochen können will, oder was man mit geblähten Käse noch machen und wie man die Hausmaus gratinieren kann. gh

Margrit Abderhalden:
Schweizer Alpküche

100 Rezepte – einfach, traditionell, währschaft
 
160 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
AT-Verlag, Aarau 2016
ISBN 978-3-03800-876-7
CHF 29.90
www.at-verlag.ch

 
  Unverzichtbar
Neues Handbuch Alp
Mehr als 40 Autorinnen und Autoren bringen im Neuen Handbuch Alp ihr Wissen ein, vermitteln praktische Tipps und sinnieren über das Leben oberhalb der Waldgrenze. Oft mit einem Augenzwinkern, immer aus der eigenen Erfahrung heraus, griffig, kompetent, überraschend.
Das Standardwerk für Alpneulinge und Interessierte an der Alpwirtschaft. Neben Tipps und Tricks für Alpleute in allen Bereichen vom Anstellungsvertrag bis zum Klauenverband enthält das Buch in vielen Erzählungen und Betrachtungen ein Stück moderne Lebensart auf über 2000 Meter. Fast alle Schreibenden sind oder waren selber z’Alp. Ein Buch, das quietscht wie ein Mund voll trockener Käsekörner und dampft wie ein Kuhfladen in der Morgenfrische, ein Buch für 100 Tage Alp oder eine durchwachte Nacht. (Klappentext)
Neues Handbuch Alp
Handfestes für Alpleute, Erstaunliches für Zaungäste
 
zalpverlag 2012
528 Seiten, viele Schwarzweiss-Bilder und Illustrationen
ISBN 3-033-00443-1
CHF 56.–
www.zalpverlag.ch
 
  Salben oder blättern
Heilende Kräuter für Tiere
Ein Heilmittelbuch für Tiere weckt die Hoffnung, den Tierarzt mit seiner Antibio-tikaspritze nicht zu brauchen. Dem ist natürlich nicht so. Gerade auf der Alp hat man vorwiegend mit akuten Krankheiten zu tun, die eine sofortige Behandlung verlangen. Für diese Fälle ist das Buch nur bedingt geeignet. Seine Stärke liegt mehr im langjährigen Umgang mit chronischen Krankheiten an Haut, Klaue, Muskel, Euter, Niere oder Darm. Denn die Tinkturen, Salben und Tees müssen ja zuerst einmal hergestellt werden. Die Rezepturen und Herstellung sind jedoch gut beschrieben. Insgesamt bietet das Buch einen breiten Fundus an Heilpflanzenwissen. Da es sich aber vielen Tierarten widmet, von Katzen über Rinder zu Pferden und Chüngeln, verliert man sich als interessierter Leser zwischen Querverweisen, Stichwortverzeichnis und Wirkungstabellen und wird zum genervten Blätterer. gh

Cäcilia Brendieck-Worm, Franziska Klarer, Elisabeth Stöger:
Heilende Kräuter für Tiere

Pflanzliche Hausmittel für Heim- und Nutztiere
 
248 Seiten, ca. 280 Farbfotos

Flexibroschur
Haupt Verlag, Bern 2015
ISBN 978-3-258-07936-3
CHF 35.90
www.haupt.ch

 
  Mit Homöopathie gegen Eutererkrankungen
Sybille Maurer:
Praktiker-Leitfaden Mastitis
In dem reich bebilderten Leitfaden lässt Sybille Maurer anderen Landwirtinnen und Landwirten viel Raum für ihre Erfahrungsberichte von IP-, Bio- und Demeter-Betrieben, auf denen die Homöopathie zur Mastitisbehandlung zum Teil schon seit über 20 Jahren eingesetzt wird. Sie erzählen von Erfolgen, aber auch von Schwierigkeiten und Ratlosigkeit, gerade im Umgang mit chronischen Erkrankungen. Hier setzt die Autorin an und versucht Hilfestellungen zur Wahl des richtigen Mittels zu geben. Neben den im ganzen Buch verteilten, und deswegen etwas unübersichtlichen Informationen zu den konkreten Wirkstoffen, finden sich auch tabellarische Übersichten mit Leitsymptomen, die einem die Suche erleichtern. Ausserdem werden praktische Tipps zur Herstellung und Verabreichung der Mittel gegeben, die im Stall und auf der Alp hilfreich sein können. av Sybille Maurer:
Praktiker-Leitfaden Mastitis

Klassische Homöopathie
 
broschiert
Eichenhof Verlag, Bischhausen 2012
ISBN 978-3-00-034734-4
EUR 18.00
Bestellung über
www.sybillemaurer.de
 
  Umfassendes Selbsthilfehandbuch für SchäflerInnen
Gilberte Favre: Homöopathie für Schafe

Ein Homöopathie-Buch, von einer Praktikerin und Älplerin geschrieben, immer nah an den Schafen, das gab es so ausführlich noch nicht. Anfangs erläutert die Autorin das Wirkprinzip der Homöopathie, die Unterschiede der Potenzhöhen, erklärt Fachlatein und gibt Tipps zur Eingabe. Im Hauptteil beschäftigt sie sich detailliert mit den Krankheitsbildern. Neben der homöopathischen Behandlung finden auch Pflanzenheilkunde und Akupressur ihren Platz. Im Besonderen wird auf das Wesen der Schafe eingegangen, kurz auf die Besonderheiten der Alpsömmerung. 70 Arzneimittel mit ihren Symptomen und Einsatzgebiet veranschaulicht die Autorin in Bild und Text, dadurch wird das Handbuch zum Lesebuch. Ein Glossar, eine Literaturliste und ein Adressverzeichnis helfen weiter, falls man noch mehr als Alles wissen will. Fazit: Erstaunlich viel Fachwissen erstaunlich verständlich erklärt.

Gilberte Favre:
Homöopathie für Schafe

Ein praktisches Handbuch zur Behandlung der wichtigsten Krankheiten und Verletzungen
 
Narayana Verlag, Kandern 2011
ISBN 978-3-941706-53-8
CHF 52.– EUR 39.–

Bestellung in der Schweiz:
www.homoeosana.ch
 
Bestellung in Deutschland:
www.narayana-verlag.de

 
  93 Krankheiten
Krankheiten von Schafen, Ziegen und Hirschen
Umfassendes und übersichtliches Nachschlagewerk bei Krankheiten von Kleinwiederkäuer. 93 Krankheiten werden in einer leicht verständlichen Sprache beschrieben, dabei gehen die AutorInnen der Krankheitsentstehung und ihren Ursachen nach, beschreiben Vorkommen und Bedeutung, erläutern die Diagnose in Text und anschaulichen Bildern, zeigen Behandlungen und Vorbeugungen auf. Über das Inhaltsverzeichnis und das Register ist eine mögliche Krankheit schnell gefunden. Die Behandlungsbeschriebe orientieren sich an schulmedizinischen Methoden, homöopathische Behandlungen werden nicht aufgezeigt. Insgesamt ein sehr nützliches Buch, auch für die Alp. Krankheiten von Schafen, Ziegen und Hirschen
erkennen - behandeln - vorbeugen

Beratungs- und Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer, 2010
ISBN 978-3-033-02332
CHF 92.–
www.caprovis.ch
 
  All die schönen Blüemli fressen
Wiesen- und Alpenpflanzen
Auf der Alp frisst das Vieh Pflanzen, die einen gerne, die andern weniger. Älpler und Älplerin schauen zu und wundern sich, was es auf der Alp alles für Gräser und Blumen gibt. Das Buch «Wiesen- und Alpenpflanzen» des Wiesenökologen Walter Dietl (Reckenholz) mit vielen Detailzeichnungen von Manuel Jorquera und über 1000 Fotografien. Darin werden gut 600 mitteleuropäische Pflanzen porträtiert. Dietl geht dabei nicht nur auf die Merkmale der einzelnen Arten ein, sondern auch auf ihren futterbaulichen Wert und die Bedeutung für bestimmte Schmetterlinge, Wildbienen und andere Mitglieder der Lebensgemeinschaft. Man erfährt, welche Pflanzen giftig sind und wie sich gefährliche Pflanzen zurückdrängen lassen, dass das Alpen-Kreuzkraut auch Blutzge oder Bütschel heisst, das Heidekraut eine Zeigerpflanze für zu späte oder zu schwache Beweidung ist, und dass der Blütentee der Spierstaude ähnlich wirkt wie Aspirin. Im Hauptteil des Buches führt ein Bestimmungsschlüssel anhand der Blätter durch die Pflanzenwelt, im zweiten Teil werden dann etwa 150 Arten genauer behandelt. (gh) Walter Dietl und
Manuel Jorquera:
Wiesen- und Alpenpflanzen

 
Eidgenössische Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau (FAL Reckenholz) 2003
ISBN 3-03888-034-5
CHF 59.-
www.edition-lmz.ch
 
  Blumenmemory
Lernkarten zum Buch Wiesen- und Alpenpflanzen
Die Alpleute sind schuld, dass die Alpweiden so artenreich sind, nicht unbedingt die heutigen, aber sicher die gestrigen. Für viele Insekten und andere Alpweidenbewohner wie -benutzer ist das ein
schöner Lebensraum, für ÄlplerInnen, die alle Gräser, Kräuter und Blumen kennen wollen, eine arge Herausforderung. Natürlich sind einem mit den Jahren all die Pflanzen, die da gefressen, verstampft, verkuhfladet werden bekannt, nur die Namen «wie hiess das Teil da mit den ausgefransten Blütenblätter schon wieder...» kennt man nicht. Wer eher chaotisch veranlagt ist und die straffe Ordnung eines Buches mit Seite an Seite als langweilig empfindet, kann jetzt mischeln, ausgeben, ziehen, verstreuen und die MitälplerInnen abfragen. Das macht Spass und man vergisst, dass man auch noch Kartenhäuser bauen könnte. Neben der Pflanzenbestimmung berichten die Karten zudem von Weidetypen, Bodenbeschaffenheiten und nachhaltiger Alpweide-Bewirtschaftung. Im handlichen Schuber hatte es sogar noch Platz für zehn Postkarten zur Alpenhüttenverzierung. (gh)
Karl Waser und Walter Dietl: Lernkarten zum Buch Wiesen- und Alpenpflanzen
 
Landwirtschaftliche Lehrmittelzentrale LmZ, Zollikofen 2006
ISBN 3-907821-38-6
CHF 29.-
www.edition-lmz.ch
 
  Nachschlagen bis zum Anschlag
Handbuch Schweizer Alpen
Das «Handbuch Schweizer Alpen» ist vier Bücher in einem. Pflanzen, Tiere, Gesteine und Wolken sind zur näheren Bestimmung bereit, können nachgeschlagen und aufgefunden werden. Zu den jeweiligen Kapiteln gibt es eine knappe, aber informative Einführung. Der Inhalt wirkt etwas gedrängt, die Angaben zu einer Pflanze oder einem Tier sind kurze Weide. Wer mehr wissen will, zum Beispiel über den Bartgeier oder die Trichterlilie, muss weiterführende Literatur beiziehen. Aber man will ja nicht immer alles wissen, oder. Ein Plus des Buches ist seine Herkunft. So ist bei den Detailangaben das Verbreitungsgebiet auf einer Schweizerkarte angegeben. Gut gefallen uns die Einführungstexte. Man kann über die Lebenswelt der Alpen viel lernen ohne mit wissenschaft- lichem Jargon vergrault zu werden. Wer Kombipacks liebt, bekommt mit dem Buch einen treuen Begleiter. (gh) Heinz Staffelbach:
Handbuch Schweizer Alpen
Pflanzen, Tiere, Gesteine und Wetter

 
2. überarbeitete Auflage
Haupt Verlag, Bern 2011
ISBN 978-3-258-07638-6
CHF 59.–
www.haupt.ch
 
  Wer zwitschert, wer piepst, wer flattert?
Vögel der Alpen
Den Hausrotschwanz, der auf dem Balken deiner Alphütte sein Nest gebaut hat, kennst du vielleicht. Aber dieser unscheinbare Vogel, der dich und deinen Hund auf offener Weide nervös und aufgeregt piepend umfliegt – wer mag das sein? Solche Fragen zu beantworten kann dir das Buch helfen. Vorgestellt werden 130 Vogelarten aus dem Alpenraum. Damit ist der ganze Alpenbogen gemeint, in deinem Alpgebiet wirst du nur einen Bruchteil der Vögel antreffen. Umgekehrt findest du aber alle Vögel deiner Alp in diesem Buch.
Auf mindestens zwei Seiten ist jede Vogelart mit kurzen, fachlich fundierten Informationen beschrieben. Die meist sehr guten bis grossartigen Fotos zeigen die Vögel in ihrem Lebensraum und machen den eigentlichen Wert des Buches aus. Autoren sind drei Italiener, übersetzt wurde das Buch von einer fachfremden Person, was zu wenigen grotesken Sprachverwirrungen geführt hat. Aber das tut dem Wert des Buches keinen Abbruch. Mich hat es gefreut, dass aus Italien, einem Land mit hässlicher Vogeljagd, ein Buch kommt, aus dem Freude und Begeisterung für die Vogelwelt spürbar ist. (Thomas Mesmer)
Bruno Caula, Pier Luigi Beraudo, Massimo Pettavino:
Vögel der Alpen

Der Bestimmungsführer für alle Arten

Haupt Verlag, Bern 2010
ISBN 978-3-258-07597-6
CHF 43.90
320 Seiten, ca. 600 Farbfotos
www.haupt.ch
 
  238 von 200’000
Schmetterlinge der Alpen
Wenn man ständig mit diesen grossen Viechern wie Kuh, Schaf und Geiss zu tun hat, tut es gut, sich mal den kleinen zu widmen. Vom ansässigen Geflügel geniessen die oft farbenprächtigen Schmetterlinge und Falter bei den ÄlplerInnen freudige Akzeptanz (im Gegensatz zum Beispiel zur Rossbremse). Die wenigsten kann man jedoch mit Namen anreden, und überhaupt wüsste man gern mehr über diese Tiere. Ein treuer Freund bei der Hütte ist zum Beispiel der Wanderfalter Admiral, der seine Eier gerne auf Brennnesselblätter legt und sich dort oder am Gemäuer verpuppt. Also bitte nicht Brennnesseln mähen, nur weil sie das Vieh nicht frisst! Admirale machen pro Sommer meist mehrere Generationen, von denen die letzte in den Süden fliegt. Eine abenteuerliche Reise für das Halbgrammgewicht, das gegen Sturm und Kälte über die Pässe flattert. Das Buch porträtiert alle 238 Arten des Alpenbogens (insgesamt gibt es 200’000 Arten), liefert Informationen zum Lebensraum, zur Ernährung, Fortpflanzung und Verbreitung. Will man einen Schmetterling bestimmen, hilft nur das Blättern im Buch, ein Bestimmungsschlüssel fehlt. Dafür sind die Fotos top! gh

Gianluca Ferretti:
Schmetterlinge der Alpen

Der Bestimmungsführer für alle Arten
 
352 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
Haupt Verlag, Bern 2015
ISBN 978-3-258-07850-2
CHF 38.90, EUR 32.90
www.haupt.ch

 
  Homöo statt Antibio
Handbuch zur homöopathischen Stallapotheke
Wer Homöopathie anwendet oder anwenden will, findet im vorliegenden Büchlein einen kurzgefassten, aber informativen und verständlichen Helfer. Es ist handlich im Format und hat einen Umschlag, der Dreck und Blutspritzer übersteht. Es nimmt im Besonderen Bezug auf die Homöopathische Stallapotheke, die bei OMIDA erhältlich ist, funktio- niert aber auch mit anderen Stallapotheken und eigenen Zusammenstellungen. Man kann wahlweise nach der Krankheit oder nach dem Mittel nachschlagen und findet wichtiges Wissen rund um die Homöopathie. Ein Glossar beschreibt die häufigsten fachtechnischen Ausdrücke und eine übersichtliche Tabelle hilft einem bei den Beurteilungskriterien: Wann soll ich selber behandeln, wann den Tierarzt, die Tierärztin rufen. Rechteckig, praktisch, gut. (gh) Flury, Gisler, Knüsel u.a.: Handbuch zur homöopathischen Stallapotheke
 
OMIDA AG, 6403 Küssnacht
ISBN 978-3-033-01106-9
CHF 77.–
www.omida.ch
 
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  Wenn die Rösti anbrennt
Martin Bienerth: Alpechuchi
Soll man lesen oder kochen? Eine Frage, die sich ohne dieses Buch kaum stellt, damit aber schon. Denn die erste Hälfte ist voller Alpgeschichten, Tagebuchaufzeichnungen, Sagen, Fotos und persönlicher Gedanken des Älplers Martin Bienerth: zum Hüten in früherer und heutiger Zeit, zur Kuh unbedingt mit Horn, zur Milch, zur Butter, zum Käse, zum Ziger und dem Alpschwein als Veredelung von Schotte und missratenen Alpprodukten. Angenehm authentisch und älplerisch, da schreibt kein Alpfunktionär, kein Wissenschafter oder Journalist, da schreibt einer aus seinem selbsterlebten Alptag.
Im zweiten Teil folgen die Rezepte. Eine hübsch bebilderte Zusammenstellung einfacher Choscht. Solides Kochfundament bäuerlicher Küche mit ein paar kreativen Perlen. Insgesamt knapp 30 Zmittags mit 17 Suppen und 22 Desserts, das sollte für einen Sommer frei von Gaumenlangeweile reichen. (gh)
Martin Bienerth:
Alpechuchi


Fona Verlag, Lenzburg 2010
ISBN 978-3-03780-420-9
CHF 34.90
www.fona.ch
 
  Alles auf über 100 Karten
Alpenatlas
Die HerausgeberInnen laden zum Studium der Unterschiede und des rapiden Wandels von Raum und Gesellschaft ein, dem gerade der Alpenraum in besonderem Masse unterliegt. Der erste Alpenatlas enthält mehr als 100 vierfarbige, alpenweite Karten zu den Bereichen Soziales, Wirtschaft und Umwelt. Themen wie etwa Besiedlungsentwicklung, Erwerbssituation, Landschaftszerschneidung oder Arbeitsmarktsituation werden mit diversen Indikatoren dargestellt und von ExpertInnen in fünf Sprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch, Slowenisch und Englisch) interpretiert. Zielpublikum des Atlas sind Wissenschaftler in Geographie, Tourismus, Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Alpen, Politikerinnen und interessierte Laien. Der Alpenatlas stellt mit länderübergreifenden Daten und Vergleichskarten eine aktuelle und solide Grundlage bei Fragen rund um den Alpenbogen dar. (gh) Ulrike Tappeiner, Axel Borsdorf, Erich Tasser:
Alpenatlas


Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2008
ISBN 3-8274-2004-0
CHF 77.50
www.springer.com
 
  Antenne einschrauben
Jan Hulsen: Kuh-Signale
Schau der Kuh in die Augen, Hirt und Hirtin. Schau ihr auf die Beine, schau wie sie geht, wie sie frisst, wie sie aufsteht, schau ihr auf die Zitzen, fass ihr an die Nase, lupf ihr den Schwanz und kraule sie einfach mal hinter den Ohren... Jan Hulsen gibt in seinem Buch «Kuh-Signale» praktische Tipps zur Kuhbeobachtung. Obwohl man meinen würde, dies wäre aus einem Buch nicht zu lernen, ist man doch verblüfft, auf wieviele Details man hingewiesen wird. Das geht von der Kotbeurteilung über die Beinstellung bis zum Sozialverhalten innerhalb der Herde. Zu einem grossen Teil geht es im Buch um die Kuh im Stall, in der Liegeboxe und am Melkroboter. Trotzdem kann der Hirt und die Hirtin manches zum Kuhverhalten lernen, die Sinne für Krankheitssymptome schärfen. Am wichtigsten ist wohl, sich Zeit zu nehmen und zu beobachten. Wer rennt sieht nicht. «Rund um die Uhr geben Kühe wertvolle Informationen ab, wenn man dafür die richtige Antenne besitzt.» (gh) Jan Hulsen:
Kuh-Signale

Krankheiten und Störungen früher erkennen

Hardcover
viele Farbbilder und Grafiken
ISBN 978-90-75280-54-8
CHF 59.–
www.cowsignals.com
 
Alpkataster nach oben
  Alpen- und Mannenwelt
Die Alpen in Appenzell Ausserrhoden
Ein Alpkataster ist eigentlich eine langweilige Sache. Da reihen sich einschläfernde Angaben zu Eigentümer, Bewirtschafter, Bestossung, Weidefläche, Gebäuden, Meliorationen und Sanierungen aneinander. Im konkreten Fall von 130 Alpen im Appenzell Ausserrhoden. Dazu kommt, dass die Datenerhebung sehr aufwendig ist und schnell veraltet. Doch wenn man eintaucht in die 400 Seiten, sich durch das gute Kilo Papier durchblättert, dort schnäugt, da sich wundert, wirds plötzlich spannend: Aha, da wurde auf diversen Alpen geköhlert. Oha, es gibt nur zwei Mutterkuhalpen, Milchkühe machen über 70Prozent der Tiere aus. Wow, da wird bis zu 20 Wochen gealpt! Ha, eigentümliche Appenzeller – 85 Prozent der Alpen werden privat bewirtschaftet. Usw.
120 Seiten widmet der ehemalige Lehrer und jetzige Pensionär Hans Eugster der Appenzeller Alpwirtschaft im Allgemeinen: Geschichte, Brauchtum, Tradition, Alpleben. Man merkt, Eugster hat seine Recherchen nicht im Büro gemacht, er geht raus zu den Leuten, hört ihnen zu, ist ein gern gesehener Gast und Frögli. Das macht aus dem trockenen Kataster ein lebendiges Sammelsurium appenzellischer Alpkultur, die dann in der Gesamtsicht ziemlich männlich scheint. Frauen kommen in den Beschrieben und auf den Bildern kaum vor – und die Alpspeisen Fenz, Rohmzonne, Chässchnette und Alte Maa werden für Eugster von Mannen gekocht. gh

Hans Eugster-Kündig:
Die Alpen in Appenzell Ausserrhoden

 
392 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
Appenzeller Verlag, Schwellbrunn 2015
ISBN 978-3-85882-724-1
CHF 48.–
www.appenzellerverlag.ch

 
  Z’Alp auf dem Sofa
Glarner Alpbuch
Wer sich umfassend über die Alpwirtschaft im Kanton Glarus informieren will, besuche entweder alle 88 Alpen oder studiere das Glarner Alpbuch auf dem heimischen Sofa. Denn als Bettlektüre ist das unhandliche, schwere Buch leider ungeeignet. Umso mehr taugt es zum immer wieder darin Blättern und Lesen. Dem zwanzigköpfigen Team (darunter einige Älpler) ist es gelungen, ein informatives Nachschlagewerk und prächtiges Bilderbuch zusammenzustellen. Jede Alp wird auf ein bis zwei Doppelseiten mit einem kurzen Text und vielen Fotos vorgestellt, ergänzt mit Fakten zu Lage, Besitzer, Nutzfläche, Tierbesatz, Produkten und Personal. Unterbrochen werden diese Portraits von Hintergrundberichten zur Glarner Alpwirtschaft und der Darstellung typischer Älpler. Ein Glossar mit relevanten Begriffen aus Alp- und Landwirtschaft rundet das Werk ab. Das Buch ermöglicht es, sich ein Bild von den Alpen in Glarus zu machen, ohne dort gewesen zu sein, und macht zugleich Lust darauf, sich selbst auf den Weg dorthin zu machen, um das Bild mit der Realität zu verbinden und hinter der blumigen Sprache und den Schönwetteraufnahmen den rauen Alpalltag zu finden. ab

Alpwirtschaftlicher Verein Glarus (Hrsg.):
Glarner Alpbuch

Zwischen Nebelwand und Föhnmauer
 
368 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
ISBN 978-3-033-04677-1
CHF 68.–
www.glarneralp.ch

 
  Durchs Urnerland den Alpen nach
Urner Alpen- und Alpkäseführer

Der heutige Tourist zieht nicht einfach los, er braucht einen Führer. Für die gut hundert Alpen im Urnerland hilft ihm ein Papierener in handlicher Form, befüllt mit Infos über Zustieg, Übernachtungsmöglichkeiten, Produkte und mit den Kontaktangaben zu den ÄlplerInnen. Wenn er auf dem Weg verschnaufen muss, kann er ein paar Sagen lesen, etwas über Flurnamen erfahren, sich über Biodiversität, Weidepflege, Alpkäseherstellung usw. informieren. Wieviele Kühe auf welchen Alpen auf wievielen Hektaren wieviel Alpkäse oder Subaru-Milch produzieren, darüber schweigt der Führer. Macht nichts, dafür ist er handlich sowie gratis und für alle Fragen ohne Ende gibts ja noch die Alpleute. (gh)

Äs herrlichs Lääbä...
Urner Alpen- und Alpkäseführer
 
Korporation Uri 2011
kann gratis als Broschüre bezogen werden
www.korporation.ch
 
  Mit einem 1.7 kg schweren Wälzer durch das Diemtigtal
Ernst Roth, Beat Straubhaar: Alpwirtschaft Diemtigtal
Einem Alpkataster haftet der säuerliche Geruch verstaubter Papiere an. Dass man mit einem modernen Bilder- und Lesebuch Alpen auflisten und anpreisen kann, zeigen Ernst Roth und Beat Straubhaar mit ihrem Buch über die Diemtigtaler Alpen. Die zwei durchstreifen seit Jahren die Berner Oberländer Alpen (siehe die Reihe z’Bärg), spienzeln dabei mit gespitztem Bleistift und neugieriger Kamera in Alphütten, Käsekeller, Wohnstuben und Ställe. Wieviele Alpenblumen ihren forschen Schuhen auf all den Weiden schon zum Opfer gefallen sind - wer weiss.
Neben dem Portraitieren der über hundert Alpen im Diemtigtal geht es im Buch auch und vor allem um ÄlplerInnen, Tiere und Gerätschaften. In den 1500 Bildern wird kaum ein Älplergrind, ein Kuhschwanz, eine Sauschnorre oder eine Holzgebse ausgelassen. Um die Alpportraits ranken sich Texte zur Geschichte der Diemtigtaler Alpen, zur Alphüttenarchitektur, zur Ökologie, zur Wirtschaft, zum Tourismus. Wer sich für diesen Teil der Alpenlandschaft interessiert oder sie kennenlernen will ein hübsches Geschenk, das man sich gerne auch selber macht. (gh)
Ernst Roth und
Beat Straubhaar:
Alpwirtschaft Diemtigtal

Tiere–Menschen–Landschaften

Weber AG Verlag, Gwatt/Thun 2009
ISBN 978-3-909532-54-4
CHF 69.–
www.weberverlag.ch
 
  Ja, genau dort
Alpen im Toggenburg
Das Toggenburg ist dort, wo gejohlt und geschöttet wird, wo sich die Alpsennen bei der Alpfahrt so farbenprächtig herausputzen, dass die Frühlingsblumen neidisch werden. Das kennt man. Wer mehr wissen will, zieht mit den Rotgewandeten vom Buchcover weiter in den Alpsommer hinein, gelangt zu den 143 Alpen, lernt die Toggenburger Alpkultur von der Nidelzonne bis zum Bloderchääs, von der Voorbrogg bis zur Schaukäsereitribühne, vom Einrechnen bis zum Blotter ufschorre, vom ungarischen Enzian bis zum ziselierten Sennenhund kennen. Reich und umfassend bebildert, anschaulich geschrieben, mit Kartenmaterial und Alpbeschrieben abrundend. (gh) Alpen im Toggenburg
Herausgeber: St. Galler Bauernverband
 
Toggenburger Verlag, Wattwil 2011
ISBN 978-3-033-03037-4
CHF 48.–
www.appenzellerverlag.ch
 
  Alpen im Sarganserland
Alpen im Sarganserland
Die Bilder von Peter Donatsch zeigen die Alpwirtschaft vom wasserpumpenden Widder über den stolzen Sennen bis unter das Flotzmaul. Da ist es oft neblig, schwitzig, touristenwimmelnd, auch mal einsam oder einfach voller Kuhscheisse. Man steigt mit ihm in den Käsekeller, in die Regenhose, auf den Töff und auf den Berg, rennt Rindern hintennach oder lässt sich von Landschaften berühren, die weit über den Buchrand hinaus bis ins eigene Erleben reichen.
Auch in den Texten gibt sich das Buch umfassend: Übers Wetter, übers Wasser, übers Käsen, übers Kühern, von Alpsagen und Alpsegen, von Älplern und Älplerinnen. Dazu gibts ein Glossar und eine Übersicht der 93 Alpen mit Kartenmaterial und Detailinfos. (gh)
Alpen im Sarganserland
Herausgeber: St. Gallischer Bauernverband 2008
 
ISBN 978-3-033-01668-2
CHF 48.-
vergriffen
 
Sixpack z’Bärg bis über die Grenzen des Kantons Bern
Ernst Roth, Beat Straubhaar: z’Bärg
«Chaslepbalg, Senntum 3512/S 2230» – eine der 117 Sennten im Buch «Käsealpen des Amtes Obersimmental» aus der Reihe: «Wege zum Alpkäse» mit erklärungswürdigem Namen. Die Telefonnachfrage bei Ernst Roth fördert zu Tage, dass der Namen «Chaslepbalg» nicht restlos gesichert gedeutet werden kann. Der erste Teil des Wortes «Chaslep» oder Chaslup meint auf berndeutsch «Chäslab». Der «balg» könnte aus zungenbrecherischen und bartmurmelnden Motiven von «alp» zu «balg» geworden sein – Ergebnis einer schnell dahingesagten Sprachschnoddrigkeit. Zwei stimmlose «p» kurz aufeinanderfolgend sprechen sich nicht besonders gut. Wer jetzt noch wissen will, welcher Obersimmentaler-Alpkäse wo und wie und bei wem zu kaufen ist und wer ihn auf welcher Alp gemacht hat, der findet alle Angaben im superschönen und reich bebilderten «z’Bärg-Buch». (gh) Ernst Roth und
Beat Straubhaar:
z’Bärg

Wege zum Alpkäse Band 1-6

www.weberverlag.ch
 
  Prättigauer Alplandschaften
Prättigauer Alpen
AutorInnen wie auch der Fotograf bemühen sich um eine Gegenwartsaufnahme der Alpwirtschaft. Dringt man weiter in den Text vor, liest man von Streitereien im Team, einsamen Hirten, Wetterumstürzen, neuen wilden Tieren, einer Prüfung der Alpwirtschaft auf Wirtschaftlichkeit und sich talwärts bewegenden Fleischpreisen. Was das Buch zu einer Ausnahme im alpwirtschaftlichen Büchermarkt macht, ist die gelungene Zusammenführung von Älplern und Sympathisanten. Während die häufigste Alpliteratur eine Umgarnung potentieller Touristen darstellt, oder seltener ein Reigen individueller Älplererlebnisse erzählt, kommen hier AutorInnen zu Wort, deren ehrliche Alpverbundenheit spürbar wird. Martin Bienerths Geschichtsschreibung des weissen Goldes oder Barbara Sulzers Annäherung an den Älpler sind Liebeserklärungen an ein Leben und Arbeiten in einer letztlich vernünftig gebliebenen Welt. Das bewegt Alpleute, Bauern und diesen zugewandte gleichermassen. (gh) Prättigauer Alpen
Zwischen Stürfis und Obersilvretta, Frömdvereina und Zanutsch
 
Bauernverein Prättigau 2004
ISBN 3-033-00175-0
CHF 49.–
www.drucki.ch
 
  Einskommazweifünf Kilo Alpen
Josef Inauen: Innerrhoder Alpkataster
Dieses dicke Werk enthält die Auflistung und Beschreibung aller Alpen im Kanton Appenzell Innerrhoden mit Angaben über Besitzer, Bewirtschafter, Gebäulichkeiten usw. Beschrieben werden auch die Bedeutung, Rahmenbedingungen, Nutzungsformen der Alpen und vieles mehr.
416 Seiten in Farbe. Da ist jeder Gaden des kleinen Halbkantons drin. Im Gegensatz zum Käsealpenkataster «z'Bärg» geht es nicht um die Vermarktung von Alpprodukten und Alplandschaften, sondern um eine akribisch aufgeführte Bestandesaufnahme der Alpen in Appenzell Innerrhoden. (gh)
Josef Inauen:
Innerrhoder Alpkataster
Die Alpwirtschaft in Appenzell I.Rh.

 
Volksfreund 2004
ISBN 3-9522456-2-3
CHF 56.–
www.dav.ch
 
  Alpi ticinese
Alpi e formaggi delle nostre montagne
Una guida completa di quasi 500 pagine degli alpeggi ticinesi (compreso qualcuno sul confine in territorio italiano) che resta insuperata nel suo genere. Ogni alpeggio è presentato nei suoi vari aspetti con interessanti dettagli sulla tipologia cesearia, i fabbricati, l'accessibilità, le mete escursionistiche i personaggi che lo gestiscono. Numerosissime fotografie di uomini, donne, animali, formaggi, fabbricati, paesaggi. Un opera che rappresenta una fotografia molto dettagliata della realtà dell'alpeggio ticinese che vale più di tante statistiche ufficiali. Peccato che la messe di dati comprende tanti elementi «volatili» (i caricatori e i casari cambiano, così come il carico animale) e che a distanza di 10 anni molte cose sono cambiate. Alpi e formaggi delle nostre montagne
 
Salvioni arti grafiche edizioni, Bellinzona 1997
ISBN 88-7967-021
CHF 65.–
www.salvioni.ch
 
  Luzerner Einsichten
Schöne Aussichten
Von Luzern kennen wir die Kappellbrücke, das KKL und den Pilatus, dass es auch noch 266 Alpen gibt, ist eher unbekannt. Der Kultur- und Wanderführer «Schöne Aussichten» lockt im handlichen Taschenbuchformat auf diese Alpen. Japaner werden nicht nur die Speicherkarte ihrer Canon füllen, sondern auch braune Flecken von Kuhfladen auf ihren Nike-Schuhen mit nach Hause nehmen. Der Führer ist weit mehr, als ein Alp- und Alpkäsevermarkter. Er zeigt schwitzende Höhengastarbeiter beim Kamera-Lachen, erzählt Geschichten und Sagen, setzt sich mit der Alpwirtschaft in Nostalgie und Entwicklung auseinander, plaudert über Wetter, Alpleben und Unkräuter. 30 Alpen sind kartografisch erfasst und laden zum Erwandern ein. Wer im Kanton Luzern z’Alp will, kann sich das jetzt vom Sofa aus nochmals überlegen, wer nicht will, wird vielleicht eines besseren belehrt und luzernisch einsichtig. (gh) Schöne Aussichten
Kultur- u. Wanderführer Luzerner Alpen

Druckerei Schüpfheim AG, Schüpfheim 2005
ISBN 3-907821-31-9
vergriffen
 
  Rohmzonne
Die Alpen im Kt. Appenzell Ausserrhoden
Ein Alpkataster, der weder trocken noch langweilig ist, sondern reines Lesevergnügen. Eugster-Kündig nimmt den kommenden Alpkatastern eine populäre, lesbare Form vorweg. Hier geht's nicht nur um Zahlen, sondern auch um Menschen, die meisten männlicher Natur. Einen davon sieht man sogar kochen, einen «Fenz», die «Rohmzonne» übernimmt dann wieder eine Frau. Aufgbaut ist der Katatster wie gewohnt: Pro Alp ein Bild, dazu die Angaben zum Eigentümer und Bewirtschafter, Bestossungszahlen, Nutzung und Fläche, ergänzt mit einem kurzen Alpbeschrieb und geschichtlichen Notizen. (gh) Hans Eugster-Kündig:
Die Alpen im Kt. Appenzell Ausserrhoden

 
Schläpfer & Co. AG, Hersisau 1993
ISBN 3-85882-083-0
vergriffen
 
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Wanderführer nach oben
  Sich verpflegen lassen
David Coulin:
Die schönsten Alpwirtschaften der Schweiz
Die Bücher zu den Alpwirtschaften mehren sich, siehe Alp- und Bergbeizliführer. Dieses Buch hat ein Format von 21 x 28,5 mm, bringt über ein Kilo auf die Waage, umfasst Alpwirtschaften in der ganzen Schweiz und passt wohl nicht mehr in jeden Leichtwander-Rucksack. Dafür machen die grosszügigen Bilder Lust auf Erkundungsjagd. Vorbereitet werden die Wandersleute mit allerhand Informationen zur Region und Alpkultur. Gluschtig machen die diversen Alpstuben, die «Hindersi»-Älplermagronen, die Schottenbäder, Wasserbüffel, vietnamesischen Schweine, der libanesische Senn und der Kampfhund. Fehlwandern kann man kaum, die Wege werden präzis beschrieben, alle nötigen Angaben und Links sind vorhanden. Man will schliesslich ankommen, das Wandern macht Hunger und man hat noch die reichhaltigen Fragen der Zaungäste mit dabei. ÄlplerInnen haltet euch bereit! gh David Coulin:
Die schönsten Alpwirtschaften der Schweiz

50 genussvolle Wanderungen zu bewirteten Alpen
 
181 Seiten, gebunden
AT Verlag, Aarau und München 2013
ISBN 978-3-03800-691-6
CHF 49.90
www.at-verlag.ch
 
Alp- und Bergbeizliführer
Alpbeizli-Führer Zentralschweiz
Bevor das Büchlein «Die 100 geheimsten Alphüttli – Hingehen, wo noch keiner war» erscheint, erscheinen die schweizweiten Alpbeizliführer, die einerseits keine ausgedörrte Bergwanderkehle vertrocknen und anderseits Zusatzbatzen in die Taschen der ÄlplerInnen kollern lassen. Nicht immer entsprechen die Beizli den Erwartungen des Touristen an eine heimeilige Alphütte, die Architekturverbrecher sind auch in den Alpen tätig. Aber das ist nicht die Schuld des Alpbeizli-Führers. Mit diesem werden alle Lokalitäten gefunden, werden Angebote und Spezialitäten hervorgehoben, findet man Kontaktpersonen und -adressen, gibt es kurze touristische Zusatzinfos zur Gegend oder zur jeweiligen Alp. Ergänzt werden die Büchlein mit einer App für Smartphones. Gut gemachte Führer für Leute, die gerne zum Essen auf einem Plastik- oder Holzstuhl sitzen und nicht auf einem Stein oder im Kuhfladen. gh Alpbeizli-Führer Zentralschweiz
Ostschweiz/Graubünden
Tessin

Zermatt
Emmental
St. Gallen, Appenzell

 
Weber Verlag, Thun 2012/2013
jeweils CHF 39.–
www.weberverlag.ch
www.alpbeizli.ch
 
  Kafi Schümli mit Kuhdunst
Ernst Roth, Beat Straubhaar: Alpbeizli-Führer
Wenn man schneller ist, muss man sich nicht beeilen. Und so sind die Berner schon immer etwas voraus gewesen. Zumindest die zwei Alpengeher Ernst Roth und Beat Straubhaar, die sechs Bände «Wege zum Alpkäse» unter ihren Schuhsohlen haben – und jetzt den «Alpbeizli-Führer» im Bauch. Auch dieses Buchkonzept «Alp als authentische Bergbeiz» wird von anderen Kantonen kopiert werden.
Vorgestellt werden 56 Alpen, bei denen man Milch und/oder Bett bekommt. Die Angaben zur Alp sind kurz gehalten, aber man findet stimmungsvolle Bilder, touristisches Angebot und Zugangskoordinaten. Alles andere ist bei Schmatz und Schwatz auf der Alp zu erfahren. (gh)
Ernst Roth, Beat Straubhaar:
Alpbeizli-Führer

Einkehren in Berner Oberländer Alpbeizli

Weber Verlag, Thun/Gwatt 2011
ISBN 978-3-909532-93-3
CHF 39.–
www.weberverlag.ch
www.alpbeizli.ch

 
  Sechzehnmal unbesucht
Leo Tuor: Settembrini, Leben und Meinungen
Wenn du ÄlplerIn bist, nützt dir das Buch als Wanderführer wenig, du bleibst besser auf der eigenen Alp. Als Geschenk ist es aber optimal: Für Freunde, die du nicht zu Besuch haben willst. Bis sie die 16 Alpen bewandert haben, ist der Sommer um. Du musst keine Skrupel haben: Sie werden reich beschenkt. Nicht nur mit Wanderrouten quer und kreuz, rauf und runter zu samt und sonders Alpen aller Arten, nein auch mit viel Information zur Alpwirtschaft im Allgemeinen, zu Handwerk, Fusswerk und Gedankenwelt der ÄlplerInnen im Speziellen. Denn dies ist das Besondere an diesem handlichen Wanderführer: Es erzählt von den Alpleuten und ihren Geschichten, nicht von Gipfeln, historischen Stätten, alpinen Sehenswürdigkeiten. Und so gesehen, schenkst du dir das Buch am Besten selber und liest auf deiner Alp, was die anderen auf gleicher Höhe so tun. (gh) Michael T. Ganz und
Marc Valance:
Alpwandern

16 Touren zu Kuh-, Ziegen- und Schafalpen im Schweizer Alpenbogen

Werdverlag, Zürich 2011
ISBN 978-3-03781-025-5
CHF 32.90
www.werdverlag.ch
 
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Belletristik nach oben
  Und über allem klebt das Leid
Heimatlose Älplerfamilie
Neun Geschwister, die Mutter tot, der Vater überfordert, das Portemonnaie leer, ein Bauernhof voller Arbeit – so beginnen die Erinnerungen der Gertrud Gasser. Was folgt, sind aneinandergereihte Schicksalsschläge, die sich wie die Perlen an der Gebetskette eines Rosenkranzes durch das Leben ziehen. Das verlangt nach Geduld, Demut und möglicherweise Gottvertrauen. Nicht ganz alles geht schief: Gertrud findet einen Mann, sie gehen auf die Alp, bekommen Kinder. Gerade bei den Schilderungen der Alperlebnisse leuchtet ein kleiner Funken Glück und Frieden auf. Zuweilen wird es sogar lustig, wenn zum Beispiel eine Kuh die Zeitung einer Touristin verschlingt oder das Kaninchen als blinder Passagier auf dem Autochassis von der Alp über Bern und Biel bis nach Hause mitfährt. Doch wer im Karma der Lebensprüfungen zappelt, für den hält das Schicksal immer noch einen weiteren Schlag bereit. Der Klang des Leids zieht sich wie eine klebrige Masse durch das ganze Buch. Als Lesender möchte man der Älplerfamilie zurufen: Lest weniger in der Bibel, vertraut mehr auf die eigenen Fähigkeiten, trickst das Schicksal aus. gh

Gertrud Gasser:
Heimatlose Älplerfamilie

gebunden, 152 Seiten mit Farbseiten
Mosaicstones, Thun 2018
ISBN 978-3-906959-31-3
CHF 26.80
www.mosaicstones.ch

 
  In den Bergen
Paolo Cognetti:
Acht Berge
Begibt man sich mit Paolo Cognetti im ersten Teil des Romans auf die Reise in die Kindheit, lässt sich durchaus nachvollziehen, dass er dafür mit dem renommierten Buchpreis Premio Strega ausgezeichnet wurde. Seine Erinnerungen an die Sommermonate in einem abgelegenen, vom Zerfall geprägten Bergdorf im Aostatal sind eine sehr berührende Annäherung an die wilde und karge alpine Landschaft am Fusse des Monte-Rosa-Massives, aber auch an die eigene Familiengeschichte und vor allem an die Freundschaft zwischen Pietro,dem schüchternen Knaben aus Mailand, und Bruno, der bereits als Junge im Dorf die Kühe hüten und später auf der Alp seines Onkels mithelfen muss.
Überzeugt der erste Teil durchwegs, so hinterlässt der Roman in der Folge einen eher schalen Geschmack. Die Freundschaft zwischen den Männern bleibt eigenartig spröde, wohl nicht zuletzt, weil die Figur von Bruno, der zutiefst mit seiner Heimat und ihren Bergen verbunden ist, zu offensichtlich ein arg konstruiertes Alter Ego von Pietro darstellt. Wenn der Autor Bruno, ohne dass dieser über einen Talbetrieb verfügen würde, die verlassene Alp seines Onkels wieder herrichten und 28 Kühe kaufen lässt, um diese von Hand zu melken – «Etwas anderes kam für ihn bei diesen empfindlichen Tieren nicht infrage [...]» (S. 184) –, dann ist das nur eine von allzu vielen Stellen, bei denen offensichtlich die Sehnsucht einer urbanen Gesellschaft nach einem archaischen und naturverbundenen Leben bedient wird; wohl auch ein wesentlicher Grund für den Erfolg des Romans. Da wirkt es geradezu wohltuend authentisch, wenn das Alp-Projekt nach wenigen Jahren an seiner Frau scheitert, da sie von der Plackerei und den Schulden genug hat und mit dem gemeinsamen Kind zu ihren Eltern zieht, auch wenn das in der Konsequenz dazu führt, dass sich Bruno sprichwörtlich für immer in seine Berge zurückzieht. an

Paolo Cognetti:
Acht Berge

gebunden, 256 Seiten
DVA, München 2017
ISBN 978-3-421-04778-6
CHF 29.90
www.randomhouse.de

 
  Vertraute Luft
Landluft
Die Autorin hat sich auf Frauenportraits spezialisiert: In «Traum Alp» über Älplerinnen, in «Bergfieber» über Hüttenwartinnen. Jetzt also Portraits von Bergbäuerinnen. Schweglers eigener Tonfall überlagert oft den der Bäuerinnen: Die Grundstimmung ähnelt sich auffallend, obwohl die Bäuerinnen ganz unterschiedliche Biografien haben. Bäuerinnen vom alten Schrot und Korn sind nur wenige dabei. Fast alle portraitierten Frauen sind gewordene, nur wenige geborene Bergbäuerinnen. Das Bild, das dabei entsteht, ist letztlich das einer romantisierten Landwirtschaft, obwohl das Buch die Klischeebilder immer wieder zu brechen versucht. Die Sterbebegleiterin, die heute auf dem Berg die Stellung hält. Die Gynäkologin, die zur Teilzeitbäuerin wurde, nachdem ihr früherer Mann sich das Leben nahm. Oder die vife achtzehnjährige Tessinerin, der man ohne jeden Zweifel zutraut, den Hof ihrer Eltern zu managen. Doch es fehlen die Kanten, die Klüfte, die echte Tiefe. sd

Daniela Schwegler, Stephan Bösch:
Landluft

Bergbäuerinnen im Porträt

256 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
Rotpunkt Verlag, Zürich 2017
ISBN 978-3-85869-752-3
CHF 39.00
www.rotpunktverlag.ch

 
  Bauernälpler schreiben anders
Vreni Müllener: «Bärgsummer» im Saanenland
Alptagebücher: Es gibt so viele davon. Selbstherrlich berichten viele Alpneulinge und Erlebnisälplerinnen von ihren heldenhaften Stunden Arbeit, stolz über die ersten schönen Käselaibe, schimpfen über uneinsichtigen Besuch und schlechtes Wetter.
Die Erzählungen von Vreni Müllener setzen dem die Souveränität, Bodenständigkeit und das Gottesvertrauen einer wahrhaften Bäuerin entgegen. Sie schildert unaufgeregt und in einer soliden Sprache, die hin und wieder Dialektmümpfeli bereithält, wie es im Alltag auf dem Mittelberg zu- und hergeht. Durch liebevolle Beschreibungen und bunte Fotos lernt man die Enkelinnen und die Familie von Alfred und Vreni, den Stubentiger Willy, aber auch eine ganze Schar «Statterkinder» kennen, die am Alpleben teilhaben und mitlernen können. Die Geschichten umfassen insgesamt fünf Bergsommer und schaffen so eine Vertrautheit mit den Personen und der Alp, die 35 Kühe und einige Ziegen umfasst.
Wer neugierig geworden ist, kann bei www.alpgeschichten.ch reinschauen. Auch dort veröffentlicht Vreni Müllener Geschichten, Einblicke und Bilder vom Mittelberg. ln

Vreni Müllener:
«Bärgsummer» im Saanenland

144 Seiten, gebunden
Müller Medien AG 2016
ISBN 978-3-907041-65-9
CHF 28.00
www.mmedien.ch

 
  Ein Buch für die Seele
Die Alm – ein Ort für die Seele
Der erste Eindruck ist: A bissel brav, dieses Buch. Eine Frau erzählt von ihren Alpsommern in Oberbayern, von der guten Luft und dem einfachen Leben, und zwischendrin stellt sie ihre Alprezepte vor. Haut einen nicht vom Melkschemel. Alles ist vier Alpsommer lang exakt so, wie man sich das wünscht: Die Hütte wird zur zweiten Heimat, die Bauernfamilie zu engen Freunden, die Nachbarsennerinnen sind genau auf der gleichen Wellenlänge, der Arbeitgeber gibt jährlich vier Monate frei, der Mann versorgt daheim Haus und Garten – und auch die Kühe sind allesamt so umgänglich wie die im Buch vorkommenden Menschen. Nebenbei ist die Frau abends noch fit genug, um Besucher zu bewirten und Alphorn zu spielen.
Wie dem auch sei: Das Buch wirkt ehrlich. Es ist kein Lifestyle-Ding, keine Selbstdarstellung, sondern eine Schilderung mit echtem Herzblut und einer Portion Bescheidenheit. Mit Fotos, die keinen «interessanten Dreh» haben, sondern einfach nur Kühe zeigen oder Käse. Oder eben Sonnenuntergang. sd

Martina Fischer, Dorothea Steinbacher :
Die Alm – ein Ort für die Seele


 
240 Seiten, gebunden
Kailash 2016
ISBN 978-3-424631-18-0
CHF 26.90
www.randomhouse.de

 
  Du bist das, was du mit dir machen lässt
Auf der Suche nach dem verlorenen Schnee
Am besten ist Leo Tuor, wenn er den widerborstigen Bergler gibt und mit wortscharfem Sackmesser den Touristen, den Behörden, den Stromherren, Tourismusfanatikern und Pfaffen an die Gurgel springt. Denn wenn einer seine Berge liebt, dann gibt er sie nicht einfach fürs Stopfen seiner Geldbörse her oder nur, weil es scheinheilige Obrigkeiten fordern. Tuors Worte sind so poetisch wie sezierend, manchmal heiter, oft bitterböse und meist erhellend. Selber im Sumvitg zu Hause, viele Jahre als Schafhirt auf der Greina und als Jäger in Cavrein unterwegs, richtet er seine Feldstecherrohre gleichermassen auf Tiere, Landschaft und Landsleute. Den erweiterten Blick holt er aus Büchern verstorbener Literaten und Philosophen, die ihm helfen im eigenen Tal nicht zu vermodern: «Ein Bergler sollte gebildet sein.» Die Erzählungen und Essays stammen aus den letzten 20 Jahren, einige wenige sind neben deutsch auf Rätoromanisch abgedruckt, Tuors Schreibsprache. Wer «Vom Schafe hüten» bereits aus dem «Handbuch Alp» kennt, kann den Text nun simultan auf Sursilvan lesen. «Ti eis tut, ti eis pastur, ti eis mazler, ti eis hetger, ti eis spindrera, ti eis cutsch, ti eis veterinari, ti eis quei che ti laias far cun tei.» gh

Leo Tuor:
Auf der Suche nach dem verlorenen Schnee

Erzählungen und Essays
 
224 Seiten, Leinen
Limmat Verlag, Zürich 2016
ISBN 978-3-85791-802-5
CHF 51.90, EUR 39.00
www.tuors.ch
www.limmatverlag.ch

 
  Von Kleinhirten am Julierpass
S’Käthi vu dar Alp Surgonda
Wenn einer in jungen Jahren als Kleinhirt auf der Alp war, vergisst er das nicht mehr. So auch Othmar Caviezel, Safranbauer und Geschichtenerzähler aus Tomils. Ob der achtjährige Toni, Hauptperson der Geschichte, sein Alter Ego ist, wissen wir als Lesende nicht, aber wie Caviezel stammt er aus Tomils und geht als Kleinhirt auf die Alp Surgonda am Julierpass. Anschaulich wird beschrieben, wie der Bub wacker seinen Hirt macht, im Alpteam unten durch muss und doch seine Freude findet, nicht zuletzt bei der Begegnung mit dem Käthi. Im zweiten Teil des Buches kommen ehemalige Alphirten von Surgonda zu Wort, die Bedeutung der Passstrasse wird erläutert, und eine kleine Alpchronologie schliesst das Büchlein ab. Gespickt sind die Texte mit historischen und aktuellen Bildern der Alp. gh

Othmar Caviezel:
S’Käthi vu dar Alp Surgonda

Eine Bündner Geschichte
 
156 Seiten, Taschenbuch
Verlag Desertina, Chur 2015
ISBN 978-3-85637-471-6
CHF 22.–
www.casanova.ch

 
  Träumen ja, schreiben nein
Wo die Riesen schlafen gehen
Wie schön, hat sich der Traum der Autorin erfüllt, endlich mal als Sennerin im Südtirol einen Sommer z’Alm zu gehen. Schliesslich kann das nicht jeder. Dasselbe gilt leider auch fürs Schreiben. Ein Tagebuch, welches auch die langweiligen Tage von A bis Z nicht auslässt, dafür jegliche Aktivität der (anstrengend vielen) Alp-besucherInnen akribisch beschreibt und schreibstiltechnisch mühsam zu lesen ist, müsste nicht sein. Alpinteressierten und -neulingen empfehle ich deshalb, nicht das Buch zu lesen, sondern die Erfahrung gleich selber zu machen. Und danach kein Buch darüber zu schreiben. Danke schön. ln

Ruth Richter:
Wo die Riesen schlafen gehen

Mein Sommer auf der Alm

 
164 Seiten, Taschenbuch
Karin Fischer Verlag, Aachen 2015
ISBN 978-3-8422-4263-0
CHF 22.90 EUR 13.80
www.karin-fischer-verlag.de

 
  Drama im Wallis
S. Corinna Bille:
Theoda
Eine verheiratete Frau findet in einem verheirateten Mann die grosse Liebe. Eine Situa­tion, die auch heute noch zum Drama führen kann – im ländlichen Wallis um 1900 ist sie undenkbar, absolut verboten. Kein Wunder, dass sich die Liebenden nur mit einem Verbrechen zu helfen wissen. Diese Geschichte endet böse, das ist von Anfang an klar. Warum sie trotzdem lesen? Weil sie wie keine andere eintaucht in die fremde Welt der Walliser Bauern und Bäuerinnen, die zwischen Tal, Berg und Alp nomadisierten. Eine flirrende, atemberaubende Schilderung aus der Sicht eines kleinen Mädchens – so genau, dass man das Gefühl nicht loswird, die Autorin sei dabei gewesen, im Alltag wie vor dem Schafott. «Theoda», 1944 erschienen, sei vielleicht ihr wichtigstes Buch geblieben, sagte S. Corinna Bille. «Als ich es schrieb, war sozusagen der ganze Fundus meiner Kindheit in mir, meine Jugend, alles.» Ja, Bille war dabei, auch wenn die Geschichte einige Jahrzehnte früher geschah. Grosse Literatur bringt solche Wunder zustande. Bettina Dyttrich

S. Corinna Bille:
Theoda

Neuübersetzung von Gabriela Zehnder
 
200 Seiten, gebunden
Rotpunktverlag, Zürich 2014
ISBN 978-3-85869-585-7
CHF 22.–, EUR 19.–
www.rotpunktverlag.ch

 
  Älplerinnen erzählen
Daniela Schwegler, Vanessa Püntener: Traum Alp
Fünfzehn Frauen auf zwölf Alpen erzählen aus ihrem Leben und Alltag auf der Alp. Obwohl sich die Arbeit oft gleicht, hat jede Älplerin ihre eigene Geschichte wie sie zur Alp gekommen ist und warum sie noch oben ist. Eindrücklich, wie die 74-jährige Schafhirtin Josi Jauch Bergbauernhof, Alp plus Kinder gemanagt hat und daneben ihren invaliden Mann 25 Jahre gepflegt oder wie Anne Krüger ihrem Gespür folgend samt Familie zwischen Alp und Bauernhof in Patagonien wechselt. Tüpfchenweise werden Ingredienzien der Alpwirtschaft wie Lohn, Wolf, Touristen usw. angesprochen, aber leider nicht ausgeführt. Die Texte werden begleitet von respektvollen Fotos, die durchs Buch geblättert die Bandbreite der Berufsschaft Älplerinnen zeigt. Überflüssig erscheinen Wandervorschläge und Rezepte, da wäre Platz gewesen für einen vertiefenden Blick in den Trendraum Alp – wie er von der Werbung umgarnt, von der Touristik, Energiewirtschaft und der Politik umgestaltet wird. gh

Daniela Schwegler, Vanessa Püntener:
Traum Alp

Älplerinnen im Porträt
 
256 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
Rotpunktverlag, Zürich 2013
ISBN 978-385869-557-4
CHF 39.50
www.rotpunktverlag.ch

 
  Blick zurück
Hans Schnyder: Abendweide
Eine kleine Zeitreise machen wir mit den Erinnerungen von Hans Schnyder, der im Kindergartenalter anfangs der Sechziger Jahre zwei Sommer mit seinem Vater und Vetter auf der Alp Aueren ob Netstal verbrachte. Manchmal etwas weit ausschweifend und dann wieder berührend detailreich nimmt uns Schnyder mit an den kargen Esstisch, unter die feuchten Hudlen der wenigen Kleider, zwischen die Arbeitsklauen seines Vaters, mit zum langwierigen Hüten auf die Weide und auch zu Momenten von Zufriedenheit. Das Buch ist keine Dokumentation, auch wenn Glarner Mundartausdrücke und Flurnamen – soweit möglich – erklärt werden. Es ist ein spannendes Zeitzeugnis (durch die Brille der Erinnerung gesehen) und man staunt, wie einfach die Älpler vor nur einem halben Leben lang gelebt haben. gh Hans Schnyder:
Abendweide

Das einfache Leben auf einer Glarner Alp
 
231 Seiten, gebunden
Verlag Baeschlin, Glarus 2013
ISBN 978-3-85546-256-8
CHF 34.00
www.baeschlin.ch
 
  Nicht unamusant, aber unnötig
Joe Rißmann und Claudia Nehm: Schäferstunden
Erlebnisberichte von Einsteiger ins Alpleben scheinen en vogue. Man kann froh sein über jedes Buch, dass geschrieben, aber nicht veröffentlicht wird. «Schäferstunden» wurde leider. Selbsterzähler ist ein Fotograf, dessen Firma pleite ging, was ihn dazu bewog, das Abenteuer seines Lebens zu wagen: die Alp. Mit dem Rüstzeug an Erfahrung von vier Schafen im heimischen Garten zieht er los auf eine Schweizer Alp mit tausend Schafen. Der geneigte Leser erfährt so einiges an «wissenswerten» Tipps: Die Schafe futtern Enziane, es wird von oben nach unten geweidet, Feuerzeuge funktionieren auf der Alp nicht, Gämsen stehen in der Schweiz unter Artenschutz und dürften nicht gejagt werden. Ärgerlich neben den Falschaussagen sind die völlig unecht verdialekten Reden der schweizerdeutschen Bauern oder dass Hunde, Tochter, Alpmeister alle einen Namen haben, nur die Freundin, die er schweren Herzens für die Alpzeit verlassen musste, heisst bis weit ins Buch nur Freundin. Nicht unamusant das Ganze, aber unnötig auf jeden Fall. gh Joe Rißmann und Claudia Nehm:
Schäferstunden

Mein Leben als Hirte auf der Alp
 
206 Seiten, gebunden
Lübbe Verlag, Köln 2013
ISBN 978-3-7857-2474-3
CHF 24.50
vergriffen, als ebook erhältlich
 
  Knowhow aus Austria
Tobias Micke: Mistviecher
Tobias Micke, Journalist und Stadtmensch, verspürte den Drang, auf einer «Alm» den Draht zur Natur und sich selbst zu finden und arbeitete deshalb drei Sommer lang als Hirte auf einer Kuhalp in Kärnten. Er schreibt frisch von der Leber weg, wie er seine Hirtstelle gefunden hat, wie man eine Kuh von Hand richtig melkt, was ihm über den Einsamkeitskoller hinweg geholfen hat, wie ein österreichischer Älpler kocht und welche Experimente er beim Käsen weiterempfehlen kann. Es mag uns seltsam anmuten, dass man in Österreich morgens mit dem Fahrrad zu seiner Herde radelt, aber Micke scheint sich in seinen drei Jahren Alp einiges Knowhow zugelegt zu haben. Seine «Hirtentipps» jeweils am Ende jeden Kapitels sind dementsprechend ernst zu nehmen, auch wenn die Selbstironie durch die Seiten pflüttert wie frische Fladen ab der Kuh. Das Buch wendet sich in erster Linie an Neugierige und Alpneulinge. Doch auch erfahrenen Hirten kann dieser Ratgeber durchaus positiv auf die Lachmuskulatur wirken. ln Tobias Micke:
Mistviecher

Wie ich ausstieg, um Kühe zu hüten
 
253 Seiten, Taschenbuch
Droemer Knaur, München 2012
CHF 14.90
ISBN 978-3-426-78551-5
vergriffen
 
  z’Alm gehen
Karin Michalke: Auch unter Kühen gibt es Zicken
Lassen wir mal den Titel beiseite und reden wir schon gar nicht über den Untertitel, ausser mit einem Satz: Wer das wahre Leben kennt und sogar in Worte fassen kann, dem misstraue ich, auch wenn es eine Frau ist, und vor allem, wenn sie noch so übertrieben glückselig vom Cover lächelt. Damit aber hat sich meine Kritik. Ich habs gern gelesen, wie sich Michalke auf ihrer ersten Alm sperrig der Hütte, den Bauern, den Tieren nähert und wie sie sich von ihrer anfänglichen Ungeschicklichkeit zur «wahrhaften» Sennerin mausert. Sie schreibt präzise, geradlinig und mit viel Selbstironie, das ist erheiternd, unterhaltend und manchmal sogar lehrreich fürs eigene Leben. Wer das z’Alm gehen besser bleiben lässt – weil er dort nicht hinpasst –, aber trotzdem Bergluft schnuppern will, ist mit der Lektüre gut bedient. gh Karin Michalke:
Auch unter Kühen gibt es Zicken

Das wahre Leben auf der Alm
 
272 Seiten, gebunden
mit einigen Bildern und Rezepten
Piper Verlag, München 2012
ISBN 978-3-89029-413-1
CHF 28.90
www.piper.de
 
  Schafhirt auf der Greina
Leo Tuor: Giacumbert Nau
Eine Schäferidylle ist Leo Tuors Buch nur für kurze Momente. Sein Giacumbert Nau erfreut sich zwar an den Prozessionen der Schafe, verhöhnt aber jene der Menschen. Tours Buch ist sinnliche Brachialpoesie in rätoromanisch und deutsch über das Leben eines Schafhirten auf der Greina. Giacumbert lässt seine Galle erzählen von den falschen Herren, von den falschen Pfaffen, von den falschen Bauern, von der heimtückisch wahrhaftigen Greina, von den Schafen, die Perlenschnüren gleich entlang den Hängen ziehn, von zu lauten Munggen. Durch die Hütte ziehen Nebel und stieben Schneeflocken, da bringt Albertina Feuer und Gerüche aus einer anderen Welt, und die Schafe ziehen weiter ihre Schnüre... Ein Klassiker der rätoromanischen Bergliteratur, erstmals erschienen 1998 im Octopus Verlag. gh Leo Tuor:
Giacumbert Nau

Bemerkungen zu seinem Leben
rätoromanisch und deutsch
 
Limmat Verlag, Zürich 2012
gebunden
ISBN 978-3-85791-679-3
CHF 38.50
www.limmatverlag.ch
 
  Am einen Ort
Nicola Reiter: Firn
An einem eng umgrenzten Ort kann man Ordnung in seinem Leben schaffen. Nicola Reiter verbringt acht Wochen auf einer Schweizer Berghütte, zusammen mit dem Hüttenwart Pius. Reiter schreibt Tagebuch, fotografiert täglich vom selben Standort die Aussicht (meistens grau) und erstellt eine akribische Liste aller Hütteninnereien. Ab Tag neun notiert sie neben Wetter und Anzahl Gästen auch den Countdown bis zur Heimreise. Ihre Auseinandersetzung mit sich selber, mit Pius und den Gästen, liest sich unerwartet spannend. Gerade weil nicht viel passiert, bekommen alltägliche Dinge wie ein Telefonat mit dem sich entfernenden Freund in Dubai, der Wetterbericht oder das Drücken des falschen Knopfes beim Fernseher ihre Bedeutung. Ein schmuckes Stück Buch, ein Geheimtipp. gh Nicola Reiter:
Firn

Aufzeichnungen am Gletscher
 
256 Seiten, mit SW-Fotos
gebunden, Lesebändchen
Spector Books, Leipzig 2012
ISBN 978-3-940064-38-7
CHF 37.90
www.spectorbooks.com
 
  Experiment Alp
Daniela Nuber: Mein Almsommer
Die Alp gehört heute als Event zur eigenen Biografie: «Das musst du mal gemacht haben, so einen Alpsommer...» Die Kulturwirtschafterin Daniela Nuber zieht gemäss ihrem inneren Antrieb aus der Stadt auf eine Österreicher Alm, erlebt, was wir alle auch erlebten beim ersten Mal: Es kann hart sein und es kann schön sein. In einem mit Tipps und Erfahrungen erweiterten Tagebuch beschreibt sie ihre Gefühle und Erlebnisse mit den Tieren, den Nachbarälplerinnen, der Hütte, der Küche, der Aussicht und der Reinigung in mancherlei Hinsicht. Das ist angenehm zu lesen und wird mit vielen Bildern unterhaltsam dargeboten. Eine hilfreiche Lektüre für Alpneulinge, die es noch gar nicht sind. (gh) Daniela Nuber:
Mein Almsommer

Von der Stadt in Berge
 
Ulmer Verlag, Stuttgart 2012
ISBN 978-3-8001-7795-0
CHF 35.40 | EUR19.90
www.ulmer.de
http://almsommer.wordpress.com/
 
  100% authentisch
Pia Solèr: Die Weite fühlen
Pia’s Zauber spricht aus jeder ihrer Zeilen. Eine Wanderin zwischen den Welten. Nicht nur den realen, sondern auch denen jenseits des Schleiers, den geistigen.
Sie gewährt uns Einblicke in die abenteuerliche Welt einer «echten» Älplerin, in ihre Gefühle, Gedanken und sogar ein wenig in ihre Seele.
IHR LEBEN, kompromisslos und echt, geerdet und mit sich im reinen.
Wer könnte das schon von sich behaupten? (Johanna Glas)
Ein kurzes Interview und eine Lesung ist zu hören unter:
www.br-online.de oder downloadbar: Das offene Buch, Pia Soler.
Pia Solèr:
Die Weite fühlen

 
weissbooks Verlag, Frankfurt am Main, 2011
ISBN 3-86337-009-0
CHF 21.90 EUR 15.–
www.weissbooks.com
 
  Menschen am Berg
Menschen am Berg
Acht Geschichten und Reportagen über Menschen, die am Berg leben oder eine Beziehung zu den Bergen haben, darunter ein Portrait der Älplerfamilie Wehrli aus dem Jura: «Die Tiere und der Berg brauchen uns. Es ist ja sonst keiner da.» Exakte Beobachtungen von Menschen am Berg, die von ihm gefangen, begeistert oder einfach mit ihm unumstösslich verbunden sind. Ein hübsches Stück Buch, ein manchmal wehtuend melancholisches Stück Literatur, eine schlussendlich persönliche Annäherung der Autorin an den Berg, den sie in der Kindheit verabscheut hat.
Eigentlich müsste das schief gehen, wenn eine Städterin in die Berge zieht um Menschenleben schriftlich zu fixieren. Da müsste es kitschig, heimelig und donnergrollend werden. Aber Melanie Mühl recherchiert die Fakten und schmückt ihre Geschichten mit teilnehmenden Respekt vor den Menschen, die ihr schlussendlich doch fremd bleiben. Unsere Buchempfehlung. (gh)
Melanie Mühl:
Menschen am Berg


Nagel & Kimche, Zürich 2010
ISBN 978-3-312-00453-9
CHF 26.90
 
  Im Fadenkreuz
Leo Tuor: Settembrini, Leben und Meinungen
Die Jäger waren mir als Älpler nie besonders lieb, machen sich in der Hütte breit, tun einem mit Bier schön, um dann zu sagen, wo man mit dem Vieh weiden soll, feldstechern einem am Tage bis ans stille Örtchen nach. «Settembrini» ist ein Buch über die Jäger, über die Jagd, über das Töten und Entschwinden. Etwas genauer über die Zwilingsonkel von Leo Tuor, die unstandesgemäss ihren Homer gelesen haben und ihrem Neffen das Jagen und Schiessen beibringen als sei es die Essenz des Lebens. Ein Buch voll treffsicherer Weisheiten mit Schüssen schelmischen Augenzwinkerns. Rauh, bissig, närrische, träff.
Kostprobe: «Jäger und Hirt seien in ihren tiefsten Innern Heiden etwa gleichen Kalibers (...). Für beide sei das Kreuz eine rein praktische Einrichtung. Dem Jäger ein Faden linksrechts und einer von oben nach unten, im Schnittpunkt ein Tier. Dem Hirten eine senkrechte Holzlatte zum Ableiten des Blitzes und eine waagrechte zum Aufhängen der Hosen.» Nicht das mir jetzt die Jäger symphatischer wären, aber nun habe ich ein Buch, dass ich ihnen schenken kann, in der Hoffnung, sie werden mitlachen. (gh)

Leo Tuor: Settembrini
Leben und Meinungen
 
Limmatverlag, Zürich 2011
ISBN 978-3-85791-624-3
CHF 38.–
www.limmatverlag.ch

 
  Siebenmal Sommer und siebenmal Winter
Paul Bänziger: Die Sommer und Winter der Sontga Margriata
Die Sontga Margriata ist eine jener Sagengestalten, die als Junge verkleidet auf einer Alp arbeitet und im siebten Sommer vom Handbub als Frau erkannt wird. Der Bub widersteht allen Versprechungen Sontgas zu Glück und Wohlhaben, falls er das Geheimnis wahre. Er jedoch beharrt darauf, es dem Senn zu erzählen. So verlässt Sontga Margriata die Alp und zurück bleiben Geröll und Gletscher.
Ausgehend von der Sage erzählt Paul Bänziger die Geschichte neu. Sieben Sommer steigt Ingy Agni, ein Zwischenwesen, eine Diale, auf die Blumenalp. Den Winter verbingt sie mit mythischen Gestalten in einer Zwischenwelt. Als Zusenn hält Ingy schützend ihr Hand über Vieh, Alp und Käse. Auf die MitälplerInnen wirkt sie verwirrend und erotisch, oft auch philosophisch erhellend. Die wiederkehrenden Sommer nimmt Bänziger zum Anlass, den menschlichen Fortschrittsglauben exemplarisch auf dem kleinen Platz Alp aufzuzeigen. Fegt Unwetter die Alpgebäude weg, tauchen alsbald Baumaschinen auf. Dabei bleibt wenig Raum für feinstoffliche Wesen. Ingy selber versucht sich in der vorgeschriebenen Sage zurecht zu finden, ist sich ungewiss, ob sie Sontga Margriata ist oder ihr nur gleicht. Die Geschichte ist spannend zu lesen, man taucht in den Kosmos der mythischen Welt ein, ohne dass es zu esoterisch wird. Schön, wie ÄlplerInnen und BäuerInnen erheiternd beschrieben sind. (gh)
Paul Bänziger:
Die Sommer und Winter der Sontga Margriata


IKOS-Verlag, Theilingen 2002, geb., 448 Seiten
CHF 39.–
ISBN 3-906473-17-1
 
  Garantiert nicht romantisiert
Arno Camenisch: Sez Ner
Wer einen fliessenden Alproman ohne Ecken und Kanten erwartet, wird mit «Sez Ner» von Arno Camenisch nicht glücklich werden. Wer sich allerdings einlässt auf die eindringliche Wirklichkeit dieser Alpzeit in der Surselva, findet Gedankenfetzen die vorüberschweben, Erinnerungssplitter die weh tun oder Tagesrückblicke die Schmunzeln auslösen. Überrollten mich Düsternis und Lieblosigkeit beim Lesen, liess ich meine Augen schweifen und genoss den zu drei Vierteln unverständlichen romanischen Text auf der linken Seite.
Ein guter Einstieg in den «Sez Ner» ist der Besuch einer Autorenlesung. Camenischs sonore Stimme, in Rumantsch und verschweizertem Deutsch, tröstet über die garantiert nicht romantisierte Atmosphäre auf der Alp hinweg und löst Neugierde aus. Wie geht’s wohl weiter mit der Nachbarhirtin, die ihren Hund zum kastrieren gebracht hatte und dem Zusennen, der dem sennenden Grobian entflieht und mit ihr die Alpliebe geniesst? Gibt’s noch mehr Lebensweisheiten vom alten Linus, wird die Antenne bis zuletzt halten, und wieso flicken sie die Karette nicht? Wehrt sich der geplagte Schweinehirte endlich und behält der Kuhhirte den Weitblick trotz endloser Arbeit? Ich fische links und rechts lesend nach Kuhnamen, versuche mich an rätoromanischer Aussprache und suche Stellen zum einhaken und wohlig fühlen, weil es doch auch so schön sein kann. (eh)

Arno Camenisch:
Sez Ner

 
Urs Engeler Editor, 2009
CHF 36.–
ISBN 978-3-938767-63-4
www.arnocamenisch.ch
www.engeler.de

 
  Am Schluss sind alle tot
Charles Ferdinand Ramuz: Die grosse Angst in den Bergen
Zwanzig Jahre nach einem schrecklichen Unglück beschliessen die Einwohner eines Dorfs im Wallis, ihr Vieh wieder auf die Alp Sasseneire hinaufzuschicken. Dort bahnt sich bald neues Unheil an: Eine Seuche bricht aus, die Sennen sind zu strikter Quarantäne gezwungen, einer nach dem andern erliegt der Angst oder verfällt dem Wahnsinn. Mit unheimlicher Magie erfasst dieser 1926 erstmals publizierte grosse Bergroman seine Leser.
«Besonders ist auch das poetisch dichte Erzählen: gleich einem rasch geschnittenen Film ziehen die Bilder und Momentaufnahmen vom Untergang eines Bergdorfes vorbei, durch eine geschickte Zeitstruktur, in der die Vergangenheitsform immer wieder vom Präsens unterwandert wird, suggeriert der Text Kamerawechsel, Beschreibungen lesen sich wie Drehbuchanweisungen. Ein Erzählen, das streckenweise schwindlig macht.» (Katrin Schumacher, Deutschlandradio Kultur, 21.10.09)

Charles Ferdinand Ramuz:
Die grosse Angst in den Bergen

 
Kollektion Nagel & Kimche im Carl Hanser Verlag, München 2009
CHF 31.90
ISBN 978-3-312-00445-4
www.hanser-literaturverlage.de

 
  Alpen, sömmern und der ganze Rest
Ute Braun: Alpsommer
«Wenigstens noch hundert Jahre!» möchte Ute Braun als Hirtin auf der Alp verbringen. Seit über 20 Jahren zieht es sie aus ihrem «normalen» Leben als Heilpraktikerin, den Sommer über in die Schweizer Berge. In ihrem Buch nimmt sie uns mit auf «ihre» Alp und lässt uns teilhaben an dieser bodenständigen Welt voller Farben, Gerüche, Düfte, Licht und Leben, aber auch an der harten und oft mühseligen Arbeit und den Anfällen von Einsamkeit.
Doch für diese Frau ist gegen alle Unbilden ein Kraut gewachsen. Sie meistert jede Aufgabe mit Hingabe und Humor, öffnet ihr Herz für Gott und die Welt und lässt uns teilhaben am Glück des ursprünglichen Lebens. Bildhaft erzählt sie uns über den erlernten Umgang mit dem Vieh, gefolgt vom teils schmerzlichen Abschied im Herbst, der Schönheit eines sternenübersäten Himmels und den alltäglichen Überraschungen eines Alpsommers. Ein aufrichtiger Bericht – ganz nah an den Realitäten des Lebens und dennoch mit viel Platz für Sinnlichkeit und Fantasie. (Ruth Oberhollenzer)
Ute Braun:
Alpsommer

Mein neues Leben als Hirtin
 
Ehrenwirth/Lübbe Verlag, 2008, geb., 255 Seiten
CHF 34.90
ISBN 978-3-431-03742-5
www.luebbe.de
www.utebraun.de
 
  Diesmal erzählt das Vreneli
Tim Krohn: Vrenelis Gärtli
Das Vreneli ist nicht wie andere Kinder. Schon über seine Eltern kursieren im Tal die seltsamsten Gerüchte, und als die Mutter früh stirbt, heisst es, der Vater habe mit bösen Mächten paktiert. Das Vreneli soll fort von ihm und auf die Schule, doch lernt es lieber das zwielichtige Handwerk des Zauberns und streicht in Gestalt eines roten Füchsleins über die zerklüfteten Berge und Gletscher. Nachdem es die Tochter eines reichen Fabrikanten aus der Gefangenschaft eines Hexers gerettet hat, verfolgt der es mit Wut und Ausdauer. Bald darauf trifft das Vreneli den Waisenknaben Melk, einen jungen Sennen, ein Quatemberkind wie sie — und spürt ein Sehnen, das sie bis dahin nicht gekannt hat. Doch bringt der Fluch des Hexers auch den Melk in Gefahr… Tim Krohn:
Vrenelis Gärtli

 
Eichborn Verlag, Frankfurt 2007
Hardcover
ISBN 978-3-8218-0774-4
CHF 39.90
www.eichborn.de
 
  Granitschädel und Luchstatzen
Urs Mannhart: Luchs
In den Berner Oberländer Bergtälern werden erbitterte Fehden ausgetragen, die quer durch ganze Dörfer, Sippschaften, Familien gehen. Jäger und Schafhalter gegen Naturschützer und Stadtromantiker stehen als Prototypen für die verfeindeten Lager. Ein Wilderer schickt die vier abgehackten, blutigen Pfoten eines Luchses ans zuständige Bundesamt. Die Boulevardmedien heizen die Stimmung an. Julius Leen, dreadlockstragender Zivi im Luchsprojekt, gerät zwischen sämtliche Fronten. Nicht nur die Stumpen der Granitschädel rauchen. Eine unheilvolle Bierwette führt zu einem Wettjagen.
Granitschädel, Linke und Nette, gewilderte Luchse und Wissenschaftler begegnen sich in der Beiz und am Berg, werden von konträren Ideologien und Lebensformen gelenkt und bilden damit spannenden Stoff zu dieser vielseitigen, erhellenden und anheimelnden Geschichte über die wiederangesiedelten Luchse in der Schweiz. (gh)
Urs Mannhart:
Luchs

 
Bilger Verlag, Zürich 2005
gebunden
ISBN 978-3-908-01070-8
CHF 37.–
www.bilgerverlag.ch
 
  Wenn die Toten lenken
Urs Augstburger: Graatzug
Nach dem Lesen schnaufe ich auf. Toll, habe ich jetzt gerade ein Buch gelesen oder einen Film geschaut? Die Kino-im-Kopf-Bilder hallen noch durch meine Hirngänge, dort wo der Lese-Projektor hockt. Augstburger bestsellert mit einem episch angelegten und hippen «Heimatroman» über die Insassen eines Walliser Bergdorfes. Alles ist in der Geschichte verpackt: Liebe und Tod, Eifersucht und Rache, Familie und Fehde, alte Mythen und späte Rache, runterpolternde Steinmassen, Rettung in letzter Minute, Versöhnung – dies hübsch gewürzt mit Splittern unverständlichen Wallisertiitsch. Dazu lernen wir Historisches über die Suonen, den Merkhammer, die Arbeitsbedingungen im Stauwerkstollen, den ewigwährenden Fortschrittsglauben und die Ausweglosigkeit als Mensch vorwärts zu kommen. Fein, dass uns hier die Natur und die Toten etwas helfen. Wie auch Kauers «Spätholz» ein Buch, dass man lesen darf, soll und muss. (gh) Urs Augstburger:
Graatzug

 
bilgerverlag Zürich 2007
schön gebunden
ISBN 978-3-908010-84-5
CHF 39.–
www.bilgerverlag.ch
 
  Der Kraxel entlang
Sepp Kahn: Almtagebuch
Der JägerDer Älpler
Sepp Kahn:
Almtagebuch

Heiteres und Kritisches zu Almleben, EU und Weltgeschehen. handgeschreiben
 
Berenkamp, 2004 |
ISBN 978-3-85093-176-2
ca. Fr. 19.–
 
  Unentbehrlich wie Salz
Jörg Wäspi: flucht und heimat
Wenn Jörg Wäspi Feder, Schreibmaschine, Laptop oder Kugelschreiber zur Hand nimmt und Erinnerungen durch seine Finger fliessen lässt, entsteht Poesie, die in Worte fasst, was wir immer schon mal ausdrücken können wollten. Wovon wir in Tagträumen schwadronieren, was uns das Herz zum überlaufen bringt oder wie es sich frierend zurückzieht, er fängt es gewandt ein. Vom Salz des Lebens schreibt er, sei’s zuviel, zuwenig oder genau richtig; und wie Salz sprenkelt er seine Gedanken über die Seiten des kleinen Bändchens, auf dass wir unsern Morgenkaffee, eine kurze Pause, die Momente vor dem Einschlafen oder den winterlichen Alpsehnsuchtsanfall mit seinen Gedichten über Mensch, Tier, Berg, Stadt, Leben und Liebe würzen. (eh) Jörg Wäspi:
flucht und heimat

 
zalpverlag Mollis 2007 | 57 Gedichte, einige Bilder, ein Lesebändchen
Fr. 29.–
www.zalpverlag.ch
 
  Ein zartes, feines Buch
Schlepping durch die Alpen
Der jüdische Journalist Sam Apple begegnet in New York einem österreichischen Wanderschäfer, der jiddische Lieder singt, zum einen vor Publikum, zum anderen seinen sechshundert Schafen. Er beschliesst Hans Breuer auf der Winterweide und der Alp zu begleiten, um mehr über ihn zu erfahren. Sam Apple möchte zudem seinen jüdischen Wurzeln nachgehen und herausfinden, wie die österreichische Gesellschaft ihre Judenfeindlichkeit während des zweiten Weltkriegs verarbeitet hat.
Auf der Alp findet Sam Apple keine Idylle. Er hat die falschen Schuhe und ungenügende Muskeln mit. Zudem hatte er sich nicht vorgestellt, dass ein Berg steil sein kann und das Wetter oben unfreundlicher als im Central Park. Die Schafe machen nicht, was sie machen sollen und Sam hat Angst, von den Hirtenhunden die Tollwut zu kriegen. Hans Breuer singt zwar seinen Schafen jiddische Lieder vor, streitet sich aber heftig mit seiner Frau und bleibt Sam weiterhin ein Rätsel mit lückenhaftem Lösungswort. Die angetroffenen Österreicher zeigen sich ihm weitgehend judenfeindlich und wollen lieber nicht auf ihre Vergangenheit angesprochen werden.
Sam Apples Bericht ist sehr persönlich gehalten, er ist sich selber immer wieder unangenehm im Wege und versteht die Welt, die er beschreiben will, nur zaghaft. Das ist schön zu lesen. (gh)
Sam Apple:
Schlepping durch die Alpen

Ein etwas anderes Reisebuch
 
Atrium Verlag, Zürich 2007
gebunden
ISBN 978-3-85535-00-1
CHF 34.90
www.atrium-verlag.com
 
  Ein Heimatroman!
Tim Krohn: Quatemberkinder
Liegts ächt an der Gattung, dass der neueste Roman des Präsidenten des Schweizerischen Schriftstellerverbandes, Tim Krohn, bisher eher wenig Resonanz fand? An der Geschichte jedenfalls kanns nicht liegen, die hat das Zeug für einen veritablen Bestseller, ist eingängig und hintergründig, spannend und witzig – schlicht hinreissend. In Quatemberkinder lässt uns der im Glarnerland aufgewachsene Autor in eine Welt voller Zauber und Mythen eintauchen, greift auf Sagen und Geschichten zurück und schreibt sie neu – in einer mit den gspässigsten Mundartausdrücken durchsetzten Sprache, dass es eine meineidige Freud ist. Der Autor hat Dutzende bekannte und weniger bekannte Alpensagen ausgegraben und ihnen für diesen Roman das Fleisch an die Knochen zurückgezaubert. Der Rezensent ist ansonsten nicht der Meinung, dass unser heutiges Alppersonal auf den qualitätsgesicherten Alpen zwischen dem Melken, vor dem Auspladen oder auf der Weid unbedingt vom Alpen und nichts anderem sollte lesen, möchte aber bezüglich der Quatemberkinder eine unbedingte Empfehlung aussprechen. (Christian Brassel) Tim Krohn:
Quatemberkinder

und wie das Vreneli die Gletscher brünnen macht
 
Eichborn Verlag, Frankfurt 2002
Paperback
ISBN 978-3-8218-0703-4
CHF 29.50
www.eichborn.de
 
  Fast alles andere bleibt Wiederholung
Jean-Pierre Rochat: Hirt ohne Sterne

«Wir Hirten sind nicht besser als die anderen, aber wir flüchten in die richtige Richtung ...» DAS Buch für und über das z’Alp-gehen. Fast alles andere bleibt Wiederholung.
Rochat beschreibt seinen ersten Sommer 1971 auf einer Rinderalp im Jura und behandelt alle Themen rund ums Hirtendasein. Angefangen bei den täglichen Verrichtungen, seziert er die Bauern, sinniert über die Vorzüge einer Alpgenossenschaft gegenüber privaten Alpen, erzählt vom Besuch, der keine Lebensmittel mitbringt und die Speisekammer plündert, lästert über die KB, über die Touristen und, und, und. Alles kurz und bündig, ein Satz und Punkt. Geschrieben in einer Sprache, die begeistert und es schwer macht das Buch zur Seite zu legen. Man erkennt sich wieder von der ersten Seite an. Hervorragend geeignet, um es einem Alpneuling am Ende seines ersten Sommers zu überreichen und nach dem Lesen zu fragen: «Und ?!» (Michael Jocher)

Jean-Pierre Rochat:
Hirt ohne Sterne

 
Zytglogge Verlag, Oberhofen 1986
ISBN 978-3-7296-0233-5
CHF 28.–
www.zytglogge.ch
 
  Das abenteuerliche Leben eines Älplers
Michel-Joseph Braillard: L'Armailli aventurier
Für einmal kein Buch über, sondern von einem Älpler. Michel-Joseph Braillard, Spross einer seit Jahrhunderten im Greyerzerland heimischen Bauernfamilie, hat das Älplerleben quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Auch heute noch, im fortgeschrittenerem Alter von 66 Jahren, geht er z'Alp. Dazwischen aber hat er viel von der Welt gesehen. In einer einfachen, aber bilderreichen Sprache erzählt er von seiner bäuerlichen Herkunft, seinem beruflichen Werdegang als Viehzuchtexperte und seinen ersten Versuchen mit der Mutterkuhhaltung und als Produzent von Natura Beef im Zürcher Unterland. Im Mittelpunkt steht der langjährige Aufenthalt in der Dominikanischen Republik, wo er zusammen mit seiner Familie mit viel Improvisations- und Innovationswillen gegen grosse, manchmal gar lebensgefährliche Widerstände eine etwas heruntergekommene Hazienda wieder auf den Vordermann bringt. Französische Ausgabe. (an) Michel-Joseph Braillard:
L'Armailli aventurier

 
Les editions de l'Aire, Vevey 2010
ISBN 978-2-88108-916-9
CHF 30.–
www.editions-aire.ch
 
  Estive
Blaise Hofmann: Estive
«Que fait un tropeau lorsqu'il est formé? Il se déforme. Il faut le reformer. Je pense beaucoup à toi. Sisyphe.» Estive est un récit où l’auteur romance un été de berger en charge d'un troupeau de moutons. Ce carnet de route dans une vallée alpine fait partager au lecteur, tout au long de recontres inattendues, d'images poétiques et de réflexions philosophiques, le quotidien difficile des paysans et des bergers. Le livre n'est pas seulement un témoignage mais un «récit d’apprentissage».
Ce texte à l'écritue fragmentée, incisive et ironique, interpelle autant la dysneylandisation des Alpes que l'aspect devenu exotique des métiers ruraux de montagne. (Klappentext)
Blaise Hofmann:
Estive

 
Editions Zoe 2007
ISBN 978-2-88182-592-7
CHF 28.00
www.editionszoe.ch
www.blaisehofmann.com
 
  Der reiche Klang des einfachen Lebens
Christian Signol: 
Marie des Brebis

Inmitten einer traumhaften Landschaft, an der Grenze zur Dordogne, wurde Marie des Brebis als Säugling von einem Schäfer unter einem Wacholderbusch gefunden. Die Natur war von Anfang an ihr Lehrmeister, der sie in die Weisheiten des Lebens einweihte. Voller Hingabe hat Marie für ihr kleines Glück gearbeitet. Und obwohl sie manch schwere Zeit überstehen musste, hat sie das Vertrauen in das Schicksal und in einen Sinn auch der schweren Erfahrungen des Lebens nie verloren. Der Verlust ihres ersten Kindes, die harte Arbeit ihres Mannes im Steinbruch, die ihn schließlich seine Gesundheit kostete, die Angst um den Sohn, der sich im Zweiten Weltkrieg den Widerstandskämpfern anschloss, das schwere Los der geliebten Tochter im fernen Paris – Marie des Brebis hat es verstanden, aus all diesen Prüfungen ungebrochen hervorzugehen und Kraft zu schöpfen aus der Liebe zu allen Dingen und zur Natur. Klappentext

Christian Signol:
Marie des Brebis

Der reiche Klang des einfachen Lebens. Eine Biografie
 
Gebunden, 192 Seiten
Urachhaus, 18. Auflage 2018
ISBN 978-3-8251-7580-1
CHF 24.90
www.urachhaus.de
 
  Direkt aus dem Leben
Johanna Glas: Alpfieber
Die Alp, ein Tummelplatz für Egoisten und Naturschwärmer mit Integrationsproblemen? Worin unterscheiden wir uns so gross vom normalen Arbeiter, wenn wir da oben von sehr früh bis spät schuften, um es schliesslich als angenehm zu empfinden, frühzeitig ins Bett zu fallen und gegebenenfalls noch frühzeitiger mit schmerzenden Händen wieder zu erwachen?
Alpfieber ist der richtige Titel für das Buch. Fieber ist ein Krankheitssymptom, das die eigene Abwehr in Hochleistung darstellt. Johanna Glas hat ihren Lebensbericht eindrücklich und ehrlich geschrieben, soweit sich das von jemandem sagen lässt, den man nicht kennt und nie gesehen hat. Ich habe das Buch schier verschlungen und dabei meine eigenen sechs Alpsommer wiedererlebt, mit aller Schönheit, aller Härte, aller Verklärtheit und allen Wiedersprüchlichkeiten, die mit einem solchen Leben am Rande unserer Natur verbunden sind.

Johanna Glas:
Alpfieber

Eine Frau aus der Grossstadt wird Hirtin in den Bergen
 
Scherz Verlag 2001
ISBN 978-3502182719
vergriffen

 
  Palavern
Der Senn ist der Käser und der Chef
– Ich werde im Dorf immer als Original angeschaut. Ich weiss nicht wieso. Wie der neue Wirt war, unten im Dorf, und ich komme von Batänja im Mai eingekehrt – er kommt her, gibt mir die Hand und sagt: Du bist ganz bestimmt der Luzi. Ja sage ich, warum? Ach, du bist doch das Dorforiginal, und lacht. Von dir haben wir gehört, lange bevor du von Batänja heruntergekommen bist.
– Ist das ein schönes Gefühl, Original zu sein?
– Ja, es ist irgendwie lustig, wenn dich jeder kennt. Jeder sagt: Tschau Luzi – tschau! Manchmal, da habe ich ganze Herden von Kindern hinter mir. Alle wollen Luzi sein. Weiss nicht warum. Ich gebe mich nicht extra ab – so.
Ein Älpler palavert drauflos, dass es einem die Ohren ins Buch zieht.
Heinrich J. Middendorf:
Der Senn ist der Käser und der Chef

 
Hammer Verlag Edition Trickster, Wuppertal 1996 | ISBN 978-3-87294-720-8
vergriffen
 
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Foto/Bildbände nach oben
  Dietro quel pezzetto di formaggio
Volti dell’alpe
C’è un mondo intero, sull’alpe: donne e uomini, giovani e anziani che stagione dopo stagione si recano in alta montagna con le greggi per produrre un formaggio unico e particolare. Con grandi sacrifici, ma carichi di altrettanta passione. Abbiamo attraversato la Svizzera italiana in lungo e in largo per incontrarli. Scoprendo esistenze, ricordi, speranze di persone generose e tenaci. Il risultato di questo viaggio è un racconto collettivo fatto di parole e immagini. 66 incontri, 113 fotografie e un reportage radiofonico che dipingono tutti gli aspetti di questo straordinario mondo. E ci permettono di capire cosa c’è realmente dietro a quel pezzetto di formaggio che abbiamo il piacere di degustare. Comunicato stampa

Renato Bontognali, Lorenzo Erroi, Lara Montagna, Ely Riva:
Volti dell’alpe

 
Hardcover, 304 Seiten
Salvioni Edizioni, Bellinzona 2018
ISBN 978-88-7967-396-9
CHF 40.00
www.salvioni.ch

 
  225 Seiten Bild, 25 Seiten Text
Mauro Gambicorti, Anja Salzer:
Über Gletscher und Grenzen
Die im Buch vorgestellten fünf Viehtriebe gehen allesamt von Südtirol aus über die Grenze in die Schweiz und nach Österreich. Der Fotograf Mauro Gambicorti begleitet seit gut zwanzig Jahren Herden und Treiber-Innen auf ihren Wegen zu den Weiden. Aus seinen ruhigen Bildern spricht die Erfahrung, sein Respekt vor der Arbeit und den Traditionen ist durchgängig spürbar. Nicht einmal eine Bildlegende lenkt vom Bild ab. Gambicorti ist nicht am heutig rasenden Fotojournalismus interessiert, am Lechzen nach Likes. Ihm scheint es um das Dokumentieren einer Lebensart zu gehen, die möglicherweise durch die industrielle Landwirtschaft langsam und heimlich verschwindet.
Eingeführt wird das Buch mit einem Text der Geografin und Kultur-anthropologin Anja Salzer, die der Transhumanz die Flüchtlingsbewegungen aufgrund von Kriegen, Unterdrückung und Naturkatastrophen gegenüberstellt. Menschen auf der Suche nach neuen Weidegründen. Sie wirft zudem einen Blick auf die Touristenströme   – dort würde man dann jedoch Viehtrieb sagen und nicht Transhumanz. gh

Mauro Gambicorti, Anja Salzer:
Über Gletscher und Grenzen

Die jahrtausendealte Tradition der Transhumanz in den Alpen
 
gebunden, 256 Seiten
Edition Raetia, Bozen 2017
ISBN 978-8-8728-3592-0
CHF 41.90
www.raetia.com

 
  Wahn und Sinn am Berghang
Oder das Tal aufgeben
16 Kilometer Lawinenverbauungen am Chüenihorn über dem Bündner Dorf St. Antönien. Kaspar Thalmann hat sie fotografiert wie wir ÄlplerInnen unsere Kühe, von hinten von vorne von oben von unten. Die Bilder aus diversen Perspektiven erzeugen beim Betrachten unterschiedliche Gefühle: Manchmal wirken die Verbauungen bedrohlich, als könnten sie eines Tages Beton und Stahl über das Dorf werfen, manchmal halten die Fanggitter schützend ihren Arm über das Tal. Blicke aus der Luft lassen die unglaubliche Arbeit erahnen, die hier Menschen am Steilhang vollbracht haben. Aus der Fernsicht erstaunt die architektonische Ästhetik von Reih und Glied am Berg, von nah die marode Existenz der verwitternden Gestelle. Ein Endlosbauwerk. 1953 in Angriff genommen, hat es unzählige Millionen gekostet und verschlingt 400000 Franken an jährlichen Unterhaltskosten. Zum Schutz von 70 Menschen und 90 Gebäuden an einem Ort, der in einer kantonalen Studie 2005 zum «potenzialarmen Raum» erklärt wurde.
Thalmanns Fotografien sind unspektakulär und doch fesselnd, Bilder für verweilende Augen und sich runzelnde Stirnen. Die Texte sind thematisch gegliedert: Olonetzky befasst sich mit der Ästhetik, Hotz mit der Geschichte, Gantenbein mit den Menschen, die sie vorantreiben. Da geht es dann nicht nur um Lebensraumsicherung und Existenz einiger Bergbauernfamilien, sondern um politische und wirtschaftliche Interessen. Das ist spannend zu lesen und öffnet den Fächer weit über St. Antönien: Was machen wir als Gesellschaft mit Minderheiten, die viel kosten? Einfach die Lawine sausen lassen? gh

Fotografie: Kaspar Thalmann
Texte: Köbi Gantenbein, Stefan Hotz und Nadine Olonetzky:
Oder das Tal aufgeben

Die Lawinenschutzbauten von
St. Antönien
 
128 Seiten, gebunden
15 farbige und 34 sw Abbildungen
Scheidegger & Spiess, Zürich 2015
ISBN 978-3-85881-478-4
CHF 49.–
www.scheidegger-spiess.ch

 
  Schamhütten
Marco Volken: Stille Orte
Wer kommt denn auf so eine Idee! Der Alpinfotograf und Publizist Marco Volken hat rund hundert Scheisshäuschen im Schweizer Gebirge fotografiert und dokumentiert, hundert architektonische Trouvaillen der Fäkalienabgabe. Das Buch liest sich wie ein Führer zu den Aborten abgelegener Orte, die anscheinend doch nicht so abgelegen sind, dass man ohne blickschützende Wände scheissen will. Und am liebsten würde man gerne alle ausprobieren: Einmal kacken bitte in der Steinwüste beim Rifugio Ganan, in der Telefonkabine bei Cortesell, auf dem nackten Stein der Cascine d’Àfata, zu zweit auf dem Tandemplumpsklo der Burg Innerjuvalt oder patriotisch umrandet von Schweizerkreuzen bei der Chamanna Segantini. Die bautechnische Kreativität und Vielfalt an vier Wänden mit einem Dach erstaunt in einem Land der unzähligen Baugesetze. Das freudige Fazit: Es gibt Alternativen zu den TOI-TOI-Boxen. gh

Marco Volken:
Stille Orte

Eine andere Reise durch die Schweiz
 
144 Seiten, gebunden
122 Bilder
viersprachig d/f/i/e
AS Verlag, Zürich 2015
ISBN 978-3-906055-41-1
CHF 48.–
www.marcovolken.ch
www.as-verlag.ch

 
  Unerschöpflich
Alpsicht
Zwanzig Jahre war Martin Bienerth Senn und Hirt, ein Zeit-, Arbeits- und Denkraum, in dem er Bilder und Aufzeichnungen machte, die sich schlussendlich zu einem unerschöpflichen Archiv ansammelten. Sein neues Buch versammelt 68 Bilder seiner Postkarten, die, grösser abgebildet und ergänzt mit ausgewählten Notizen, Gedankensplittern und Tagebuchaufzeichnungen, seine Sicht auf das Zusammenleben von Mensch und Tier auf der Alp eindrücklich manifestieren: Grundlage aller Alpprodukte ist die behirtete Landschaft, die mithilfe der Tiere und des Älplerhandwerks zu Milch, Fleisch und Käse verwandelt wird. Bienerths Texte gehen jedoch über den Ort «Alp» hinaus, seine Gedanken schweifen immer wieder zum flüchtigen Sinn des Lebens, fragen nach unserer Betrachtungsweise der Natur und fordern auch mal unser Handeln. Seine oft moralischen Ansichten mögen nicht allen bekömmlich sein, wer aber an den Postkarten Freude hat, wird auch das Buch mögen. gh

Martin Bienerth:
Alpsicht

Hirtengeschichten
 
192 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
Faro Fona Verlag, Lenzburg 2014
ISBN 978-3-03781-072-9
CHF 39.90
www.fona.ch
www.alpsicht.ch

 
  Mythen, Museen, Mastschweine
Landwirtschaft Schweiz
Wenn wir an Landwirtschaft denken, kommt uns erst mal eine Kuh, dann ein bärtiger Bauer, eine hübsche Landschaft, vielleicht noch ein Traktor in den Sinn. Markus Bühler-Rasom hat während mehreren Jahren die Landwirtschaft als erweiterte Agrarzone, die tief in die Gesellschaft hineinreicht, fotografiert und ergänzt unsere Kopfbilder mit Bildern zu Politik, Industrie, Verarbeitung, Logistik, Entsorgung, Folklore, zu Preisverleihungen, Mythen, Museen, Mastschweinen usw. Präg­nante, teils plakative Portraits zeigen den Menschen in diesem Panoptikum als Bäuerin und Bauer, als Unternehmer und Schaffer, als Täter und Verwalter, als Werbeträger und Lobbyisten. Das Buch ist äusserst sorgfältig gemacht: Papier, Druck, Format passen; längere Bildlegenden und eher spärliche Texte liefern knappe Informationen und bisweilen philosophische Ein- und Ausblicke, die fotografisch schwer sichtbar gemacht werden können. Der Bildband bildet die momentane Landwirtschaft nicht nur ab, sondern macht sie lesbar und fordert zum eigenen Nachdenken auf, wie wir mit der Landschaft, den Tieren, den Pflanzen – und schlussendlich auch mit uns – umgehen wollen. Er tut dies ohne missionarischen oder ideologischen Eifer. Wer trotzdem ein Unbehagen spürt, liegt nicht ganz falsch. gh

Markus Bühler-Rasom:
Landwirtschaft Schweiz

 
288 Seiten, gebunden
200 SW- und Farbbilder
AS Verlag, Zürich 2014
ISBN 978-3-906055-27-5
CHF 68.–, EUR 62.90
www.as-verlag.ch

 
  Über den Kessirand geschaut
Kulturerbe Alpwirtschaft in Bad Hindelang
Meist ist Alpwirtschaft stark regional geprägt mit ihren Bräuchen, Traditionen, Rechten, Pflichten, von der Tierart über die Bekleidung der ÄlplerInnen bis hin zu Stacheldrähten oder Elektrozäunen. Über den Kessirand spähen wir hier nach Bad Hindelang im Allgäu. Das Buch entstand im Geiste um die Anerkennung der Alpwirtschaft bei der UNESCO als «immaterielles Kulturerbe», was so viel bedeutet wie «Bewahrung traditioneller Kultur und Folklore». Den Autoren aus Politik, Naturschutz, Forschung und Bauerntum gelingt es, die allgäuische Verbundenheit zur Alpwirtschaft aufzuzeigen, ohne in folkloristische Heimattümelei zu verfallen. Interessant, wie sich jenseits der Grenze ähnliche Probleme in Bezug auf Bestossung, Ökologie, Vergandung und Strukturwandel stellen wie bei uns – auch wenn die HindelangerInnen gemäss ihrer Geschichte und ihren Gepflogenheiten eigene, regionale Lösungen ausdenken. gh

Autorenschaft:
Kulturerbe Alpwirtschaft in Bad Hindelang

 
120 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
context verlag, Augsburg 2014
ISBN 978-3-939645-80-1
CHF 28.50, EUR 19.80
www.context-mv.de

 
  Reich dokumentiertes, nostalgisch anmutendes Uri
Andreas Bachofner:
UR-Alpen
Wer gerne Fotobücher anschaut, mag dieses Buch! Es dokumentiert den Kanton Uri mit seinen BergbewohnerInnen durch eine grosse Anzahl Fotos. Die einen entsprechen mehr dem ästhetischen, die anderen mehr dem dokumentarischen Anspruch, und bei einigen fragt sich der Betrachter vielleicht, ob sie nötig sind. Nebst einer kurzen Einführung über die Organisation des Kantons führt der Autor den Betrachter vom unteren Reusstal über Schächental und Urnerboden ins obere Reusstal und zu guter Letzt ins Maderanertal. Dabei werden verschiedene Personen und Familien porträtiert, die entweder als Bergbauern, Älpler, Wildheuer oder in weiteren Bereichen tätig sind. Es werden zwar einige interessante Geschichten der abgebildeten Personen angesprochen, die Texte gehen jedoch selten in die Tiefe. Schade auch, dass im Dschungel der Fotos die guten Bilder etwas verloren gehen. Nebst dem Älplertum werden auch das Handwerk der Glockenherstellung, die Schneeräumung am Pass oder Bräuche wie die «Chilbi» gezeigt. pw

Andreas Bachofner:
UR-Alpen

Alp- und Bergleben im Kanton Uri
 
248 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
Gisler Druck, Altdorf 2014
ISBN 978-3-906130-89-7
CHF 39.–
www.bachofner.ch

 
  Fotografin Kuh
Cowcam
Alle sieben bis zehn Minuten macht es klick anstatt kling – denn dort wo sonst bei einer Kuhglocke der Klöppel hockt, sitzt die Cowcam. Christoph Sigrist stattet seit Jahren diverse Kühe in der Schweiz mit einer kleinen Kamera aus, die ungefähr dem Blickfeld der Kuh entsprechend in regelmässigen Intervallen ein Bild macht. Mittlerweile haben sich bei Sigrist über 20’000 Bilder angesammelt, gut 200 der Besten sind in diesem Buch versammelt. Dabei sind die Kühe als vielseitig begabte Fotografinnen zu entdecken: mal scharf, mal verschlirpt, mal farbig schreiend, mal pastell verlegen, mal kühn, mal dokumentarisch und vielfach überraschend klicken sie sich ihre Welt zusammen, an der wir mit diesem Buch teilnehmen dürfen. Passionierte Kuhfotografen mag es bekümmern, dass ihre Objekte interessantere Bilder schiessen, als sie selbst. gh

Christoph Sigrist, Daniel von Rüti:
Cowcam

Kühe fotografieren ihre Welt
Texte: Sagita Lehner
 
224 Seiten, gebunden
224 Farbbilder
Faro Fona Verlag, Lenzburg 2014
ISBN 978-3-03781-071-2
CHF 39.90
www.faro-buch.ch
www.cowcam.ch

 
  Waadtländer Jura
Daniel Glauser: Chalets d’alpages du parc naturel régional Jura vaudois

In verschiedenen Kapiteln wird eine detaillierte Beschreibung und Typologisierung der «Alphütten» vorgenommen, wobei die Bezeichnung «Hütte» angesichts der meist stattlichen und teils auch ganzjährig bewohnten Steinbauten nur sehr bedingt zutreffend ist. Eine Fülle von Informationen gibt es aber auch zur Geschichte der Alpgebäude, zu alpwirtschaftlichen Infrastrukturbauten – etwa zu den angesichts der wasserarmen Kalkböden für die Wasserversorgung wichtigen Zisternen und zu grossräumigen Pferchen aus Steinmauern – und nicht zuletzt zur Käseproduktion. Zum Glück gibt es unter den zahlreichen, sehr ansprechenden Fotografien auch einige Abbildungen mit Männern und Frauen bei der Arbeit, sonst könnte man beim Lesen fast vergessen, dass die Alpwirtschaft in erster Linie von engagierten Bauern und Bäuerinnen, Älplern und Älplerinnen lebt. an

Daniel Glauser: Chalets d’alpages du parc naturel régional Jura vaudois
 
168 Seiten
gebunden, französisch
Edition Favre, Lausanne 2012
ISBN 978-2-8289-1323-6
CHF 44.00
www.editionsfavre.com
 
  Alpleben im Obertoggenburg
Andreas Bachofner: Alpzeit

Die Alpwirtschaft wird nicht aussterben, wenigstens in den Medien nicht. Je weniger Kühe gealpt werden, desto mehr Journalisten, Fotografinnen, Filmer, Volkskundlerinnen und Forscher stapfen über die Weiden. Ja geht denn niemand mehr nach Afrika, die hungernden Kinder schauen?
Bachofner war im Obertoggenburg, begleitete mehrere Bauernfamilien während zwei Jahren bei ihrer Alparbeit mit Kamera und Notizblock – und man kann ihm nicht alles anlasten, was wir eingangs schrieben. Wer die Alpen und Leute des Obertoggenburgs kennen lernen will, findet in diesem Buch in grossformatigen Bildern und einfühlsamen Texten viel Wissenwertes über Kultur und Alpleben. gh

Andreas Bachofner:
Alpzeit

Gelebte Traditionen im Toggenburg
 
160 Seiten, 165 Farbfotos,
gebunden
faro Verlag, Lenzburg 2012
ISBN 978-3-03781-050-7
CHF 36.90
www.bachofner.ch
www.fona.ch
 
  Hymne an die Alp
Martin Bienerth: Alp
Ein tolles Stimmungsbuch. Martin Bienerth hat in seinen viele Jahren z'Alp die verschiedensten Stimmungen in Bild und Wort eingefangen. Stimmungen am Morgen früh, im Nebel, beim zischenden Melken, bei Schneewetter, bei der Geburt eines Kälbli, beim Suhlen im Schottentrog, beim Heimwärts ziehen. Auch die Stimmungen zwischen Mensch und Tier und zwischen den Tieren untereinander werden spürbar. Stimmungen aus der Sicht des Älplers. Der Focus ist auf die Kuh, auf das Tier gerichtet. Menschen sind eher selten zu sehen. Aus den Worten klingt oft Begeisterung und Dankbarkeit für das Alperleben, manchmal auch etwas Kritik am Menschen und an seiner Gesellschaft. Das Buch lädt ein zum Staunen, Verweilen und Mitfühlen – eine wahre Hymne an die Alpwirtschaft. (Barbara Sulzer) Martin Bienerth:
Alp

himmelhoch – erdenschön

Alpsicht Verlag, Andeer 2011
ISBN 978-3-85932-655-2
CHF 44.90
www.alpsicht.ch/
www.fona.ch/shop
 
  In eigener Sache
Hirtenstock und Käsebrecher
«Wer einmal anfängt darin zu blättern, hört nicht so schnell wieder damit auf. Obwohl das Buch nur 13 Älplerinnen- und Älpler-Porträts enthält, spiegelt es das unglaublich breite Spektrum an Menschen wider, die Sommer für Sommer auf Schweizer Alpen arbeiten: Vom Aussteiger bis zum Traditionalisten, vom Einzelgänger bis zum Familienmenschen, vom 15- bis zum 90-Jährigen, vom Schulabbrecher bis zum Uniabsolventen.
Die Texte sind oft sehr erfrischend: «Die Bergler können nichts dafür, dass sie in einer Landschaft leben, die sich gut auf Tourismusprojekten macht.» Und manchmal so schlicht wie wahr: «Die Menschen sind kompliziert. Das Leben mit den Tieren ist eindeutig. Hau einem Rind auf den Arsch und es geht, dem Tätsch gehorchend, vorwärts.» Das Beste sind jedoch die Bilder: So nah. So ungestellt. So echt. Man ist dabei, geht mit, fühlt sich ein. Und weil die Personen nicht nur ein- oder zweimal abgelichtet werden, bekommt man ein ganzheitliches Bild von ihnen. Sogar die Winterhälfte des Älplerlebens findet da und dort Platz im Buch.» (Eveline Dudda im LID-Mediendienst)
Hösli, Hugentobler, Dilloo, Dyttrich, Schwegler, Tanner:
Hirtenstock und Käsebrecher

Älplerinnen und Älpler im Portrait

zalpverlag, 2. Auflage Mollis 2011
ISBN 978-3-033-02385-7
CHF 74.–
www.zalpverlag.ch
 
  Zwölf Männer für zwölfhundert Schafe
Schuppisser und Ganz: embrüf, embri
Per Helikopter gelangen die zwölf Treiber ins Aljetschji, einer Hochgebirgsweide am Rand des Grossen Aletschgletschers, wo die zwölfhundert Schafe unbehütet ihren Alpsommer verbringen. Das Sammeln der Schafe mit Peitschen, aber ohne Hirtenhund, folgt uralten Bräuchen und Regeln, verlangt den Säckelmeistern, Sannern und Hilfssannern Tierkenntnis, Schwindelfreiheit und schweissnasse Socken ab. Kurz vor dem Eintreffen auf der Belalp werden die schönsten Schafe geschmückt, die Treiber frisch bekleidet. Als Helden des Tages werden sie und ihre wollene Gefolgschaft am Schäferfest erwartet, von massig angereisten Touristen und wenigen Schafbauern.
Schuppisser und Ganz begleiten den mehrtägigen Alpabzug, bleiben angenehm staunende Journalisten, biedern sich nicht der Folklore an, berichten spannend und lehrreich über das Ereignis, lassen die Treiber zu Worte kommen und schenken uns Daheimgebliebenen wunderschöne Bilder mit einem Sprutz Schalk. Ein gelungenes Buch. (gh)
Thomas Schuppisser und
Michael T. Ganz:
embrüf, embri

Die Heimkehr der Schafe

Verlag hier+jetzt, Baden 2010
ISBN 978-3-03919-161-1
CHF 58.–
www.hierundjetzt.ch
 
  Löcherware vom feinsten
Dominik Flammer, Fabian Scheffold: Schweizer Käse
Wer nicht nur gerne Käse macht, sondern auch erfahren möchte, was alles möglich ist, wenn man den Käse auf dem richtigen Fleck hat, wird mit dem Buch schmierig, löcherig, weisschimmlig, zigerig, cremig, hart und zuletzt ausgereift glücklich. «Schweizer Käse» ist das momentane Standardwerk zum Schweizer Käse. Damit sind nicht die Industriekäse wie Emmentaler oder Greyerzerkäse gemeint, sondern originelle Sorten, hergestellt von Leuten, die angetrieben sind Käse jenseits der Massen und der Langweile herzustellen. Portraitiert werden Käse aus allen Landesteilen und aus allen Höhenschichten. Klar, dass der Anteil an Alpkäseportraits im Verhältnis zur produzierten Menge zu hoch ist, aber auf der Alp wird der Mythos um einen handwerklich hergestellten Rohmilchkäse, den Urkäse schlechthin, am eindrucksvollsten ersichtlich. Konkret geht es um Mascarpin und Chevrotin, um Stanser Fladen und Mühlistein, um Schab- und Kräuterziger, aber auch um geläufigere Sorten wie Echter Emmentaler, Alp-Sbrinz, Vacherin, Raclette, Tilister aus Käsereien mit dem besonderen Löchlein auf dem i. Kurz: Reich und toll bebildertes Plädoyer für den Rohmilchkäse. Neben einer umfassenden Historie des Schweizer Käse enthält das Buch ein umfassendes Lexikon der Schweizer Käsesorten und der Käsereifachbegriffe. Dominik Flammer und
Fabian Scheffold:
Schweizer Käse

Ursprünge, traditionelle Sorten und neue Kreationen
 
AT Verlag AZ Fachverlage AG, Baden 2009
ISBN 978-3-03800-474-5
CHF 98.–
www.at-verlag.ch
 
  Wir sind Kuh
Schweizer Kuhleben
Emanuel Ammon durchquert die Schweiz von der Flotze bis zum Kuhschwanz, vom Alpaufzug bis zum Abgang und was die Kuh so alles zwischendurch noch macht: im Stall liegen, Forschungsanstalten beglücken, posieren für Werbe-Shootings, brillieren an Kuhshows und in Trainings, Punkte schinden an Viehschauen, friedlich grasen auf den Weiden oder vom Stier träumen, der seinen Samen der Swissgenetics zur Verfügung stellt. Die Auswahl der Bilder ist eine ganz persönliche, wenn Ammon Kuhschnorren faszinieren, kommen sie auch mehrfach vor. Die Texte sind dabei weniger poetisch als die Bilder und nur als kurze Informationsangaben gedacht, die Geschichten muss der Betrachter selber ersinnen.
34 Kuhrassen werden jeweils gezeigt in der Beziehung mit einem Bauern, der über seine Kuh erzählt. Darunter Besonderheiten wie die Kuh Tulipe von Franz Blum, eine Vosgienne, von der noch 19 Stück in der Schweiz registriert sind. Eine schöne Hommage an die Kuh, die dem Schweizer ja immer noch voran steht.
Emanuel Ammon:
Schweizer Kuhleben

 
Aura Fotobuchverlag, Luzern 2009
ISBN 978-3-9523375-1-6
CHF 78.–
www.aura.ch
  Bergers du monde
Bernard Faye: Bergers du monde
Depuis une trentaine d'années, Bernard Faye parcourt les quatre continents à la rencontre de ces hommes qui consacrent leur vie aux animaux et à la terre. Son livre évoque des trajectoires de bergers rencontrés au hasard des parcours dans la fournaise sahélienne, dans les vents de sable des steppes d'Asie centrale, dans la moiteur amazonienne, sur les pentes de la montagne cévenole ou sur les piémonts abyssins. Ce sont des histoires de transhumances, des histoires d’enfants, nés bergers, que leur naissance plonge dans un monde où l’animal est le commencement et la fin de toute activité. Ce livre raconte aussi les liens – liens de peine mais aussi de fête – que le quotidien et l’exceptionnel tissent entre le berger et son troupeau. Bernard Faye:
Bergers du monde

 
Éditeur Quae, 2008, geb., 240 Seiten
EUR 35.–
ISBN-13 978-2-7592-0166-2
www.quae.com
oder bestellen über eine Buchhandlung in der Schweiz
 
  Geschichten der Stille, die riechen
Vanessa Püntener: Alp
Die portraitierten fünf Urner Alpen mit Landschaft, Vieh und ÄlplerInnen fordern Zeit, sonst entgehen einem die Geschichten, die eine Holzfassade, ein Herrgottswinkel, ein sommersprossiges Gesicht, eine Landschaft im Nebel, ein Kuhauge oder ein Paar Zoggeli erzählen. Die Bilder sind Bilder der Stille – Fotogemälde mit stark olfaktorischem Charakter. Sofern man die Gerüche schon mal gerochen hat, tauchen sie überall im Buch auf. Betrachtet einmal mit Ruhe das Titelbild. Könnt ihr die Komposition aus stallgewohnten Hemden, alphistorischem Holz und den aussen peinlich gereinigten Stiefeln in der Nase wahrnehmen? So zieht die Nase weiter durch das Buch, vorbei an feuchtnebligen Landschaften, unter Kuhflotzen hindurch, durch papierverklebte Küchen und Ställe, sogar die Felswände tauchen rauh und modrig auf, um dann in den Augen eines Stallburschen zu entschwinden, und eine neue Geschichte beginnt. Vanessa Püntener:
Alp – Porträt einer verborgenen Welt

 
Rotpunktverlag, Zürich 2014
CHF 42.–
ISBN 978-3-85869-622-9
www.rotpunktverlag.ch
 

Alp in schwarzweiss
Christinae Dörig: Bommen
Drei Jahre begleitete die Fotografin Christiane Dörig die sechsköpfige Bauernfamilie Paul und Annemarie Peterer Künzle durch den Alpsommer auf der Alp Bommen, unterhalb des Wildkirchli und der Ebenalp auf 1300 m ü. M. In den Tagen und Wochen auf Alp Bommen veränderte sich der Fokus der Fotografin: die fotografischen Aspekte traten in den Hintergrund, das Interesse an den Menschen, ihrer Lebensweise, ihren Traditionen gewann Oberhand. Die Einfachheit des Alplebens, der Rhythmus der Natur, die Kraft der Ursprünglichkeit und die Liebe zur Schöpfung zogen die bislang mit der Landwirtschaft nicht vertraute Fotografin in ihren Bann. Mit ihrer
Kamera hat Dörig festgehalten, was ihr professionelles Auge mit viel Feingefühl, Neugier und Respekt erspäht hat.
Christinae Dörig:
Bommen
Ein Alpsommer im Alpstein
 
Appenzeller Verlag, Herisau 2004
CHF 58.–
ISBN 978-3-85882-389-2
www.christianedoerig.ch
 
  Schauen und Hören
Heile Welt Harte Arbeit
Älpler aufgepasst! Wer sich in kalten Wintermonaten wieder einmal seine Alperinnerungen reinziehen will, der sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Neben den tollen Schwarzweiss-Bildern von Roger Harrison liegt dem Buch eine CD mit aussergewöhnlichen Aufnahmen
bei. Die drei Innerschweizer Musiker Carlo Gamma, Beat Föllmi und Rochus Keller haben zu den Fotos von Harrison spontan improvisiert. Das ganze untermalt mit Alpgeräuschen - herausgekommen ist ein unter die Haut gehendes Hörerlebnis. Ideal für Älpler auf Entzug. Der Bildband zeigt hautnahe Einblicke in das Alpleben einer Urner Älplerfamilie. Zusammen mit der CD ist dieses Buch ein ganz spezielles Gesamterlebnis.
Roger Harrison:
Heile Welt Harte Arbeit

 
Mit einer Musik-CD von Rochus Keller, Beat Föllmi und Carlo Gamma
Cantina Verlag, Goldau 2002
CHF 48.–
ISBN 3-85600-034-8
www.cantina.ch
 
  Beinahe vergessene Welt
Peter Ammon: Schweizer Bergleben um 1950
Peter Ammon (*1924) reiste in den 1950er Jahren durch die Schweizer Bergtäler, um Leben und Arbeiten der Bergbauern fotografisch festzuhalten. Ihn interessierten vor allem traditionelle Betriebe und Lebensformen, wie sie nach dem Krieg in abgelegenen Gegenden noch oft anzutreffen waren. Damals fanden seine Bilder wenig Anerkennung, denn nach einer langen Zeit der Entbehrungen sehnten sich die Menschen nach Fortschritt und Moderne. Heute sind Peter Ammons Bilder Zeitzeugen einer beinahe vergessenen Welt. Seine Aufnahmen sind auch technisch interessant, da es die ersten Farbaufnahmen ihrer Zeit sind.
Peter Ammon fotografierte die Menschen in ihrer vertrauten Umgebung, mit den Dingen, die ihr Leben prägten. Zum Teil sind es Momentaufnahmen von bestechender Frische, zum anderen ruhige Portraits, in denen die Menschen Statisten ihrer selbst sind.
Peter Ammon:
Schweizer Bergleben um 1950

 
Aurora Fotoagentur, Luzern 2002
CHF 78.–
ISBN 978-3-033-00875-5
www.aura.ch
 
  Eine Liebeserklärung an die Menschen in den Urner Bergen
José Amrein: Vom Leben der Urner Älpler
Wenn einer mit der Kamera und einem Bündel Fotofilme in die Urner Berge zieht, sind Bilder atemberaubender Sonnenaufgänge, rassiger Kühe, scharfer Felszacken, blühender Enziane, Alpenrosen und Silberdisteln zu erwarten. José Amrein hingegen bringt einen Rucksack voller Alpleute mit ins Tal. Die schwarzweiss Fotografien zeigen die Urner ÄlplerInnen bei der Arbeit und beim Erzählen von Geschichten, denen Amrein aufmerksam zuhört. Dabei wird offensichtlich, dass das Erzählen eine wichtige Funktion erfüllt, Erlebtes auf der Alp zu verarbeiten. Was einem nicht geheuer vorkommt, wird mit der Welt der Sagen erklärt. Kommt hier unverhofft eine Erzähltradition zum Vorschein, die wir sonst im Orient vermuten?
Das Besondere am Buch ist dessen menschliche Atmosphäre. Hier spricht nicht der studierte Autor über die Objekte seiner ethnologischen Forschung in den Urner Bergen, hier reden die Alpleute selber. Ihre Sprache ist einfach und voll versteckter Lebensphilosophie. Die Landschaft der Alp als Ereignisort für Menschen, Tiere, Pflanzen, Wetter und Übersinnlichem – das prägt.
José Amrein:
Vom Leben der Urner Älpler

 
Verlag Gisler Altdorf 2001
CHF 49.–
ISBN 3-906130-10-X
www.alpgalerie.ch
 
  Bauern am Berg
Bauern am Berg
Während Jahren ist der Genfer Fotograf Didier Ruef mit seiner Kamera in den Schweizer Alpen unterwegs gewesen: Diesseits und jenseits des Alpenkamms hat er, zusammen mit dem Journalisten Ulrich Ladurner. «Bauern am Berg» ist ein Buch der Begegnungen, aber auch der rücksichtsvollen Annäherung, der teilnehmenden Beobachtung. Wer Didier Ruefs und Ulrich Ladurners 13 Bild- und Textreportagen aus dem Wallis, dem Berner Oberland, der Innerschweiz, aus dem Tessin, Italienisch- und Romanischbünden zur Kenntnis nimmt, der begreift, warum sich unsere «Älpler» nicht einfach wegrationalisieren lassen, der bekommt eine Ahnung davon, dass Bauern am Berg aller natürlichen Widrigkeiten zum Trotz ein Leben in einer ganz anderen, immateriellen Form von Reichtum führen. Die Alpen als soziales Laboratorium.
Eines meiner Lieblingsbücher, mit Fotos so archaisch, schön und ungeschminkt, dass es wehtut.
Didier Ruef und
Ulrich Ladurner:
Bauern am Berg

 
Offizin Verlag Zürich 1998
ISBN 3-907495-94-2
CHF 78.–
www.offizin.ch
 
  Leni
Leni, Nomadin
Leni geht auf den Berg, seit sie neun ist. Allein. Bei sich nur die Tiere: Zwei Eselinnen, die geduldig das Wenige tragen, das man zum Leben auf der Alm braucht. Jeden Sommer führt Leni das Vieh auf die entlegenen Weiden an der italienischen Grenze. Gehts los, steckt Leni die beiden Katzen Veritas und Chouchou in den Sack, und hopp! Sie sorgen für etwas Gesellschaft, wenn die Hirtin ihre einsamen Kehren durch die Walliser Alpen zieht.
Leni ist die Hauptfigur in Renato Jordans feinfühligem Fotoessay, der nun in Buchform vorliegt. Aus einer vergangenen Epoche scheinen sie zu stammen, die über fünfzig Schwarzweissaufnahmen. Sie dokumentieren das Leben einer Wanderhirtin, das sich allein nach dem Taktstock der Natur richtet. Wer das Klischee der dümmlichen Kuhhirtin bedient sieht, irrt sich. Jordan zeigt eine weltoffene, kluge Frau, deren Neugier sie bis nach Indien und Moskau trieb. Ihre Lieblingslektüre: Dostojewski, Tolstoj («Die Russen, tüchtig schwer!»).
Pierre Imhasly und
Renato Jordan:
Leni, Nomadin

 
Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 978-3-87877-834-9
CHF 28.–
www.stroemfeld.de
 
  Alpzeit durch die ganze Schweiz
Romano P. Riedo: Alpzeit
Schwarz-weiss Fotoband, in dem das Alpleben nicht verklärt wird. Der Lehrer und Fotograf Riedo war einen Sommer selber z'Alp, was die suggestive Wirkung der Bilder zu erklären vermag. Abgebildet werden auch Kuhfladen, Essensresten und was sogar in vielen ÄlplerInnenfotobücher fehlt: verregnete Hirten. Mit einmal schauen kommt man den Bildern nicht auf die Schliche, da braucht es schon einen längeren Winter. Oder, wie es auch auf dem Klappentext steht: Der grosse Photo-Essay über das einfache Leben in den Bergen aber handelt nicht zuletzt auch von der uralten Sehnsucht nach dem Paradies. Denn nirgendwo sonst, und das spüren im Grunde Bauern, Städter und Älpler genauso, ist der Mensch dem Himmel näher als in den Bergen. Romano P. Riedo:
Alpzeit

 
Fischer Media, Münsingen-Bern 1996
broschiert
ISBN 3-85681-344-6
CHF 58.–
 
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Kinderbücher nach oben
  Sünneli ist weg ...
Mit Sofie auf der Alp
Sofie geht bald in die Schule, aber während der Sommerferien ist sie noch mit ihren Eltern und Bruder Beni auf der Alp. Besuch bekommt sie von ihrem Freund Frederico, dem sie alles auf der Alp zeigen will, auch wie man die Hand ins Maul ihrer Lieblingskuh «Sünneli» hält. Nach einem Gewitter mit Hagelsturm ist gerade das «Sünneli» verschwunden. Die Suche beginnt und es darf verraten werden, dass alles gut kommt und nach abgeschlossenem Abenteuer glückliche Älpler um den Beerifenz hocken. Die Geschichte ist hübsch und kenntnisreich erzählt, man spürt Salome Siegenthalers eigene Alperfahrung. Die Bilder sind farbig und geradlinig ohne intellektuelle Verkünstelung. Den Kindern wirds gefallen und den Eltern, Grosseltern, Göttis, Onkels, Tanten, Kindergeburtstagsfesteingeladenen und Weihnachtsgeschenksuchenden auch. gh

Salome Siegenthaler-Lüthi, Karin Widmer:
Mit Sofie auf der Alp

 
32 Seiten, gebunden
Baeschlin, Glarus 2016
ISBN 978-3-85546-297-1
CHF 29.80
www.baeschlinverlag.ch

 
  ... und wo ist Cleo?
Cleo auf der Alp
Hündin Cleo und Grafikdesignerin Jule gehen auf die Alp. Der Tag beginnt früh, und bis alle Arbeiten getan sind und der Käse ruht, ist auch Jule müde und legt sich für ein Sennerinnenstündchen auf die Weide. Nur Cleo ist noch voller Tatendrang. Da lockt ein Murmeli zum Jagen, dort reizen Steine zum Springen, drüben plätschert ein Bach zum Durstlöschen. Am Nachmittag zieht ein Gewitter auf, Jule muss zurück zur Hütte, Cleo ist verschwunden. Wo ist sie nur? Das Kinderbuch gibt mit den hübschen Zeichnungen zum Vorgang des Käsens einen lehrreichen Einblick ins Alpleben, während die Geschichte um Cleos Verschwinden fürs Abenteuerliche verantwortlich ist. Beides beruht laut Autorin auf wahren Begebenheiten. gh

Juliane Tag:
Cleo auf der Alp

 
28 Seiten, gebunden
Juliane Tag, Langenburg 2016
ISBN 978-3-00052-424-0
EUR 15.–
Erhältlich im Buchhandel oder bei der Autorin: cleo@posteo.de

 
  Fettflecken und Hundespuren
Las vachas in vacanzas
Ein lustig geratenes Bilderbuch einer Älplerin. Es zeigt die wichtigsten Arbeiten wie melken, buttern und käsen. Die Kühe werden vorgestellt, der Hund und die Schweine. Die Bilder sind schief oder krumm ausgeschnitten, teilweise auf Holzrahmen platziert, zwischendurch drückt der Hund seine Pfoten aufs Papier und die Älplerin skizziert Blumen, singt ein Alpenlied und tischt ein Alpenrosengeléerezept auf. Details wie Fettflecken und Kaffeespuren, mit Namen genannte Kühe und die durchwegs zweisprachigen Texte, zeigen wie verbunden die Autorin mit der Alp ist. Das Buch ist ideal für Kinder und alle, die keine Ahnung von der Alp haben. Romana Duschletta:
Las vachas in vacanzas – Die Kühe in den Ferien

 
zweisprachig romanisch – deutsch
ISBN 978-3-033-01581-4
CHF 29.–
zu bestellen bei der Autorin: Tel. 079 417 49 15, romana@automaz.ch
 
  Mit Fränzi auf der Alp
Fränzis Alpsommer
Vier Sommer verbringt Fränzi bei der Küherfamilie Reichenbach auf der Alp Chüetungel, erlebt anstrengende, ausgefüllte, befriedigende Tage. Detailgenau beschreibt und bebildert Peter Bergmann das Sennenleben: Es gibt einen Kurs im Käsen, das Heu will rein, der Mist will raus, Kühe werden getrieben, gemolken und per Helikopter transportiert. Was Fränzi alles erlebt findet für Stadtkinder in einer ziemlich exotische Welt statt, was eine Empfehlung an deren Eltern ist, das Buch unter Weihnachtsbäume und andere Gelegenheiten zu legen. Peter Bergmann:
Fränzis Alpsommer

 
Zytglogge Verlag, Bern 1995
ISBN 3-7296-0508-9
CHF 48.–
www.zytglogge.ch
 
  Briefe nach Törbel
Helen Güdel: Lieber Alex
Bereits zum dritten Mal dürfen wir am bebilderten Briefwechsel der ehemaligen Städterin Helen Güdel mit Alex teilhaben. Hauptthema der naiven Bilder und der vorangehenden Zeilen ist erneut ihre Wahlheimat, das Oberwalliser Dörfchen Törbel. Sie erzählt von einer für uns Städter fremden Welt: von harten, schneereichen Wintern, vom immer noch tief verwurzelten Aberglauben der Bevölkerung, von den einschneidenden Auswirkungen der neuen Vorschriften in der Tierhaltung, von tapferen Aussteigerinnen. Neben lustigen Erlebnissen gehören die Begegnung mit einem Wolf und das Entdecken von wilden Feuerlilien sicher zu den Höhepunkten des Buches.
üdel zeigt keine heile Welt von gestern, sondern Plastikspritzkannen neben Kuhglocken, ein Badezimmer mit Weichmachmittel und Büchsen-Katzenfutter. (zytglogge)
Helen Güdel:
Lieber Alex
(Band 1–3)
 
Zytglogge Verlag, Bern 1999
ISBN 3-7296-0542-9
je Band CHF 32.–
www.zytglogge.ch
 
  Im Winter mit den Schafen unterwegs
Peter Bergmann: Winterweide
Peter Bergmann zeichnet detailgenau den Winter eines Wanderschäfers, der mit seiner Herde durch die Voralpen und den Jura zieht. Dabei bleibt er verdankenswerterweise nüchtern und verfällt nicht ins romantische oder verklärende. Man lernt viel über das Leben der Wanderschäfer, über ihre Arbeit und die Auseinandersetzung des Berufes mit der modernen, fortgeschrittenen Welt. Die Bilder sind Momentaufnahmen von Kälte, Schnee, Dunkelheit, Idylle, vom Zusammenleben von Mensch und Tier. Man spürt die Ruhe und Andacht, mit der Bergmann seine Beobachtungen macht.
 
Peter Bergmann:
Winterweide

 
Zytglogge Verlag, Bern 1996
ISBN 3-7296-0542-9
CHF 48.–
www.zytglogge.ch
 
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Hörbücher nach oben
  Gschichte us em Bärner Oberland
Gschichte us em Bärner Oberland
Wer irgendwo auf die Alp geht, in eine ihm fremde Region, wird auf Bauern treffen, die kaum zu verstehen sind. Dies lässt Freiraum, die Arbeiten so zu machen, wie man es selber will. Wer sich in den Berner Oberländer-Dialekt einhören und einarbeiten will, macht dies mit der Gschichten-CD aus der nahen Reihe «Wege zum Alpkäse». Ungeheuer schöne Gschichten und klingende Stimmen. Von altherkommend und ewig erzählend. Für lebendige Ohren und warme Herzen. Fürs z’verstah oder au nur zum lose.
 
Mehr Regionaldialekte vom Simmental, Haslital und Saanenland gibt es unter folgendem Link:
www.weberverlag.ch
 
 
  Sollen wir Bücher lesen und besprechen? Schicken an die Redaktion.  
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