Zivildienstler auf der Alp

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Die Einsatzmöglichkeiten von Zivis in Gemeinschaftsweide- und Sömmerungsbetrieben sind vielfältig: Sie pflegen die Alp, den Wald und die Weiden. Sie bekämpfen den Waldeinwuchs, sie zäunen und unterstützen beim Wildheuen. Bei betrieblichen Spitzenbelastungen können sie in der Produktion mithelfen, also z.B. Frühlingszäunen, Kühe einstallen, bei Schneefall Tiere versorgen usw. Insgesamt sollten die Alparbeiten nicht über 10% der Arbeitszeit betragen, denn es ist nicht Absicht, das Alppersonal durch Zivis zu ersetzen.

Text und Bilder: Vollzugsstelle für den Zivildienst ZIVI, Zusammenstellung: zalp

 

Wofür können Zivis eingesetzt werden?
  • zur Pflege der Alp (Unterhalt der Biodiversitäts- förderflächen, Offenhaltung, Entfernung von Problempflanzen) und der Weiden
  • zur Pflege des Waldes
  • für den Bau und Unterhalt von Natur- und Landschaftsschutzelementen (Trockensteinmauern, Lesesteinhaufen, etc.)
  • in Ausnahmefällen auch zur Mithilfe in der landwirtschaftlichen Produktion
Was bringt ein Zivi mit? Und wie lange bleibt er?
  • hohe Motivation und Leistungsbereitschaft
  • Qualifikationen aus seinem beruflichen Hintergrund
  • Fachwissen aus dem Ausbildungskurs
  • bei Bedarf Motorsägekurs für einfache Arbeiten an liegenden Bäumen
  • Ein Zivi bleibt mindestens 26 Tage. Längere Einsätze (Alpsommer) sind möglich. Der Alpbewirtschafter bestimmt die Mindesteinsatzdauer
  • gleichzeitig kommt nur ein Zivi zum Einsatz
Wie findet man als Alpbewirtschafter Zivis?
  • im Einsatzinformationssystem der Vollzugsstelle oder durch Eigenwerbung. Die Zivis bewerben sich direkt beim Alpbewirtschafter und dieser wählt den Zivi aus
  • sollte es menschlich oder arbeitstechnisch zwischen Älper und Zivi auf der Alp nicht passen, kann jeder von beiden Hilfe beim Regionalzentrum anfordern. Im schlimmsten Falle kann der Einsatz abgebrochen werden
Was kosten Zivis? Sind Zivis versichert?
  • 5 Franken Sold pro Tag
  • eine Abgabe von 12.60 Franken pro Tag an den Bund; die ersten 26 Tage gibt’s zum halben Preis (Sömmerungsbetriebe, die aus einem privaten Bewirtschafer oder einer privaten Bewirtschafterin bestehen und ein Jahreseinkommen unter 25 000Franken haben, sind von dieser Abgabe befreit)
  • 60 Franken pro Monat an Kleider und Schuhe
  • Unterkunft & Verpflegung
  • der Zivi ist im Einsatz gegen Krankheit und Unfall militärversichert
Welche Bedingungen muss ein Alpbetrieb erfüllen?

Der Betrieb ist ein anerkannter Gemeinschaftsweide- oder Sömmerungsbetrieb nach Landwirtschaftlicher Begriffsverordnung (LBV) Art. 29a. Der Bewirtschafter bzw. die Bewirtschafterin erhält mindestens einen der folgenden Direktzahlungsbeiträge:

  • Sömmerungsbeiträge (Art. 47 Direktzahlungsverordnung [DZV])
  • Offenhaltungsbeiträge (Art. 42 DZV)
  • Hang- oder Steillagenbeiträge (Art. 43 oder 44 DZV)
  • Biodiversitätsbeiträge (Art. 55 DZV)
  • Landschaftsqualitätsbeiträge (max. 240 Franken)

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Zusätzliche Hände für eine gepflegte Alp

Die Alp Holzmatten ist mit 154 ha Weidefläche zwar die kleinste, aber die berühmteste der sieben Bergschaften der Gemeinde Grindelwald: Sie diente als Modell zur Nutzung knapper Ressourcen, untersucht von Elinor Ostrom, die dafür später den Wirtschaftsnobelpreis erhielt. Einen Preis hat Martin «Tinu» Haldimann zwar nicht erhalten. Mit seiner Produktion von 5400 kg Berner Alpkäse hat der Senn im Sommer 2013 die Erwartungen der Bergschaft jedoch übertroffen. Dass er trotz dieser Leistung die Pflege der Alp aufrecht erhalten konnte, verdankt er einem Zivi.

Während 32 Jahren war er selbst Pächter einer Alp im Haslital – da waren sie jeweils zu dritt. Das Angebot aus Grindelwald nahm er zusammen mit seiner Frau an. Für die Arbeitsspitzen zu Beginn des Alpsommers erhielt er erstmals Hilfe eines Zivis. Der 22-jährige Markus half ihm beispielsweise beim Zäunen. Ein Kinderspiel für den gelernten Netzelektriker, der sonst dickere Drähte zu verlegen hat. «Der Markus, der war wirklich zwäg», erinnert sich Tinu. Obwohl: Ganze 12 Kilo habe der Zivi während des Alpsommers abgenommen. «Dabei ist meine Frau Koch», ergänzt er lachend.
Die Tage vergehen schnell auf der Alp. «Wenn du mit dem Käsen fertig bist, ist es Mittag.» Besonders im Vorsommer bleiben deshalb einige Arbeiten liegen, zum Beispiel die Pflege der Weiden. Da kam die Hilfe des Zivis gerade recht. Martin Haldimann hat sich für dieses Jahr extra eine neue Motorsense gekauft. So hat sich Markus jeweils vormittags selbständig in das vorher abgesprochene
Gebiet begeben, um Bäume, Sträucher und Dornen, aber auch Steine und Holz zu entfernen. «Am Nachmittag hab ich ihm jeweils geholfen. Es macht einfach mehr Spass zu zweit. Dafür hat er mir am Abend geholfen, die Kühe reinzutreiben.»

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Mit Markus hat sich Tinu einen Zivi geholt, der auch schon auf der Alp war. Das war ein Vorteil: «Er hat selbst gesehen, wo es etwas zu tun gibt. Mit so einem kann man gut einen Sommer lang zusammenarbeiten.» Doch zwingend sei diese Erfahrung nicht, weiss der Senn nach weit über 30 Alpsommern: «Du musst ihnen ein wenig Zeit lassen. Und jeden Handgriff zeigen.» So könne er manch einen auf der Alp brauchen, dem man es auf den ersten Blick nicht geben würde. Ganz unvorbereitet kommen die Zivis aber nicht: Hintergrundwissen und praktische Fertigkeiten erwerben sie in einem Ausbildungskurs, den sie vor dem Einsatz besuchen müssen. Zudem erwartet Haldimann ein wenig Anpassung an das Leben auf der Alp, auch wenn die erst drei Jahre alte Hütte in Grindelwald komfortabel eingerichtet sei. «Hier oben hast du halt einen anderen Rhythmus.»
Die zusätzliche Hilfe wird immer nötiger. Von den fünf heimischen Bauern seien bereits drei pensioniert. «Etwas Wege bauen, ein wenig grotznen. Das können die schon noch.» Doch die Bauern aus dem Unterland, die ihr Vieh auf der Holzmatte haben, die würden nur noch zahlen. «Aber irgendjemand muss die Arbeit ja machen», weiss der Emmentaler Haldimann. Deshalb wird er auch in kommenden Jahren auf die Unterstützung von Zivis setzen.
Und dem Zivi selbst scheint es auch nicht schlecht gefallen zu haben: Für den Alpsommer 2014 hat er bereits wieder einen Einsatz vereinbart. Wieder in Grindelwald.

Der Weg zum Zivi und der Weg zur Alp

Alpbewirtschafter oder Alpgenossenschaften informieren sich über obige Regionalzentren oder über die Vollzugsstelle für den Zivildienst ZIVI. Einsatzpläne können sie im Einsatzinformationssystem eintragen.
Zivis finden im Einsatzinformationssystem EIS mögliche Einsatzorte. https://www.ezivi.admin.ch/ivy/faces/instances/15376BCEC69EE8E7/MainPage.xhtml
Beide stellen Fragen an die Vollzugsstelle für den Zivildienst ZIVI: www.zivi.admin.ch

Ein Gedanke zu „Zivildienstler auf der Alp

  1. Ich bin dagegen. Ich habe vor 25 Jahren auf vielen Alpen gearbeitet weil ich es WOLLTE, nicht weil mich irgend jemand gezwungen hätte. Man kann immer behaupten es sei eine gute Sache, aber Staatszwang ist der falsche Weg. Ich bin damals mit Gutachten vom Militär freigekommen. Aber wenn man mich zum Zivildienst gezwungen hätte, hätte ich Gefängnis gewählt. Ganz einfach aus Prinzip. Ich lasse mich nicht zu gratis Arbeit zwingen. Das ist Sklaverei. Dieser Scheissmilitärdienst gehört endlich abgeschafft und auch der Zivildienst. Entweder man WILL GANZ FREIWILLIG in der Landwirtschaft arbeiten und man wird entsprechend bezahlt, oder man will es nicht. Nicht dieser Scheisszwang!

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