Kein einsamer Sommer wahrscheinlich

Die Zeitungen sind voll davon und sogar die BundesrätInnen geben ihre liebsten Orte preis: Tipps für Ferien zu Hause in der Schweiz. Was das genau für die Alpbetriebe bedeutet, werden wir im Herbst wissen.

Im Moment kann man nur rätseln: Werden die Alpen überflutet von einheimischen Touristen, die alle Alpkäse kaufen wollen? Braucht es eine Plexiglasscheibe dafür? Soll man seinen Gästeplatz ins Weideland hinaus vergrössern, um alle Abstandsregeln einhalten zu können? Wieviele Gesichtsmasken pro ÄlplerIn soll man einkaufen? Braucht es bei der Sirupbar eine Flasche Desinfektionsmittel zum waschen der Gläser? Ist es jetzt eine günstige Zeit, sein Alphüttli zu vermieten und zum Immobilienhirt zu werden? Verjagen die vielen Wanderer das Alppersonal oder den Wolf? Oder freut sich dieser auf die Resten und Abfälle der Touristen? Ja freuen sich die Mutterkühe und die Herdenschutzhunde auf Kämpfe und Bisse? Oder gibt es schlussendlich gar nicht so viele Wanderer, weil die Seilbahnen wegem Abstandhalten weniger Leute transportieren und die Restaurants weniger Gäste bewirten können? Fragen über Fragen.

Schutzkonzept Agrotourismus Schweiz

Agrotourismus Schweiz hat ein Arbeitspapier für ein Schutzkonzept erarbeitet: Schutzkonzept_Agrotourismus_Schweiz, welches einige Fragen beantwortet, wenn auch nicht alle. Es ist gut möglich, dass sich im Sommer noch einiges an den Richtlinien ändern wird.

Tipps für ÄlplerInnen mit Agrotourismus

Gelegenheit für uns auf ein paar gute, alte Tipps zurückzukommen. Einerseits für die ÄlplerInnen aus dem «Neuen Handbuch Alp»:

Der Beitrag zum Alpwirtschaftstourismus
«Schön ist es hier»
als PDF zum Download.

 

Anstandsregeln für Wandersleute

Anderseits für die Touristen. Für Leute in roten Socken haben wir einen blumigen Text aus dem Jahre 1921 auf der «Exkursionskarte von Flums und Umgebung 1:25 ‘000» gefunden:

Zum Bergsport.

Zumeist junge Leute beider Geschlechter kommen des Wegs, voll kühner Pläne vielleicht schon für ihre Erstlingstour. Wir gönnen ihnen die Freude und den Wagemut, missbilligen aber deren eitle Prahlerei, oft unvernünftige Ausrüstung, unanständiges Benehmen, gemeine Ausgelassenheit. Stört den Bergfrieden nicht durch Lärm und unflätige Reden! Nehmt immer Rücksicht auf andere Berggänger, die zur Erholung von Körper und Geist, zum reinen Naturgenuss kommen. Belästigt und gefährdet sie nicht durch das unsinnige Herabrollen von Steinen, Flaschen und Konservenbüchsen. Rast- und Gipfelplätze seien der Schonung vor allerhand Verunzierung empfohlen. Schmückt euren Hut mit Alpenblumen, aber seid keine Vandalen, die zu Tale steigen mit einem Massenraub der schönsten Flora.
Bemeistert eure Leidenschaft, versucht euch nicht an unbezwingbaren Wanden, vielleicht um ein paar Edelweiss. Dieser gefährliche Ehrgeiz ist manchem schon zum Verhängnis geworden. Und endlich: Gedenket eurer Erziehung, haltet die Grenzen des Anstandes ein, auch in der Kleidung. Man kann in Luft und Sonne schwelgen, ohne in halbnackter Wildheit auf allseits begangenen Plätzen herumzulungern und dann auf offenem Wege in dieser nichts gleichsehenden Verfassung gar bis in die bewohnten Gegenden hinab und direkt in den nächsten Eisenbahnzug zu steigen. Wir halten es für unsere Pflicht und unser Recht, durch persönliche Einwirkung sowohl, als durch Propaganda in Wort und Schrift gegen die Unsitten verschiedener Art aufzutreten. Wir wissen uns unterstützt von einem auf Anstand und Sitte achtenden Publikum.
Auch dadurch mag man sich als nicht jeder guten Erziehung und anständigen Gesinnung bar beweisen, dass man nicht den meist mit drückenden Verhältnissen schwer kämpfenden Bauern rücksichtslos durch das Gras stampft und die Nachtruhe durch pöbelhaftes Lärmen stört.

Ebenfalls lesenwert für Alpwanderneulinge: Die letzte Fragen der Zaungäste:
www.zalp.ch/aktuell/suppen/suppe_2006_08/su_fr.php